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Hewlett skizziert HPs Zukunft ohne Fiorina

28.02.2002
Falls die Fusion zwischen HP und Compaq scheitern sollte, wäre der Rücktritt von Carleton Fiorina als HP-Chefin laut Walter Hewlett nicht das Schlechteste.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Walter Hewlett hat am gestrigen Mittwoch ein Dokument bei der US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) eingereicht, in dem er seine Zukunftsvision von Hewlett-Packard (HP) ohne Firmenchefin Carleton Fiorina umreißt. Der Sohn von HP-Mitbegründer William Hewlett entwirft darin ein mögliches Szenario für den Fall, dass die geplante Fusion zwischen dem kalifornischen IT-Konzern und Compaq Computer von den Aktionären abgelehnt wird. Das hätte zur Folge, dass Fiorina ihren Hut nehmen und ein Interimschef das Ruder bei HP übernehmen müsste. Dies könnte sich als ein sehr positiver Schritt für das Unternehmen entwickeln, argumentiert Hewlett, und nennt als Beispiele ähnliche Situationen bei Procter & Gamble, Honeywell und Apple Computer. Bei diesen Firmen habe es damals genügt, dass lediglich die Chief Executive Officers (CEOs) zurückgetreten

seien, um den Wert der Unternehmen wieder zu steigern.

Hewlett erklärte, als Proctor & Gamble seine Fusion mit Warner-Lambert absagen musste, sei Alan Lafley zum Interimschef ernannt worden. Seit seiner Berufung im Juni 2000 sei der Aktienwert des Unternehmens um 30 Prozent gestiegen. Bei Apple habe Steve Jobs 1997 Gil Amelio zunächst vorübergehend als CEO ersetzt und dem Konzern ähnliche Kursgewinne beschert. Honeywell habe von der Ernennung von Lawrence Bossidy zum Interims-Chef im Juli 2001 ebenfalls profitiert. Seit seinem Amtsantritt erhole sich die Aktie langsam wieder.

Fiorina bekniet Analysten

Gleichzeitig bemühte sich Fiorina am gestrigen Mittwoch in New York erneut, die Analysten für die geplante Fusion mit Compaq gewinnen. Sie präsentierte alt bekannte Argumente, dass eine Kombination der beiden IT-Konzerne jährliche Einsparungen von 2,5 Milliarden Dollar bringen und im Geschäftsjahr 2003 den Gewinn pro HP-Aktie auf 1,51 Dollar steigern würde. Damit läge der Profit um zwölf Prozent über den Analystenschätzungen für HP als Einzelunternehmen. Die Restrukturierungskosten bezifferte sie auf 1,4 Milliarden Dollar. "Die Zeit der reinen Produktfirmen ist vorbei", propagierte Fiorina. In der sich konsolidierenden IT-Industrie würden nur einige wenige Player überleben, die neben Produkten auch Services zu bieten hätten.

Die HP-Chefin kritisierte zudem Hewletts Alternative, der IT-Konzern solle sich auf sein lukratives Imaging- und Druckergeschäft konzentrieren, mit den Worten: "Lassen Sie sich davon nicht beeinflussen. Das ist kein Plan, das ist eine Pressemitteilung." Zudem nahm sie Bezug auf die jüngste Behauptung von Hewlett, dass sie und Compaq-Chef Michael Capellas nach Abschluss des Mergers mit insgesamt 115 Millionen Dollar Belohnung rechnen könnten (Computerwoche online berichtete). Sie bezeichnete diese Aussage als "irreführend". Fiorina warf Hewlett, der als HP-Direktor auch im Kompensationsausschuss des Unternehmens sitzt, vor, mit der Veröffentlichung dieser Informationen gegen seine Schweigepflicht verstoßen zu haben. Weitere Anfragen der

Analysten zu dem Thema wehrte sie ab: "Wir können nicht offen legen, was noch nicht entschieden wurde. Wir können keine Anstellungsverträge kommentieren, die nicht existieren."

Einige Analysten wollten wissen, wie der Plan B aussehe für den Fall, dass die HP-Aktionäre am 19. März gegen die Fusion stimmen. "Ich werde nicht darüber spekulieren, was passieren wird, wenn der Merger durchfällt", wehrte Fiorina ab. Die Frage, wie man beim Scheitern der Fusion auf den potenziellen Schaden bezüglich der Moral der HP-Mitarbeiter umgehen wolle, beantwortete Fiorina ebenfalls nicht.

"Computer-Merger funktionieren nicht"

Die meisten Analysten zeigten sich von der mehrstündigen Veranstaltung wenig beeindruckt und hielten an ihrer ursprünglichen Meinung zu dem Deal fest. Bill Gorman, Analyst bei PNC Advisors, wird seinen Kunden nach wie vor nahe legen, die Fusion zu befürworten. Er sei über "50 Prozent sicher", dass die Aktionäre mit Ja stimmen werden. Allerdings werde es nur eine knappe Mehrheit sein. "Es wird hart", sagte Gorman. "Der wunde Punkt ist, dass Computer-Merger nicht funktionieren."

Toni Sacconaghi, Analyst bei Sanford Bernstein & Co. und einer der überzeugtesten Fusionsgegner, blieb ebenfalls bei seiner ablehnenden Haltung. Er zeigte sich zwar "beeindruckt" von dem hohen Maß an Zeit und Bemühungen, das HP für die Planung des Mergers an den Tag gelegt hat, erklärte jedoch: "Man würde anderen Firmen Unrecht tun, wenn man davon ausgehen würde, dass sie ihre Fusionen nicht in ähnlicher Weise geplant hätten." Auch Analyst John Herndon von Aquila Management ist nach wie vor nicht von der Fusion überzeugt. "Ich will hören, dass Compaq einen Früchtekorb mit an den Tisch bringt. Aber davon war bislang nicht die Rede", erklärte er.

Viel hängt von dem noch ausstehenden Urteil der Beratungsfirma Institutional Shareholder Services Inc. (ISS) ab. Nach Angaben von HP-Finanzchef Bob Wayman werden wahrscheinlich rund 23 Prozent der HP-Aktionäre ihre Entscheidung an der ISS-Meinung orientieren. Das HP-Management hat seinen Pro-Merger-Plan auch bei der ISS vorgetragen. "Es war ein sehr gründlicher Prozess", sagte Fiorina. "Wir haben gute Argumente präsentiert." (ka)