Web

 

Hewlett: Ex-HP-Chef Platt soll Fiorina ersetzen

04.03.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Walter Hewlett hat Lewis Platt gebeten, als Interims-CEO für Hewlett-Packard (HP) zu fungieren, sollte die geplante Übernahme von Compaq nicht stattfinden, und Carleton Fiorina ihren Hut als Firmenchefin nehmen müssen. Das bestätigte seine Sprecherin am vergangenen Samstag. Platt, der von 1992 bis 1999 CEO des kalifornischen IT-Konzerns war, hat sich zu dem Gespräch bislang noch nicht geäußert. Der inzwischen 60-Jährige hatte noch vor drei Jahren für Fiorina als seine Nachfolgerin bei HP plädiert, ist jedoch gegen die von der Firmenchefin eingefädelte Fusion mit dem texanischen Computerhersteller. Platt sitzt im Verwaltungsrat der David and Lucile Packard Foundation, die 10,4 Prozent der HP-Anteile hält und auf der Hauptversammlung des IT-Konzerns am 19. März gegen den Merger stimmen will.

Das HP-Management bezeichnete die jüngste Aktion von Hewlett, der Mitglied im HP-Verwaltungsrat ist, als einen weiteren Versuch, die Aktionäre in die Irre zu führen. Es handele sich um eine "Ungeheuerlichkeit und eine eklatante Missachtung seiner Direktorenpflichten".

Nach Angaben der "New York Times" traf sich Platt zudem in der vergangenen Woche mit der einflussreichen Investment-Beratungsgesellschaft Institutional Shareholder Services (ISS), um seine Argumente gegen die Fusion vorzutragen. Die ISS will ihr Urteil zu dem Merger entweder am heutigen Montag oder morgigen Dienstag nach Börsenschluss bekannt geben. Das Votum der Berater könnte einen Großteil der HP-Aktionäre in ihrer Entscheidung am 19. März beeinflussen, denn 23 Prozent von ihnen sind ISS-Kunden.

Anleger wollen HP-Abstimmung verschieben

Fiorina droht Ärger auch von anderer Seite: Eine kalifornische Anwaltskanzlei hat nach eigener Aussage gerichtliche Schritte eingeleitet, damit die Abstimmung über die Fusion der IT-Giganten verschoben wird. Als Grund gibt die Sozietät an, HP und Compaq hätten unvollständige Informationen bei der US-Börsenaufsicht SEC (Securities and Exchange Commission) eingereicht. So müsse der Wert des Mergers neu kalkuliert und die entsprechenden Informationen an die HP-Anleger gesandt werden, hieß es. Die Anwaltsfirma Weiss & Yourman repräsentiert einige HP-Investoren, die nicht näher genannt wurden. (ka)