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Hausdurchsuchung bei Mobilcom-Gründer Schmid

16.01.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Polizei in Schleswig hat am heutigen Donnerstag Geschäftsräume der Mobilcom AG in Büdelsdorf, der Millennium GmbH in Kiel sowie die Villa des Mobilcom-Gründers und Ex-Firmenchefs Gerhard Schmid durchsucht und Beweismaterial sichergestellt. Die Aktion steht laut Informationen des "Handelsblatts" im Zusammenhang mit Ermittlungen der Kieler Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Untreue gegen Schmid und seine Ehefrau Sybille Schmid-Sindram.

Schmid hatte im vergangenen Jahr als Vorstandschef von Mobilcom 71 Millionen Euro aus der Firmenkasse an das Unternehmen seiner Gattin, die Millennium GmbH, bezahlt, um ein Aktienoptionsprogramm aufzulegen. Mit den Firmenanteilen sollten besonders erfolgreiche Mobilcom-Verkäufer honoriert werden. Das Geschäft kam jedoch nie zustande, da der Mobilcom-Aufsichtsrat die Rechtsmäßigkeit des Programms anzweifelte. Das Geld ist allerdings bislang nicht an Mobilcom zurückgeflossen.

Der Büdelsdorfer Mobilfunkanbieter ist indes eifrig bemüht, die entstandenen Lücken in Vorstand und Aufsichtsrat wieder zu schließen. Insbesondere bei der Suche nach einem Nachfolger für den am Dienstag ausgeschiedenen Ulrich Kalthoff ist Eile geboten, da das Unternehmen laut Aktiengesetz mindestens über zwei Vorstände verfügen muss. Als Favorit für den Posten des Mobilcom-Vertriebsvorstands wird der Vertriebsleiter Micheal Grodt gehandelt, nachdem Freenet.de-Chef Eckhard Spoerr laut "Financial Times Deutschland" nicht zur Verfügung steht. Spoerr ist dem Bericht zufolge zuversichtlich, dass sein Unternehmen noch in diesem Monat die Festnetzsparte von Mobilcom übernimmt. In seiner jetzigen Funktion als Vorstandsvorsitzender könne er sowohl für Freenet.de als auch für Mobilcom gegenwärtig mehr erreichen, wenn er sich um die Übernahme des Festnetzgeschäftes von MobilCom kümmere, erklärte er der Wirtschaftszeitung.

Dem Bericht zufolge will der Ex-Thyssen-Chef Dieter Vogel auf der für kommenden Montag angesetzten Aufsichtsratssitzung erneut für den Vorsitz kandidieren. Vogel war im Dezember zweimal knapp bei einem entsprechenden Versuch gescheitert - gegen den Wunsch der Bundesregierung, der Gläubigerbanken und des Mobilcom-Großaktionärs France Télécom. Nach der entgültigen Abberufung des bisherigen Aufsichtsratsvorsitzenden und Schmid-Vertrauten Klaus Ripken sollen die Erfolgschancen nun wesentlich besser stehen. (mb)