Interview

HP-Chef Fauser erklärt Konzernumbau und Strategie

26.11.2019
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.

HP partnert mit BASF, Evonik und Henkel

Können Sie prozentual einordnen, wieviel Geschäft HP künftig im Advance-Bereich, also mit PCs und Druckern, machen wird und wieviel im Disrupt-Bereich?

Im PC-Geschäft ist noch viel Musik drin, während es im schrumpfenden Drucker-Business um Marktanteile geht, sagt Bernhard Fauser. Wichtig wird das wachsende Geschäft mit industriellem Druck.
Im PC-Geschäft ist noch viel Musik drin, während es im schrumpfenden Drucker-Business um Marktanteile geht, sagt Bernhard Fauser. Wichtig wird das wachsende Geschäft mit industriellem Druck.
Foto: HP Inc.

Fauser: Momentan würde ich den überwiegenden Teil noch im Advance-Bereich sehen, aber wir gehen davon aus, dass sich die Geschäfte allmählich in die andere Richtung drehen werden. Wir befinden uns hier in einer langfristigen Transformation. Auch die Vertriebsprozesse sind andere.

Im 3D-Druck hat Deutschland eine Schlüsselrolle. Wir haben beispielsweise bei den Materialien Partnerschaften mit BASF, Evonik und Henkel geschlossen. Bei der Industrialisierung kooperieren wir mit Siemens. Es ist für uns eminent wichtig, professionell in der additiven Fertigung durchzustarten. Dazu müssen wir diverse Schnittstellen bedienen können. Der Design- und Fertigungsprozess hat ja nichts mit dem zu tun, was wir mit unseren Druckern im klassischen Büroumfeld vorfinden. Deswegen haben wir intern eine Commercial Organisation aufgestellt, die sich um das klassische HP-Geschäft kümmert. Eine weitere Organisation nimmt sich der Industrial-Themen an.

Welche Veränderungen erwarten Sie in Ihrem klassischen Geschäft mit PCs und Druckern?

Fauser: Im Business-Umfeld setzt sich durch, dass Geräte in einem As-a-Service-Modell bezogen werden. Die Unternehmen bevorzugen, wie auch bei der Software, variable anstelle von Fixkosten. Opex-Aufwendungen tauchen anders in der Bilanz auf als Capex-Investitionen. Außerdem ist man flexibler und skalierungsfähig, kann einfacher aufrüsten und verändern.

Das As-a-Service-Modell ermöglicht uns, PC- und Drucker-Umgebungen per Predictive Maintenance zu monitoren und beispielsweise zu sehen, wann ein PC oder Drucker ausgetauscht werden muss. Das machen wir nicht selbst, bieten unseren Partnern aber die Voraussetzungen, diese Aufgabe zu übernehmen. Die können mit solchen Systemen bei ihren Kunden ganze Geräteflotten überwachen. Das passiert derzeit vor allem bei Managed Print Services, aber zunehmend auch bei Devices as a Service, also PCs.

Es geht hier nicht nur um ein Finanzierungs- oder Leasing-Modell, sondern weit darüber hinaus um ein auf den Kunden zugeschnittenes Vertragsmodell, das wachsen und schrumpfen kann. Wir glauben, dass mit solchen Ansätzen die Nachfrage im PC-Geschäft stabil bleiben wird - auch noch im Februar 2020, wenn der Support für Windows 7 abgelaufen ist und viele Nutzer auf Windows 10 gewechselt haben werden.

Worauf kommt es bei der Weiterentwicklung der Notebooks selbst an?

Fauser: Die Welt der Arbeit wird zunehmend mobil, was zur Folge hat, dass es leichte, sichere Geräte mit einer hohen Akku-Leistung und fortgeschrittenen Sicherheits-Features braucht. Wichtig ist ein großes, hochauflösendes Display mit kleinem Rahmen und die Möglichkeit, ein Tablet draus zu machen. Bei unserem neuesten Modell sind 86 Prozent der Notebook-Fläche Bildschirm.

Auch das Thema Nachhaltigkeit wird wichtiger. Wir bauen die Geräte so, dass die Materialien später bei der Entsorgung einfach getrennt werden können. Und bei unserem neuen Gerät HP Elite Dragonfly bestehen nahezu alle Kunststoff-Bestandteile aus recycelten PET-Flaschen aus dem Meer. Wir haben im Rahmen einer großen Initiative vor Haiti Millionen von Flaschen aus dem Meer gefischt, gereinigt, geschreddert und wiederverwendet - zum Beispiel in den Lautsprechern und der Tastatur.

Der Arbeitsplatz der Zukunft wird kollaborativ sein, Telefon- und Videokonferenzen spielen eine wichtige Rolle. Deshalb gewinnen Speaker, Mikrofone und die Unterstützung von Telefonie eine Rolle. Klassische Leistungsmerkmale wie Prozessor, Hauptspeicher, SSD etc. bleiben wichtig, aber sie werden auf hohem Level erwartet - Differenzierungsmöglichkeiten sind hier eher eingeschränkt.