Es muss nicht immer der Master sein

Her mit dem Bachelor

26.12.2013
Von 
Bettina Dobe ist Journalistin in München. Sie hat sich auf Wissenschafts-, Karriere- und Social Media- sowie Gesundheitsthemen spezialisiert. 

Hauptsache, irgendein Abschluss?

Dass man im Studium nicht das lernt, was man im Beruf nachher braucht, hatte man schon geahnt. Ein Abschluss, egal welcher Art, sei doch nur eines: "Er ist eine Karte, die man ausspielt", sagt Schott. Er sei eine Eintrittskarte in das Berufsleben. "Mit einem Master beweise ich, dass ich in der Lage bin, wissenschaftlich zu arbeiten und mich in mehrere Themengebiete hineinzudenken - mehr auch nicht", sagt Schott. Welche Spezialisierung derjenige Kandidat dann habe, sei letztendlich wieder egal. Trotzdem bringen der Bachelor und der Abschlussdschungel ganz andere Probleme mit sich als das Diplom.

Egal, welchen Abschluss man letzten Endes erwirbt: Im Grunde ist es erst einmal nur die Eintrittskarte in das Berufsleben.
Egal, welchen Abschluss man letzten Endes erwirbt: Im Grunde ist es erst einmal nur die Eintrittskarte in das Berufsleben.
Foto: xy - Fotolia.com

Zu jung zum Arbeiten

So hat etwa die Umstellung im Bologna-Prozess dazu geführt, dass die Absolventen deutlich jünger sind als noch vor einigen Jahren. Statt mit etwa 28 Jahren - das Durchschnittsalter eines Diplom-Studenten - bewerben sich bei Firmen nun im Schnitt 25-Jährige. Dank achtjährigem Gymnasium und ausgesetztem Wehrdienst klopfen sogar 21-Jährige bei Firmen an. Die Folgen: "Stärker als vorher werden von den Unternehmen bei den "jüngeren" Absolventen jedoch Defizite im Bereich der sozialen Kompetenzen festgestellt", heißt es in der Studie. Ganz von der Hand weisen lässt sich dieser Kritikpunkt wohl nicht: "Die Reife ist schon ein Thema", gibt auch Schott zu.

Etwas anderes kommt hinzu: "Einerseits ist die Durchdringung des Alltags mit der IT gigantisch. Die jungen Absolventen sind mit Facebook und Co. aufgewachsen", sagt Schott. Im Gegensatz zu 1995 beispielsweise müssten Menschen nun viel mehr Informationen in kürzerer Zeit verarbeiten können. Hinzu käme, dass die Jungen mit vergleichsweise "einfacher IT" aufwachsen, die Prozesse und Anwendungen im Unternehmen hingegen deutlich schwieriger sind. "Es dauert einfach eine Zeit, bis man sich da eingearbeitet hat", sagt Schott. Die Reife, im IT-Bereich arbeiten zu können, muss man sich erarbeiten. "Mit dem Alter hat das nichts zu tun", setzt Schott hinzu.

Längeres Recruiting

Auf Unternehmen kommt mit dem Bologna-Prozess und der Umstellung auf den Bachelor ein längerer Einstellungs-Prozess zu: "Ich denke, dass die Explosion der Studiengänge für die gesamte Branche bedeutet, dass der Recruiting-Prozess deutlich mehr Zeit in Anspruch nimmt", sagt CIO Ong. "Man kann die vielen Studiengänge einfach nicht mehr miteinander vergleichen", sagt er. Im Diplom half der Blick auf die Spezialisierung im Hauptfach weiter - das ist passé. Weil auch an jeder Uni zum Beispiel der B.A. Informatik anders gestaltet ist, müssen Personaler und Entscheider intensiv mit dem Kandidaten auseinandersetzen.

Heute käme es mehr auf die inhaltliche Gestaltung der Bewerbung an, sagt Ong. "Ich will im Anschreiben sehen, dass der Bewerber Dinge auf den Punkt bringen kann." Gleichzeitig muss ein Entscheider auch herausfinden, welche Fähigkeiten ein potenzieller Mitarbeiter tatsächlich mitbringt, da sich dies am Zeugnis nicht ablesen lässt. "Wir sind mittlerweile dazu übergegangen, im Interview kleine Fallstudien durchzuführen", sagt Ong. Das ist aufwändig und kostet Zeit - und Geld.

Kreative vor!

Die Investition in die Gespräche ist aber nicht umsonst: "Heute muss ein Bewerber kommunizieren und präsentieren können und ein Prozessverständnis mitbringen", sagt Schott. Das steht weder auf einem Zeugnis, noch lernt man so etwas in einer Hochschule. "Wenn er dieses Verständnis nicht hat, kann er auch ein Diplom mit Note 1 haben und es bringt ihm nichts." Da bevorzuge er lieber einen Dreier im Bachelorzeugnis mit gutem Verständnis für Unternehmensabläufe und Kreativität, meint Schott. Hauptsache, der Bewerber kann ihn von sich überzeugen. Schon ist das Blatt Papier mit dem Abschluss Nebensache.