Freiberuflermarkt

Homeoffice als neue Freelancer-Norm

15.07.2020
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Corona hat auch den Freiberuflermarkt ordentlich in Bewegung gebracht. Der Anteil an Projekten mit Remote-Möglichkeiten ist überdurchschnittlich gestiegen, wie eine aktuelle Umfrage zeigt.
Was früher (fast) undenkbar war, wird jetzt nach Corona zur Normalität: dass Freiberufler viel stärker auch von zuhause ihre Kundenprojekte und nicht mehr vor Ort abwickeln.
Was früher (fast) undenkbar war, wird jetzt nach Corona zur Normalität: dass Freiberufler viel stärker auch von zuhause ihre Kundenprojekte und nicht mehr vor Ort abwickeln.
Foto: Creative Lab - shutterstock.com

Viele Geschäftsführer erzählen in diesen Zeiten ganz stolz, wie sie es reibungslos geschafft haben, zum Teil mehrere Tausend Mitarbeiter von heute auf morgen ins Homeoffice zu schicken - und das ohne negative Auswirkungen auf das Geschäft. Im Gegenteil, hinter vorgehaltener Hand gaben einige Chefs zu, dass ihre Mitarbeiter jetzt auf einmal sogar produktiver geworden sind.

"Leistung ist Leistung, egal wo sie vollbracht wird"

Das hat, wie jetzt eine aktuelle Auswertung des Freiberuflerportals freelance.de zeigt, auch Auswirkungen auf die Arbeit der IT-Selbständigen. Noch vor Corona taten sich die Auftraggeber nicht so leicht, den Freelancer aus dem Homeoffice arbeiten zu lassen. Wie Beratungsfirmen und auch Freiberufler bestätigen, war ein Tag Homeoffice-Arbeit für die Fremd-Consultants in der Regel das höchste der Gefühle, worauf sich ein Kunde einließ. Denn, wenn er schon den hohen Stundensatz löhnen musste, wollte er den Selbständigen auch bei sich "auf dem Schoß" haben. Und siehe da, von heute auf morgen saßen nun alle zu Hause und es lief. Die Analyse des auf Freelancer spezialisierten Portals ist deutlich: Die Anzahl an Projekten mit Remote-Anteil ist im Vergleich zur Vor-Corona-Zeit um rund 75 Prozent gestiegen. Und weiter: Der Anteil der Projekte mit Remote-Möglichkeiten machte vor einigen Monaten 20 Prozent aller Projekte aus - mittlerweile hat sich dieser Prozentsatz nahezu verdoppelt.

Stefan Oberdörfer, CBO bei freelance.de, ist überzeugt davon, dass die alten Zeiten nicht mehr zurückkommen werden.
Stefan Oberdörfer, CBO bei freelance.de, ist überzeugt davon, dass die alten Zeiten nicht mehr zurückkommen werden.

Stefan Oberdörfer, Chief Brand Officer (CBO) von freelance.de, ist überzeugt, dass "Change the normal ist" und die "alten Zeiten" nicht mehr zurückkommen werden. Die Auftraggeber stellen erfreut fest, dass sich die Projekte auch von zu Hause aus professionell abarbeiten lassen, heißt: Es werde künftig immer auch ein ordentlicher Anteil an Remote-Arbeit wie selbstverständlich vereinbart werden - Tendenz steigend. Mit der Konsequenz, dass so auch die Honorare in Bewegung geraten. Zwar wiegelt Oberdörfer ab: "Leistung ist Leistung, egal, wo sie vollbracht wird", richtig ist aber auch, dass so die Reise- und Übernachtungskosten wegfallen und die Honorarverhandlungen zwischen Personaldienstleiter und Auftraggeber oder auch zwischen Personaldienstleister und Freiberufler künftig sicherlich "intensiver" geführt werden.

Wo Freiberufler-Stundensätze noch steigen

Fakt ist, dass die Stundensätze, so eine weitere Erkenntnis der freelance.de-Auswertung - auf hohem Niveau - stagnieren. Der allgemeine Stundensatz über alle IT-Berufe hinweg (inklusive Projektmanagement) beträgt 91 Euro, das entspricht auch etwa dem Vor-Corona-Niveau. Der Wermutstropfen für die Frauen: deren Stundensatz liegt bei rund 80 Euro. Am besten kommen laut freelance.de-Auswertung die SAP-Experten durch die Krise: Deren Stundensatz ist im einstelligen Prozentbereich rückläufig und liegt im Durchschnitt bei 90 Euro. Fünf Euro pro Stunde weniger, also 85 Euro, ebenfalls mit leicht sinkender Tendenz, nehmen die IT-Security-Profis ein. Einzig die Entwickler kommen im Moment gestärkt aus der Krise: ihr Stundensatz steigt von 70 auf 78 Euro pro Stunde.

Eine gute Bestätigung für die Honorarentwicklung ist eine weitere Umfrage und zwar die nach den am meisten nachgefragten Skills. Hier rangiert SAP-Know-how an erster Stelle, vor Java-Kenntnissen, Abap- und C++-Knowhow. Programmiersprachen dominieren dieses Ranking, denn Javascipt, C# und Python tauchen ebenfalls in den Top Ten auf. Vor Corona gehörten noch Cobol und Perl zu den am meisten nachgefragten Skills - das hat sich nun erledigt.