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Hohe Abschreibungen belasten Microsofts Ergebnis

19.10.2001
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MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Hohe Abschreibungen auf verlustreiche Investitionen in Unternehmen der Kabel- und TK-Industrie bescherten Microsoft in seinem ersten Geschäftsquartal 2002 einen Gewinnrückgang um rund 42 Prozent. Der operative Profit übertraf jedoch die Erwartungen der Analysten um vier Cent. Für die Zukunft des neuen Betriebssystems Windows XP, das am 25. Oktober auf den Markt kommt, gab sich der US-Softwareriese zuversichtlich, auch wenn die PC-Verkaufszahlen weiter rückläufig ausfielen. Daher senkte Finanzchef John Connors die Prognose für das gesamte Geschäftsjahr 2002.

Noch im Juli hatte Connors für die kommenden zwölf Monate mit einem PC-Marktwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich gerechnet. Inzwischen geht der Chief Financial Officer von einem zweiprozentigen Rückgang aus. Für das gesamte Fiskaljahr, das im Juni 2002 endet, korrigierte Microsoft daher die Gewinnprognose von 1,91 bis 1,95 Dollar je Aktie auf nur mehr 1,61 bis 1,66 Dollar. Der Umsatz soll bei 28,4 bis 29,1 Milliarden Dollar liegen.

Für das zweite Fiskalquartal 2002 visiert das Unternehmen Einnahmen von 7,1 bis 7,3 Milliarden Dollar und einen Gewinn von 49 bis 50 Cent je Aktie an. Das wäre ein Cent weniger, als von Analysten prognostiziert wurde.

Im abgelaufenen ersten Geschäftsquartal wies die Gates-Company einen Nettogewinn von 1,28 Milliarden Dollar oder 23 Cent je Aktie aus. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum lag das Plus noch bei 2,21 Milliarden Dollar oder 40 Cent pro Anteilschein. Ohne Abschreibungen im Wert von 1,24 Milliarden Dollar auf verlustreiche Investitionen (im vierten Fiskalquartal 2001 mussten sogar 3,92 Milliarden Dollar abgeschrieben werden), betrug der Profit 2,89 Milliarden Dollar oder 43 Cent je Aktie. Das sind 4,3 Prozent mehr als im ersten Fiskalquartal 2001. Weitere Details zu Microsofts Fehlinvestments wollte Connors nicht nennen. Analysten waren nach einer Umfrage von First Call/Thomson Financial durchschnittlich von einem operativen Gewinn von 39 Cent pro Anteilschein ausgegangen. Der Umsatz des Softwareriesen stieg um sechs Prozent auf 6,13 Milliarden Dollar und lag geringfügig unter den Prognosen der Marktexperten, die mit 6,16 Milliarden Dollar gerechnet hatten.

Außer in Asien konnte Microsoft in allen Regionen Umsatzzuwächse verzeichnen. In Nord- und Südamerika sowie dem pazifischen Raum stiegen die Einnahmen im Jahresvergleich um 12,9 Prozent auf 2,43 Milliarden Dollar. Der Umsatz in Europa, Nahost und Afrika legte um 1,8 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar zu. In Asien hingegen fielen die Einnahmen um 14 Prozent auf 604 Millionen Dollar.

Die schwache Nachfrage nach PCs bescherte Microsofts Kerngeschäft im abgelaufenen Quartal nur mäßige Zuwachsraten: Der Umsatz mit Desktop-Applikationen stieg lediglich um zwei Prozent auf 2,19 Milliarden Dollar - die "Office"-Einnahmen waren sogar rückläufig. Die Desktop-Betriebssystem-Sparte (Windows) legte immerhin noch um sieben Prozent auf zwei Milliarden Dollar zu.

Erfreulich entwickelte sich hingegen das Geschäft mit Unternehmenssoftware und -services. Trotz der ungünstigen Marktbedingungen verzeichnete Microsoft in diesem Bereich ein Umsatzwachstum von 15 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar. Die Einnahmen aus dem Verkauf von Windows-2000-Serverprodukten kletterten um 20 Prozent. Mit ihrer Datenbanklösung "SQL Server" generierte die Gates-Company sogar 48 Prozent mehr Umsatz als noch im vergleichbaren Vorjahresquartal. Dieser Bereich ist nun die viert-größte Umsatzquelle von Microsoft.

Die Anleger reagierten bisher kaum auf die nachbörslich veröffentlichten Zahlen: Das Microsoft-Papier, das am gestrigen Donnerstag um 1,3 Prozent gestiegen war und bei 56,75 Dollar notierte hatte, legte nachbörslich lediglich um weitere 0,33 Prozent auf 56,94 Dollar zu.