Internet of Things

Herkulesaufgabe IoT? So gelingt die Vernetzung

13.12.2016
Von   IDG ExpertenNetzwerk
Martin Böker leitet als Director das B2B-Geschäft bei der Samsung Electronics GmbH. In dieser Position ist er dafür verantwortlich, Unternehmen bei der digitalen Transformation zu unterstützten. Als Experte gibt er Einblicke in aktuelle Trends in diesem Bereich und liefert produktunabhängige Einschätzungen zu zentralen Fragen der Digitalisierung in Deutschland.
Viele Unternehmen haben die Bedeutung des IoT erkannt, scheuen jedoch die Komplexität des Themas. Sechs Überlegungen können dabei helfen, IoT-Projekte systematisch anzugehen - und so langfristig zum Erfolg zu machen.

Geschäftsprozesse effizient gestalten, neue Geschäftsmodelle entwickeln: Mit dem Internet of Things (IoT) verbinden viele Unternehmen große Hoffnungen. Im Rahmen einer aktuellen Studie prognostiziert das Marktforschungsunternehmen IDC, dass sich die weltweite Zahl der vernetzten Objekte bis 2020 von derzeit 14,9 Milliarden auf knapp 30 Milliarden verdoppeln könnte. Die Vernetzung kommt also, und zwar mit Siebenmeilenstiefeln.

Die Vernetzung durch das Internet of Things kommt, und zwar mit Siebenmeilenstiefeln.
Die Vernetzung durch das Internet of Things kommt, und zwar mit Siebenmeilenstiefeln.
Foto: Chesky - shutterstock.com

Mit dem IoT nimmt die Digitalisierung konkrete Gestalt an, beispielsweise in Form vernetzter Fertigungsanlagen, intelligenter Prozessketten, automatisierter Wartungsvorgänge oder neuer Serviceangebote. Während laut einer Studie von COMPUTERWOCHE und CIO 72 Prozent der Unternehmen das IoT als sehr oder extrem wichtig einordnen, befinden sich viele noch in der Evaluierungs- und Planungsphase, was die Umsetzung eigener IoT-Projekte anbelangt. Nur ein Drittel gibt an, bereits IoT-Initiativen als Pilotprojekt oder im laufenden Betrieb umgesetzt zu haben.

Die Studie zeigt außerdem: Viele Unternehmen scheuen die Komplexität des Themas. Auch unserer Erfahrung nach wissen viele nicht so recht, wo sie beim Umstieg auf vernetzte Abläufe, Produkte und Services anfangen sollen. Dabei kommt es aus unserer Sicht bei der Verwirklichung von IoT-Projekten vor allem auf eines an: ein planvolles Vorgehen. Das heißt nicht, dass es immer einen Masterplan gibt; einige einfache, aber effektive Überlegungen können Entscheidern jedoch dabei helfen, den Wandel systematisch anzugehen und die Erfolgschancen von IoT-Projekten zu steigern.

  1. IoT-Projekte zur Chefsache machen. Fragt man die IT-Verantwortlichen in Unternehmen nach der Relevanz des IoT für ihre Organisation, wird in der Regel deutlich, dass sie sich mit diesem Thema schon intensiv auseinandergesetzt haben. Nicht immer gilt das gleiche jedoch auch für die Geschäftsführung. Das kann problematisch sein, denn die Vernetzung betrifft nicht nur die IT-Abteilung, sondern eine Vielzahl an Bereichen im Unternehmen. Bei der Planung von IoT-Projekten sollten deshalb alle relevanten Rollen mit am Tisch sitzen – CEO, CIO und Fachbereichsleiter. So ist auch bei der Umsetzung eine enge Abstimmung und Zusammenarbeit möglich.

  2. Groß denken, klein anfangen. Auch bei IoT-Projekten gilt: Es muss nicht sofort der große Wurf sein. Nach unseren Erfahrungen sieht die Mehrheit der Unternehmen in der Vernetzung zunächst einmal eine Chance, interne Prozesse effizient zu gestalten und so die eigene Produktivität steigern zu können. Hier können oft schnell Erfolge erzielt und gleichzeitig wertvolle Erfahrungen in der Konzeption, Planung und Umsetzung von IoT-Projekten gesammelt werden. Interne Pilotprojekte können dann als hilfreiches Sprungbrett dienen, um im nächsten Schritt Produkte und Services durch IoT-Technologien zu erweitern oder neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.

