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Heute ist Madison-Tag

30.06.2003
Intel hat vor Jahren seine Zukunft auf die 64-Bit-Architektur "Itanium" verwettet. Deren mittlerweile dritte Generation könnte erstmals nennenswerte Einnahmen in die Kassen des Chipriesen spülen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Intel bringt heute die unter dem Codenamen "Madison" bekannte dritte Generation seiner 64-Bit-Architektur "Itanium" auf den bislang vor allem von RISC/Unix-Anbietern dominierten Markt. Mit geschätzten fünf Milliarden Dollar Kosten für Chipdesign und Fertigungsprozesse der Itanium-Linie wird es Zeit, dass der Hersteller substanzielle Umsätze mit der neuen Technik erzielt, hat er doch mehr oder weniger seine Zukunft auf die Produktlinie verwettet.

Nachdem die ersten Itanium-Prozessoren bei den Server-Herstellern kaum beachtet wurden, sieht die Sache inzwischen anders aus. "Das ist wie ein Marathon", erläutert Mike Fister, Senior Vice President und General Manager der Enterprise Products Group. "Die Leute sagen mir andauernd, dass Itanium nur einen Bruchteil der Xeon-Verkäufe erreicht. Auch wenn das richtig ist, wäre es falsch anzunehmen dass wir kein Momentum haben."

Deutlicher Leistungssprung

Der Madison wird wie sein Vorgänger "McKinley" unter der Markenbezeichnung "Itanium 2" verkauft, obwohl er sich technisch erheblich von der Vorgeneration unterscheidet. Das fängt schon bei der Taktung an: Madison gibt es mit 1,3 bis 1,5 Gigahertz im Vergleich zu 900 Megahertz und 1 GHz beim McKinley. Letzerer verfügt über entweder 1,5 oder 3 MB On-Chip-Level-3-Cache, besitzt rund 250 Millionen Transistoren und wird in einem 180-Nanometer-Prozess gefertigt. Der Madison weist gut 400 Millionen Transistoren auf (von denen nicht wenige auf den mit 3, 4 oder 6 MB verdoppelten L3-Cache entfallen) und wird mit deutlich kompakteren Strukturbreiten von 130 Nanometer gefertigt.

Von dem größeren Cache dürften laut Fister kommerzielle Anwendungen, die diesen ausnutzen (etwa Java-Applikationen), besonders profitieren. Den Madison gibt es in drei Varianten, die unterschiedliche Preis- und Leistungspunkte bieten. Der Einstiegschip taktet mit 1,3 GHz und ist mit 3 MB Cache bestückt. In den üblichen 1000er-Kontingenten kostet er 1338 Dollar. Die mittlere Ausführung taktet mit 1,4 GHz und bringt 4 MB L3-Cache mit, sie kostet 2447 Dollar. Die Highend-Variante schließlich ist 1,5 GHz schnell und mit 6 MB L3-Cache versehen, ihr Preis beträgt 4426 Dollar.

Besseres Preis-Leistungsverhältnis

Die Preise entsprechen exakt denen der bisherigen drei McKinley-Varianten; wer eine größere Preissenkung erwartet hatte, wird enttäuscht sein. Mit irgendwo zwischen 40 und 50 Prozent mehr Power bedeutet dies zumindest rein für die CPUs ein 40 bis 50 Prozent besseres Preis-Leistungsverhältnis. Ob die Mehrleistung gegenüber McKinley-Systemen erheblich ausfällt, ist angesichts deren ausgelieferter Stückzahlen weitgehend irrelevant (ganz zu schweigen vom Itanium-Erstling "Merced"). Beim Madison geht es um den Vergleich mit dem RISC/Unix-Wettbewerb, was man unter anderem daraus ablesen kann, dass Intel bereits vor dem Launch OEMs (Original Equipment Manufacturers) wie HP und NEC eindrucksvolle Benchmark-Resultate veröffentlichen ließ.

Angesichts der Verfügbarkeit von Windows Server 2003, HP-UX und Linux als Betriebssystem sowie von rund 400 ISV-Schlüsselanwendungen (Independent Software Vendors) - nach laut Fister rund 100 vor einem Jahr - könnte der Itanium nun die kritische Masse erreicht haben, um im kommerziellen Computing richtig in Schwung zu kommen. Auch für Entwickler ist inzwischen einiges geboten: Für Windows gibt es laut Fister inzwischen 44 Entwicklungs-Tools, zwölf unter HP-UX und 30 für Linux. Intel bietet inzwischen auch Itanium-Compiler für sechs verschiedene Programmiersprachen an.

Die Zukunft liegt in den Händen der Hersteller

Ob und wie erfolgreich Intels neuer Itanium wird, hängt unabhängig von Preisen und Benchmarks vor allem davon ab, wie die Akzeptanz des Produkts bei Workstation- und Server-Herstellern ausfällt. Bei zwei bis vier Prozessoren hat sich die Zahl der OEM-Itanium-Systeme im vergangenen Jahr laut Fister von 20 auf 40 verdoppelt; bei Konfigurationen mit acht und mehr Wegen von fünf auf zehn.

Und es sieht nicht schlecht aus für Intel: HP wird unter der Marke "Integrity" eine komplette Madison-Palette vom Uniprozessor-Server bis hoch zum 64-Wege-"Superdome" sowie die Itanium-2-Workstation "zx6000" vorstellen. Von Dell kommt der "Poweredge 3250", IBM bringt den "x450" mit Madison-Chips und den speziell für Linux-Cluster designten Zwei-Wege-Server "x382". Unisys startet seine "ES7000/400"-Linie zunächst mit einem Vier-Wege-Modell, das bis zu 16 Madison-Chips skaliert. Geplant sind drei Maschinen ("410", "420", "430") mit bis zu 32 CPUs. Auch NEC, SGI und Fujitsu-Siemens wollen den Madison in ihre bestehenden Itanium-2-Produktlinien integrieren.

Und: Neue Xeons

Ganz nebenbei bringt Intel heute auch noch neue Server-Prozessoren der 32-Bit-Linie "Xeon MP". Der kleinste der neuen Chips taktet mit 2 Gigahertz, verfügt über 1 MB L3-Cache und kostet 1338 Dollar. Mit 2,5 GHz und gleichfalls 1 MB L3-Cache ist der Xeon MP für 1980 Dollar zu haben. Die schnellste Ausführung mit 2,8 GHz ist mit 2 MB L3-Cache bestückt und schlägt mit 3692 Dollar zu Buche. Auch diese Chips werden sich in einer Reihe neuer Systeme der führenden Hersteller wiederfinden. (tc)