Heißer Kampf um den Zukunftsmarkt Portale

04.04.2002
Von Frank Niemann
MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Firmenportale sollen einen bequemen Zugriff auf alle arbeitsplatzrelevanten Inhalte und Anwendungen erlauben. Getrieben von einem erbitterten Wettbewerb, versuchen die Anbieter von Portalsoftware, Kunden an ihre Plattform zu binden. Von Offenheit kann bis dato keine Rede sein. Um eine Standardisierung bemühen sich die Java-Community sowie das XML-Gremium Oasis .

Portale werden das Frontend beherrschen, das zumindest prophezeien die Hersteller von Anwendungssoftware und Applikations-Servern. Der Kampf um die Dominanz an der Benutzeroberfläche ist voll entbrannt. Anwender haben offenbar das Intranet neu entdeckt und bauen es zu Portalen aus. Diese Sites sollen den Zugriff auf Informationen vereinfachen, die in unterschiedlichen Formaten und Anwendungen lagern. Alle Anbieter solcher Systeme versprechen ihren Kunden eine Benutzer-Schnittstelle für den Zugang sowohl zu transaktionsorientierten Systemen, also strukturierten Daten, als auch zu unstrukturierten Informationen aus Dateisystemen, digitalen Archiven und Dokumenten-Management-Systemen.

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Das Anbieterspektrum für Portallösungen ist enorm. Hier treten die zahlreichen Hersteller von Web-Content-Management-Software an, ebenso eine Reihe von Business-Software-Anbietern wie <a href="http://www.siebel.com/" target="_blank">Siebel</a>, <a href="http://www.sap.com/" target="_blank">SAP</a> und <a href="http://www.peoplesoft.com/" target="_blank">Peoplesoft</a> sowie der Softwarekonzern <a href="http://www.microsoft.com/" target="_blank">Microsoft</a>. Ihnen stehen reine Portal-Player gegenüber, etwa <a href="http://www.epicentric.com/" target="_blank">Epicentric</a> oder <a href="http://www.plumtree.com/" target="_blank">Plumtree</a>. Verstärkt versuchen auch die Entwickler von auf Java 2 Enterprise Edition (J2EE) basierenden Applikations-Servern, mit eigenen Portalsystemen den Markt aufzurollen. In der Spitzenposition wähnen sich <a href="http://www.bea.com/" target="_blank">Bea</a> und <a href="http://www.ibm.com/" target="_blank">IBM</a>, die schon im

Applikations-Server-Segment die vorderen Plätze belegen. <a href="http://www.iplanet.com/" target="_blank">Iplanet</a> und <a href="http://www.oracle.com/" target="_blank">Oracle</a> sind mit von der Partie, bewegen sich aber hinsichtlich ihrer Verbreitung eher auf den hinteren Rängen.

Da viele Firmen Applikations-Server als einheitliche Middleware für den Zugriff auf Backend-Systeme nutzen, liegt es nahe, nun über ein Portal eine ebenfalls universelle Benutzeroberfläche zu schaffen. Die Portalsoftware läuft dabei als Anwendung auf dem Applikations-Server. So sind IBMs „Portal Server“ wie auch „Weblogic Portal“ vom Konkurrenten Bea fest mit der jeweiligen Middleware-Plattform verwoben. Wer sich also für den Applikations-Server Weblogic entschieden hat, soll nach dem Willen von Bea auch sein Portal mit dem Produkt des Herstellers errichten. Theoretisch könnte ein Unternehmen beispielsweise IBMs Portal-Server auch auf dem Applikations-Server von Bea zum Laufen bringen, doch würde dies zurzeit noch an den unterschiedlichen Release-Ständen bei der J2EE-Implementierung in beiden Produkten scheitern, meint ein Experte mit Projekterfahrung.