Personalabbau in Berlin durch Fluktuation?

Harte Abmagerungskur bei SEL

26.03.1982

STUTTGART (hh) - Über 600 Arbeitsplätze muß die Standard Elektrik Lorenz AG (SEL) in ihrem Werk Berlin-Tempelhof "einsparen". Das Unternehmen sieht sich dazu durch die schlechte Auftragslage gezwungen. SEL war Ende '81 bei der Post-Ausschreibung für die Btx-Zentralen der IBM unterlegen. Der Auftragswert lag bei 50 Millionen Mark.

Von den 3200 Mitarbeitern der SEL in Berlin sind rund 2600 im Bereich der Nachrichtentechnik tätig. Das Unternehmen begründet den Sparplan mit der allgemeinen Konjunkturschwäche. Zusätzlich zu der Investitionsunlust der privaten Investoren erschwere das Sparprogramm der Bundesregierung die Situation.

Die Unternehmensleitung bemühe sich, die eigentlich notwendigen Entlassungen, die sich auf alle Werke des Unternehmens erstrecken sollen, im Rahmen der natürlichen Fluktuation aufzufangen. Insgesamt ist davon die Rede, daß rund 900 Arbeitsplätze bis zum Frühjahr des nächsten Jahres abgebaut werden. Der Wirtschaftsausschuß des Unternehmens ist von diesem Schritt informiert worden. Wie aus Berlin verlautet, habe Wirtschaftssenator Elmar Pieroth den Bundespostminister Kurt Gscheidle schriftlich um eine Überprüfung der Auftragsvergabe für das am stärksten betroffene Berliner Werk gebeten. Die Bundespost ist größter Auftraggeber des Unternehmens. Die Standard Elektrik Lorenz beschäftigt 33 000 Mitarbeiter.