Mehr Stellenbesetzungen und Umsatzplus

Headhunter spüren nichts von der Krise

11.08.2022
Von 
Hans Königes ist Ressortleiter Jobs & Karriere und damit zuständig für alle Themen rund um Arbeitsmarkt, Jobs, Berufe, Gehälter, Personalmanagement, Recruiting sowie Social Media im Berufsleben.
Personal zu suchen, auszuwählen und zu binden wird eine immer anspruchsvollere Aufgabe, stellen die Vertreter der Personalberater fest. Sorgen muss man sich über die Zukunft der Branche dennoch nicht.
Headhunter sind gefragt wie nie - wenn es nach einer aktuellen Studie geht.
Headhunter sind gefragt wie nie - wenn es nach einer aktuellen Studie geht.
Foto: Ground Picture - shutterstock.com

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verzweifelt gesucht, so verlautet es zurzeit aus zahlreichen Branchen und für alle Hierarchieebenen in Unternehmen. Die Folge: Immer mehr Betriebe greifen bei der schwierigen Mitarbeitersuche auf die Unterstützung durch Personalberater zurück. In der neulich veröffentlichten Branchenstudie "Personalberatung in Deutschland 2022" des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberatungen (BDU) wird dies deutlich: Mit Hilfe der Headhunter konnten im vergangenen Jahr 16 Prozent mehr Stellen besetzt werden (2021: 76.000). Parallel ist der Branchenumsatz auf ein neues Allzeithoch von 2,7 Milliarden Euro geklettert, dies entspricht einem prozentualen Plus von 17 Prozent.

BDU-Vizepräsident Wolfram Tröger freut sich über die guten Zahlen: "Nicht wenige Unternehmen verzweifeln zunehmend am engen Personalmarkt und an ihren Nachwuchsproblemen. Die immer schwieriger werdende Situation führt zu mehr Suchaufträgen bei uns Headhuntern." Die Personalberatungsbranche wachse so stark wie seit zehn Jahren nicht mehr.

Die Nachfrage der Unternehmen bleibt hoch

Die positive Entwicklung des Vorjahres setzt sich auch heuer fort. 60 Prozent der Personalberater geben an, momentan mit ihren Umsätzen über ihren Budgetplanungen zu liegen. Eine leichte Eintrübung der Branchenstimmung ist nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine aber festzustellen. Nur noch rund ein Drittel geht von einer nochmals günstiger werdenden Geschäftssituation aus.

Der vom BDU erhobene Geschäftsklimaindex für die Consulting-Wirtschaft lässt für die Personalberatungen erkennen, dass der Indexwert von 114 im vierten Quartal 2021 auf 104,5 im zweiten Quartal 2022 gesunken ist. Der nach der gleichen Systematik erhobene Indexwert des ifo Instituts für die Gesamtwirtschaft liegt allerdings mit einem Stand von 93 zum Vergleichszeitpunkt deutlich darunter. Gemäß den Prognosen der Personalberatungen aus der aktuellen Branchenstudie soll sich am Ende des Jahres 2022 ein Marktwachstum von zwölf Prozent ergeben. Eine besonders starke Nachfrage wird aus dem Gesundheitswesen (+ 15,3 Prozent), den Professional Services (+ 14,4 Prozent) sowie der Chemie-/Pharmabranche (+ 14,4 Prozent) erwartet.

Honorare bleiben stabil

"Unser Stammgeschäft – die Suche, Auswahl und Gewinnung von Führungskräften und Expertinnen - stand 2021 mit einem Plus von 20,8 Prozent im Mittelpunkt der Marktentwicklung. Dieser Trend setzt sich aktuell fort", so Arne Adrian, Vorsitzender des BDU-Fachverbandes Personalberatung. Daneben werde die Managementdiagnostik als Geschäftsfeld für Personalberater immer wichtiger. Bereits heute kämen bei fast 60 Prozent der von Beratern durchgeführten Personalauswahlprojekten eignungsdiagnostische Verfahren zum Einsatz. Berufsbezogene Persönlichkeitstest würden zum Beispiel bei jedem zweiten, Assessmentcenter und bei jedem vierten Such- und Auswahlprozess angewendet. Digitale Tools, wie zum Beispiel CV Parser für die maschinelle Verarbeitung von Lebensläufen und Bewerbungen, nutzen zwei Drittel der Headhunter.

Das Zieleinkommen von knapp 60 Prozent der insgesamt im Jahr 2021 vermittelten 76.000 Kandidatinnen und Kandidaten lag zwischen 100.000 und 250.000 Euro. Leicht gestiegen ist der Anteil der von Personalberatern platzierten Kandidatinnen. Die Honorare sind auch in der Corona-Pandemie-Zeit stabil geblieben. Die Honorarhöhe bemisst sich meist am Zieleinkommen der Kandidatinnen und Kandidaten und beträgt durchschnittlich 27 Prozent. Über 90 Prozent der Personalberatungen setzen in ihren Suchprojekten die Direktansprache ein. Die Gesamtzahl der Beschäftigten in der Personalberatungsbranche ist um fünf Prozent auf 15.000 gestiegen.

Zur Studie:

Mehr als 200 Personalberatungen aus der gesamten Headhunterbranche haben an der Online-Befragung 'Personalberatung in Deutschland 2022' im Zeitraum April/Mai 2022 teilgenommen. 13 Prozent der Teilnehmenden kamen aus größeren Personalberatungen, 41 Prozent aus mittelgroßen und 46 Prozent aus kleineren. (mp)