VPN-Dienst

Hotspot Shield soll Nutzer ausspähen

Stephan Wiesend schreibt für die Computerwoche als Experte zu den Themen Mac-OS, iOS, Software und Praxis. Nach Studium, Volontariat und Redakteursstelle bei dem Magazin Macwelt arbeitet er seit 2003 als freier Autor in München. Er schreibt regelmäßig für die Magazine Macwelt, iPhonewelt und iPadwelt.
Eine FTC-Klage gegen den VPN-Dienstleister behauptet, der Dienst würde das Surfverhalten seine Nutzer überwachen um zielgerichtete Werbung zu ermöglichen.

VPN-Dienste wie Hotspot Shield ermöglichen anonymes Surfen, indem sie den Internetverkehr eines Nutzers über eigene Server umleiten. Einer der beliebtesten Dienste ist Hotspot Shield, das neben einem kostenpflichtigen auch einen werbefinanzierter kostenloser Dienst bietet – sowohl für Macs, iOS-Geräte und PCs. Etwa 97 Prozent der 500 Millionen Kunden sollen laut ZDnet die kostenlose Version nutzen, die Anbieterfirma Anchorfree verspricht die Nutzerdaten nur anonymisiert zu erheben. Das Surf-Verhalten werde nicht erfasst und auch keine Protokolldaten erstellt.

Die werbefinanzierte Version von Hotspotshield soll das Surfverhalten seiner Nutzer ausspähen.
Die werbefinanzierte Version von Hotspotshield soll das Surfverhalten seiner Nutzer ausspähen.

Laut einer Klage der amerikanischen Organisation CDT bei der Federal Trade Commission scheint dies nicht ganz zu stimmen. Die um den Datenschutz besorgte Organisation ließ den Dienst von Forschern der Carnegie Mellon University analysieren, die nicht dokumentierte Datenverbindungen mit Werbenetzwerken fand. So soll die App des VPN-Anbieters gleich fünf verschiedene Technologien für das Überwachen des Surf-Verhaltens nutzen. Verspricht doch der Anbieter seinen Werbekunden, er könne Nutzer von Reiseseiten, Shops, Firmenseiten und Finanzdiensten identifizieren. Allerdings ist noch ungeklärt, inwieweit der Dienst dabei einzelne Nutzer identifiziert, was etwa über Cookies möglich wäre.

Laut den Forschern gibt es außerdem Sicherheitslücken. So werden bei Mobilfunkverbindungen Carrier-Informationen nicht verschlüsselt übertragen, was den Anwender angreifbar macht. All dies stehe im Widerspruch zu den Versprechungen des Dienstes und sei als Wettbewerbsverstoß zu werten. Gegenüber ZDnet hat Anchorfree die Vorwürfe beschritten: Kunden könnten nicht identifiziert werden und es würden auch keine Daten an Partner weitergegeben, durch die ein Anwender identifiziert werden könnte.

Unsere Meinung: Die Bereitschaft, für VPN-Dienste zu zahlen, scheint gering. So nutzen laut ZDnet nur ganze 3 Prozent der Hotspot-Shield-Anwender die kostenpflichtige Variante. Ein kostenloser VPN-Dienst kann aber eigentlich nur durch Werbung finanziert werden. Offensichtlich wandelt da ein VPN-Dienst auf einem schmalen Grad zwischen Schutz der Privatsphäre und Interessen der Werbekunden – will doch ein deutscher Elektronikhändler als Adressaten für seine Werbung nur deutsche Kunden, die sich auch für Elektronik interessieren sollten. Selbst wenn der Nutzer nicht namentlich identifiziert wird, wie der Dienst verspricht, scheint sein Surf-Verhalten aber vom Webdienst intensiv ausgewertet zu werden. Ob dies den Nutzern klar ist, erscheint uns jedoch fraglich und macht wohl auch die juristische Klärung nicht ganz einfach. (PC-Welt)