iPadOS 14.5

Handschriftenerkennung Scribble jetzt auf deutsch - Kritzeln

05.02.2021
Von 
Peter Müller ist der Ansicht, dass ein Apple täglich den Arzt erspart. Sei es iMac, Macbook, iPhone oder iPad, was anderes kommt nicht auf den Tisch oder in die Tasche. Seit 1998 beobachtet er die Szene rund um den Hersteller von hochwertigen IT-Produkten in Cupertino genau. Weil er schon so lange dabei ist, kennt er die Apple-Geschichte genau genug, um auch die Gegenwart des Mac-Herstellers kritisch und fair einordnen zu können. Ausgeschlafene Zeitgenossen kennen und schätzen seine Beiträge im Macwelt-Morgenmagazin, die die Leser werktags pünktlich um acht Uhr morgens in den nächsten Tag mit Apfel und ohne Doktor begleiten. Privat schlägt sein Herz für die Familie, den FC Bayern, sechs Saiten, Blues-Skalen und Triolen im Shuffle-Rhythmus.
Mit iPadOS 14 brachte Apple die Handschriftenerkennung Scribble - 22 Jahre nach dem Ende des Newton. Ab iPadOS 14.5 lässt es sich nun auch auf Deutsch kritzeln.

Wie das Pendant iOS 14.5 bringt das Update für das iPad-Betriebssystem, iPadOS 14.5, die bereits im letzten Sommer von Apple angekündigte Ad Transparency: Im Wesentlichen müssen Anbieter von Apps und Services nun klar aufzeigen, welche Daten der Nutzer sie speichern und verarbeiten, Tracker, die den Nutzer quer über alle Apps und das gesamte Netz verfolgen, sind ab Werk ausgeschaltet, iPad- und iPhone-Besitzer müssen sie auf Anfrage bewusst einschalten – Tracker bieten ja auch einige Vorteile, meinen selbst die Nutzer der Geräte laut Umfragen.

iPadOS 14 erkennt Handschriften und Gekrakel
iPadOS 14 erkennt Handschriften und Gekrakel
Foto: Apple

Doch iPadOS und iOS gehen mit der Zeit immer weiter auseinander, das bemerkt man nicht nur an auf dem iPad fehlenden Features wie der App-Mediathek oder der von einer Apple Watch unterstützten FaceID, sondern auch an einer Funktion, die Apple mit iPadOS zurück auf seine Gerätschaften gebracht hat: Handschriftenerkennung. Mit iPadOS 14.5 funktioniert diese nun auch auf Deutsch, wie wir anhand der ersten Public Beta ausprobiert haben.

Das Killer-Feature des Newton hat Apples legendäres Notepad schlussendlich selbst gekillt: Die Handschriftenerkennung hat nicht die Erwartungen erfüllt, die Apple letztlich selbst geschürt hatte. Von Anfang an war der Spott groß, auch wenn nicht jeder Testsatz zu Eierflecken verballhort wurde. Die Konkurrenz ging Mitte der Neunziger Kompromisse ein und zog an Apple vorbei: Palm etwa mit seiner Kurzschrift Graffiti. Dabei musste man das Schreiben im Prinzip völlig neu lernen, da die Technik nur aus den vordefinierten Formen editierbaren, getippten Text machen konnte. Handschriftenerkennung war das nicht, funktionierte aber erstaunlich gut.

Palm ist Geschichte, vom iPod, iPhone und iPad überrollt. Apple packt nun erneut den Versuch an, ein Tablet Handschriften erkennen zu lassen. Und in iPadOS mit dem Apple Pencil funktioniert das nun erstaunlich gut, selbst für Leute, deren Sauklaue vermuten lässt, sie hätten den Beruf verfehlt und wären besser Arzt geworden.

In unserem ersten Blick erkennen wir schon jetzt einen begabten Apotheker, um beim Bild der nur schwer entzifferbaren Schrift zu bleiben – wir hatten letzten Sommer schon Erfahrungen mit dem Feature in Englisch, auf Deutsch erkennen wir praktisch keine Unterschiede bei der Leistungsfähigkeit der Technik.

