Notrufsystem AML

Handy-Notruf übermittelt jetzt exakte Standortdaten

25.10.2019
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Seine erste Berührung mit Informatik erfolgte an einem C64 samt Floppy VC 1541. Von Anfang an nutzte er diesen faszinierenden Heimcomputer nicht nur zum Daddeln, sondern auch für die Basic-Programmierung. Unter anderem half er seinen damals etwas müden Kopfrechnen-Fähigkeiten auf die Sprünge, indem er ein Programm schrieb, das immer zwei zufällig ausgewählte Zahlen zur Multiplikation stellte. Im Hintergrund lief ein Timer. Nur wenn er das Ergebnis innerhalb des vorgegebenen Zeitraums, der leider manchmal zu knapp bemessen war, richtig eintippte, bekam er einen Punkt gutgeschrieben. Seine Highscore-Ergebnisse waren durchwachsen, seine Programmierkenntnisse dafür umso besser. Der Lehrstuhl, an dem er als studentische Hilfskraft angestellt war, gehörte seinerzeit zu den Vorreitern in Sachen IT. Man übersetzte damals die griechischen Inschriften der antiken Stadt Hierapolis – heute ist dieses türkische Pamukkale bekannt durch seine Kalksinter-Terrassen. Die wissenschaftlich korrekt erfassten und kommentierten Inschriften bearbeiteten Dirscherl und Kollegen zunächst in Wordperfect. Anschließend landeten die Texte in einer Datenbank, die auf CD gepresst und für sündhaft viel Geld weltweit verkauft wurde. Über dieses epigraphische Datenbankprojekt, diverse C-Programmierereien auf Unix-Systemen und seine ersten Experimente mit Linux landete er schließlich professionell bei der IT. Seit den späten 1990-ern nutzt er Linux als Produktivsystem, seit Anfang der 2000-er Jahre ist Linux sein hauptsächliches OS. Nach vielen Jahren mit Suse Linux und Open Suse und zwischendurch Ausflügen zu Red Hat und Debian landete er bei Ubuntu und erledigt damit alle Arbeiten. Linux und C ist er bis heute treu geblieben – nach einem Ausflug zu PHP und MySQL. Mittlerweile bastelt er auch mit Arduino. Bei pcwelt.de betreut er vor allem Business-IT-Themen und hat den Auto & Technik-Bereich von Null beginnend aufgebaut. Seine Tests der Infotainmentsysteme in modernen Fahrzeugen gehören zu den ausführlichsten Tests, die man dazu überhaupt finden kann. Daneben schreibt er zudem fast täglich aktuelle Meldungen aus der IT-Welt.
Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica Deutschland/O2 unterstützen ab sofort das Notrufsystem AML. Damit wird bei einem Notruf von Android-Smartphonen automatisch die Position des Anrufers an die Rettungsleitstelle übermittelt. Das klappt derzeit aber noch nicht mit iPhones! Und keineswegs alle Rettungsdienste wissen davon!

Vodafone, Telefónica Deutschland und die Deutsche Telekom haben mitgeteilt, dass deren Mobilfunknetze ab sofort das Notrufsystem AML (Advanced Mobile Location) unterstützen. AML ermöglicht eine genaue Ortung von Hilfesuchenden. Von der Aktivierung von AML im Mobilfunknetz von Telefónica Deutschland profitieren dem Unternehmen zufolge alle Kunden der Kernmarke O2 sowie alle weiteren Marken und Partnermarken von Telefónica Deutschland (Blau, Aldi Talk, Tchibo mobil, AY YILDIZ, Ortel Mobile, Nettokom etc.), die ein Endgerät mit Android-Betriebssystem besitzen.

Leben retten: Notrufe via Telekom, Telefónica & Vodafone übermitteln jetzt Standortdaten
Leben retten: Notrufe via Telekom, Telefónica & Vodafone übermitteln jetzt Standortdaten
Foto: Vodafone

Der große Vorteil von Advanced Mobile Location laut O2: „Bei AML übermittelt das Smartphone im Zuge der Kontaktaufnahme über die Notrufnummer 112 den genauen Standort des Anrufers automatisch und bis auf wenige Meter genau an die Rettungsleitstelle. AML-Daten basieren auf exakten GPS-Koordinaten und sind damit weitaus genauer als die bisherige grobe Ortung über Funkzellen. Die Rettungsdienste können damit die Position von Hilfesuchenden exakt bestimmen und damit noch schneller an den Einsatzort gelangen.“

Die Standortübermittlung via AML ist besonders in ländlichen Gegenden, im Wald oder an abgelegenen Orten von Vorteil, wo sich ein Anrufer oft schwer tut die eigene Position exakt zu beschreiben. Außerdem hilft AML natürlich immer dann, wenn der Anrufer ortsfremd ist und überhaupt nicht weiß, wo er sich genau befindet.

Telefónica Deutschland beschreibt die Hintergründe so: „In Zusammenarbeit mit den Rettungsleitstellen und den deutschen Netzbetreibern wurde das System im September 2019 bundesweit gestartet. Auf Seiten der Behörden betreiben die Integrierte Leitstelle Freiburg-Breisgau Hochschwarzwald sowie die Berliner Feuerwehr den zentralen AML-Endpunkt. Der AML-Service wird nun sukzessive in allen rund 250 deutschen Rettungsleitstellen implementiert, die den Notruf 112 entgegennehmen. Bereits heute kann rund ein Drittel aller Leitstellen die AML-Daten von Mobilfunkkunden empfangen.“

Das AML-System benötigt keine eigene App, sondern ist in die Betriebssysteme Google Android und Apple iOS direkt integriert. Kunden müssen also keine Anwendung installieren oder anderweitig aktiv werden. Sobald sie die Notrufnummer 112 wählen, wird der Standortdienst (GPS) im Smartphone automatisch aktiviert und die genaue Position kostenlos direkt an die zuständige Leitstelle übermittelt.

Technische Voraussetzung: Android Emergency Location Service (ELS), Googles Ausführung von AML, wird von allen Smartphones mit Android 4.0 und höher unterstützt, sofern die Google Play Services installiert sind. Bei Apple wird - sobald die iPhones AML offiziell unterstützen - vermutlich iOS 11.3 Mindestvoraussetzung sein.

Datenschutz: Google habe AML so entwickelt, dass Standortdaten nur übermittelt werden, wenn der Smartphone-Nutzer die Notrufnummer 112 wählt. Die Daten werden nur eine Stunde lang im zentralen AML-Endpunkt gespeichert und danach gelöscht. Dann stehen sie nur noch der zuständigen Leitstelle zur Verfügung.

iPhones unterstützen Notrufe mit Standortübermittlung via AML in Deutschland aktuell noch nicht: Apples Betriebssystem iOS unterstützt seit Version 11.3 grundsätzlich AML. Allerdings sind die iPhones hzum offiziellen Start von AML in Deutschland noch nicht mit dabei. Apple hat den AML-Support aber längst getestet und in einigen Staaten außerhalb von Deutschland arbeiten iPhones bereits mit AML zusammen. Wie PC-WELT aus gut informierten Kreisen erfahren hat, dürfte Apple in wenigen Tagen oder Wochen ebenfalls die AML-Nutzung in Deutschland frei geben. (PC-Welt)