  3. Die Strategie sollte den Zielen folgen, nicht umgekehrt. Gerade beim Thema IoT ist es wichtig, dass die Strategie zu den individuellen Voraussetzungen und Zielen eines Unternehmens passt. Das IoT ist ein Sammelbegriff für eine Vielfalt an Anwendungsszenarien und nicht jedes mögliche IoT-Projekt muss auch ein sinnvolles Projekt sein. Ebenso müssen nicht alle Daten, die sich über vernetzte Geräte sammeln lassen, auch tatsächlich nützlich sein. Bevor sie ein Projekt angehen, sollten sich Entscheider unseres Erachtens im Klaren sein, welchen Mehrwert sie sich davon versprechen. Ein gut durchdachter Masterplan kann das Risiko von Fehlinvestitionen und Kostenexplosionen senken und sollte gerade für kleine und mittlere Unternehmen unabdingbar sein.

  4. Sicherheitsvorbehalte sorgfältig durchdenken – und überwinden. Mit der Vernetzung steigen die Anforderungen an die IT-Sicherheit, denn sie kann mehr Einfallstore für Hacker liefern. Insbesondere an den „Rändern“, also an vermeintlich unwichtigen Stellen komplexer Kommunikationsverbindungen, können Schwachstellen zu Angriffspunkten werden. Entsprechend sind Sicherheitsbedenken beim Thema IoT eine der größten Hürden für Unternehmen. Dank moderner Security-Technologien kann diese jedoch gut überwunden werden. Eine ganzheitliche Sicherheitsstrategie und eine robuste Sicherheitsarchitektur, die Prozesse Ende-zu-Ende abdeckt, sind dafür das A und O. Hier sollten sich Unternehmen frühzeitig professionelle Unterstützung holen.

  5. Günstig ist gut, Vertrauen ist wichtig. Bei der Wahl eines Technologiepartners erachten wir es für Unternehmen als wichtiger, vorausschauend zu denken und eine langfristig-vertrauensvolle Zusammenarbeit kurzfristigen Kosteneinsparungen vorzuziehen. Gerade die ersten Schritte erfordern neben technologischem Know-how vor allem eine professionelle Beratung und einen ganzheitlichen technologischen Ansatz, da Investitionen in neue Systeme erforderlich sein können. Von Vorteil kann außerdem sein, wenn der gewählte Anbieter über ein breites Netzwerk an Partnern verfügt. Wenn ein Technologiepartner in der Lage ist, den gesamten Technologie-Stack für das IoT aus einer Hand abzubilden, können Lösungen Ende-zu-Ende bereitgestellt und nahtlos integriert werden.

  6. Erfolgsmessung priorisieren. Laut einer aktuellen Studie von IDG betreiben fast ein Fünftel der Unternehmen, die bereits IoT-Projekte umsetzen, derzeit keinerlei Erfolgsmessung. Eine robuste Evaluation kann jedoch essenziell sein, um Stellschrauben für Verbesserungen erkennen und überhaupt einschätzen zu können, ob ein Projekt Mehrwert generieren kann oder nicht. Die Erfolgsmessung sollte daher integraler Bestandteil jeder IoT-Strategie sein. Dazu zählt auch, Erfolgsfaktoren vorab zu definieren und das abhängig von den Zielen eines IoT-Projektes. Nur wenn Klarheit darüber herrscht, wann ein Projekt als Erfolg zu werten ist, können Unternehmen aus Fehlern lernen und entsprechend nachjustieren.

Sorgfältige Planung statt Aktionismus

Unserer Erfahrung nach haben vor allem kleine Unternehmen mit überschaubaren IT-Budgets und wenig fachlichen Ressourcen durch das IoT viel zu gewinnen. Allerdings können sie sich oft keine großen Fehltritte erlauben und sollten daher umso disziplinierter sein, wenn es um die Organisation von IoT-Projekten geht. Deren Erfolg kann wesentlich davon abhängen, ob sie „End-to-End“ durchdacht umgesetzt werden. Ein systematisches Vorgehen kann dazu beitragen, Komplexität zu reduzieren und Ressourcen gezielt einzusetzen. Aktionismus kann hingegen schnell kontraproduktiv wirken.

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Mein Fazit: Mit einer strategisch verankerten Planung, die alle wichtigen Stakeholder miteinbezieht, und einer robusten Erfolgsmessung können Unternehmen das Fundament für den erfolgreichen Einsatz von IoT-Technologien schaffen. Besonders wichtig ist dabei eine ganzheitliche und flexibel anpassbare Sicherheitslösung, denn Datenschutz und -sicherheit werden im Kontext des IoT weiterhin ein Thema bleiben. Die richtigen Partnerschaften sind ebenfalls erfolgsentscheidend. Hier gilt das alte Credo: Vertrauen zahlt sich aus. (mb)