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Hat Legato in Sachen Kundentreue gemogelt?

21.06.2004

Ein früherer Angestellter von Legato Systems beschuldigt das Unternehmen, es habe in den Monaten vor der Übernahme durch EMC mit den Zahlen getrickst. Der Speichersoftwareanbieter habe die Zahl der Kunden, die ihre Softwareverträge verlängert haben, zu hoch angesetzt, so der Vorwurf.

Die Anschuldigung stammt von dem ehemaligen Produkt-Manager von Legato, David Halterman. Er wurde nach eigener Darstellung gefeuert, weil er die beschönigten Angaben wiederholt gegenüber Vorgesetzten monierte. Wie aus Legatos Mitteilungen an die US-Börsenaufsicht SEC hervor geht, betrug die Erneuerungsrate mehr als 90 Prozent. Halterman spricht hingegen auf Basis von internen Daten bei einigen Produkten lediglich auf 20 bis 30 Prozent Kundentreue.

Der Prozentsatz der Vertragserneuerungen ist für Softwarefirmen ein wichtiges Maß, um festzustellen, in wieweit Bestandskunden das Produkt weiterhin nutzen und für Support-Leistungen zahlen. Obwohl Legato bei der Übernahme durch EMC nicht profitabel war, spiegelte der Kaufpreis von 1,3 Milliarden Dollar (oder 16 Prozent mehr als der damalige Marktwert) augenscheinlich das Vertrauen des Speicherriesen in die breite Kundenbasis der Company.

Wegen der Kündigung hat Halterman Legato und dessen Mutterkonzern EMC Anfang Juni auf Schadensersatz und Lohnnachzahlung verklagt. Ist der Vorwurf begründet, hat der Arbeitgeber mit dem Rauswurf zusätzlich gegen den Sarbanes-Oxley-Act verstoßen. Ein Firmensprecher von EMC nannte die Anschuldigungen indes völlig unbegründet. (mb)