IKT-Startups

Hightech-Gründung Schritt für Schritt

30.01.2019
Von   IDG ExpertenNetzwerk
Wolfram Groß ist seit 1990 Mitarbeiter der VDI/VDE Innovation + Technik GmbH in Berlin und seit 1997 Projektleiter des Gründerwettbewerbs des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi). Seine Schwerpunkte liegen in den Bereichen IKT sowie Gründungs- und Innovationsberatung. Seitdem wurde er zunehmend mit der Beratung und Begleitung von technologieorientierten Gründerteams beauftragt und leitet nun auch den 2016 aufgelegten "Gründerwettbewerb-Digitale Innovation."
Idee, Finanzplan, Unternehmensgründung, Umsetzung – junge Unternehmer stellen sich schon ganz am Anfang viele Fragen. Doch welche Überlegungen und Maßnahmen sind beim Schritt in die Selbstständigkeit sinnvoll?
  • Schon bei der Gründung muss ein vorausschauendes Finanzkonzept entwickelt werden.
  • Investoren als Teilhaber bieten eine Möglichkeit zur Kapitalbeschaffung.
  • Der Unique Selling Point gibt die Zielgruppe und Marketingstrategie vor.

Junge Unternehmen der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) stehen bei der Umsetzung ihrer Projekte vor besonderen Herausforderungen: Die Entwicklungsphase ist lang, Patentanmeldungen gestalten sich schwierig und erst nach dem Markteintritt können die Unternehmen mit ihren Produkten Geld verdienen. Dementsprechend muss bereits bei der Gründung ein vorausschauendes Finanzkonzept entwickelt und die Kapitalbeschaffung geklärt werden.

Für Startups sind lückenhafte Business-Pläne eines der größten Probleme bei der Kapitalbeschaffung.
Für Startups sind lückenhafte Business-Pläne eines der größten Probleme bei der Kapitalbeschaffung.
Foto: Rawpixel.com - shutterstock.com

Eine Möglichkeit der Kapitalbeschaffung ist es, Investoren an Bord zu holen. Startups können so ihr verfügbares Kapital erhöhen. Doch dieser Schritt muss gut vorbereitet werden. Als eines der größten Probleme bei der Kapitalbeschaffung geben Startups unter anderem lückenhafte Business-Pläne an, wie eine aktuelle Studie von PricewaterhouseCoopers zeigt. Doch eine erfolgreiche Gründergeschichte braucht neben einer guten Basis, also einer innovativen Idee mit Alleinstellungsmerkmal, auch einen Business-Plan, der die finanzielle Lage bis zum Markteintritt und darüber hinaus regelt.

Das Alleinstellungsmerkmal, der Unique Selling Point (USP), gibt die Zielgruppe vor und die Marketingstrategie kann entsprechend geplant werden. Dies ist ausschlaggebend für den späteren Produkterfolg. Eine Alternative zu Investoren stellen Gründer- und Ideenwettbewerbe dar, die Entrepreneuren nicht nur Preisgelder, sondern auch fachliches Know-how zur Verfügung stellen. Experten stehen den jungen Gründerinnen und Gründern zur Seite und unterstützen sie in allen Fragen zur Unternehmensgründung und Produktentwicklung.

Entwicklungsprozess als Einstiegshürde

Der Entwicklungsprozess vom ersten Prototypen bis zur Marktreife kann sehr langwierig und kostenintensiv sein. Vor allem in der Entwicklungsphase ist es wichtig, genügend Zeit für das Testen und Anpassen der Produkte einzukalkulieren. Je nach Art des Produkts kann es sinnvoll sein, durch eine Patentanmeldung das Alleinstellungsmerkmal der Idee abzusichern. Dies ist allerdings nicht immer möglich, weil zum Beispiel Softwareanwendungen in Europa nur eingeschränkt patentierfähig sind.

Hightech-Gründungen durchlaufen oft mehrere Phasen bis zur Marktreife. Von der Anfangsidee über die Entwicklung eines Prototypen bis hin zum Markteintritt kann es bis zu zwei Jahre dauern, eine Zeit, in der Geld ausgegeben, aber nur selten eingenommen wird. In bestimmten Branchen wie der Pharmaindustrie oder der Medizintechnik ist außerdem eine Zertifizierung des Produkts notwendig, was den Launch weiter verzögern kann.

Feedback als Entwicklungsmotor

Feedback sollte vor allem in der anfänglichen Testphase genutzt werden, um das Produkt zu optimieren. Fehler können so beseitigt und die Anwendung noch stärker an Kundenbedürfnisse angepasst werden. Unabhängig von der Thematik ist fundiertes Fachwissen gerade für Jungunternehmer essentiell. Da kann die Teilnahme an einem Ideenwettbewerb sinnvoll sein. Dafür reicht oft eine Ideenskizze, die den Mehrwert sowie die technische Innovation beschreibt. Beim "Gründerwettbewerb - Digitale Innovationen" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie beispielsweise erhalten die Preisträger des Wettbewerbs nicht nur frisches Kapital für ihr Unternehmen, sondern können auf ein umfassendes Netzwerk aus Coaches zugreifen sowie an Messen und Workshops teilnehmen. Schon jede eingereichte Ideenskizze wird mit individuellem Expertenfeedback belohnt.

Gerade zu Beginn der Gründung muss die Umsetzung und Finanzierung der Idee genau durchdacht werden. Hier ist es wichtig, vorausschauend zu planen und sich Feedback einzuholen. Vor allem bei der Kapitalbeschaffung können Gründerinnen und Gründer zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten wählen - entscheidend ist, was am besten zum eigenen Startup und dem Gründerteam passt.