Man muss sich jedoch auch ein wenig bemühen und halbwegs ordentlich schreiben. Für Ärzte und für unsere reguläre Sauklaue ist das also nichts. Getestet haben wir mit einem auf iPadOS 14.5 Public Beta 1 installierten iPad Air 4 und dem zugehörigen Apple Pencil der zweiten Generation. Schon wenn wir den Stift von seiner magnetischen Halterung abnehmen, poppt eine Information zu den Neuerungen auf, "Kritzeln" heißt also das Feature auf Apple-Deutsch.

So installieren Sie die Beta

Apple lässt seine Kunden seit einigen Jahren vorab Beta-Software testen - das Feedback ist wertvoll, um etwaige Fehler vor der finalen Veröffentlichung zu beheben. Die Teilnahme am Public-Beta-Programm ist kostenlos, Sie müssen sich nur unter beta.apple.com mit ihrer Apple-ID registrieren. Haben Sie Ihr Gerät für den Test von Vorabversionen dort angemeldet, laden Sie ein Profil, das nach erfolgreicher Installation aktuelle Beta-Versionen über den App Store bezieht. Die Installation selbst erfolgt in gleicher Art und Weise wie die von regulären Versionen, Sie finden in der Einstellungen-App unter "Softwareupdate" die jeweils neue Version, ein rotes Warnelement im Icon der App weist auf das Update hin.

Bei Apple registrierte Entwickler haben einen leichten Vorsprung, wenn eine Version vollkommen neu ist, wie das jeden Sommer bei der WWDC der Fall ist, kann der eine Woche und länger betragen, auf Punkt-Updates haben Entwickler in der Regel einen Tag früher Zugriff, bei iPadOS 14.5 und iOS 14.5 waren es mal drei Tage. In seltenen Fällen bekommen nur Entwickler eine neue Beta-Version.

Um solche Developer Preview szu installieren, müssen Sie als Entwickler bei Apple registriert sein, der Jahresbeitrag für das Entwicklerprogramm beträgt 99 US-Dollar.

Unseren ersten Testsatz erkennt das iPad so halbwegs, wie man aber anhand der Bildschirmaufnahme erkennt, muss sich die Technik auch viel Mühe geben, um das Gekritzel zu interpretieren. Wir wechseln nun in die App Notizen, die ja die wichtigste Anlaufstelle für Handschriftliches sein dürfte. Dabei ist zu beachten, dass man das richtige Werkzeug wählt, unter den Stiften ist in der Werkzeugleiste jetzt auch der für die Texterkennung ganz links platziert, gut zu erkennen am "A". Sonst würde auf dem Notizzettel nur das Gekritzel stehen bleiben und kein editierbarer Text daraus werden.

Kritzeln kann man aber ab iPadOS in allen Programmen, die eine Texteingabe vorsehen, etwa auch in Pages, Numbers, Keynote und mehr. Selbst der Browser akzeptiert Gekritzel, wenn auch hier die Texterkennung nicht besser ist, versteht wenigstens die dahinter liegende Suchmaschine, was gemeint ist.

Was aber Leute besonders begeistert, die nicht nur schlecht in Kalligraphie sind, sondern generell im Zeichnen: Scribble/Kritzeln macht aus schlechten Kreisen oder schiefen Dreiecken korrekte Formen. Dazu zeichnet man das gewünschte Objekt und lässt den Pencil noch ein wenig ruhen – schon korrigiert das iPad die Zeichnung.

Testsatz also erfolgreich geschrieben und erkannt, dann können wir ja Ovale krakeln und auf die von der Technik perfekt geformten Eier mit Flecken verzieren. Fehlt eigentlich nur, dass man in einer App fünf Linien, einen Notenschlüssel und Taktstriche zeichnet, Noten setzt und die App das dann als Musik umsetzt. Dafür gibt es bereits Apps, etwa das rund 90 Euro teure StaffPad. (Macwelt)