Gute Auftragslage, mehr Geld

Halbjahresbilanz 2014 für Freiberufler

10.09.2014
Von 
Susanne Köppler ist nach einigen Jahren als Praktikantin und freie Mitarbeiterin in den Redaktionen des IDG Medienhauses nun als Content Managerin Events für die inhaltliche Ausgestaltung der Channel- und C-Level-Events bei IDG verantwortlich.
Weniger Akquiseaufwand, mehr Projektauslastung: Das Jahr 2014 entwickelt sich positiv für IT-Freiberufler, wie die kürzlich veröffentlichte Solcom-Marktstudie "Zwischenbilanz Geschäftsjahr 2014" und die vom Freelancer-Marktplatz twago durchgeführte Untersuchung zu den begehrtesten Fähigkeiten für IT-Projekte zeigen.

Die Unternehmensberatung Solcom hat 493 Abonnenten ihres Onlinemagazins nach deren Einschätzung des ersten Halbjahres sowie deren Projektsituation befragt. Insgesamt blicken die IT-Selbständigen positiv auf die ersten sechs Monate 2014 zurück. Nicht nur die Projektauslastung, auch die Wahrnehmung der ersten Jahreshälfte hat sich im Vergleich zu der Befragung 2013 verbessert.

Bessere Projektauslastung

Dass sich die Lage auf dem Projektmarkt verbessert hat, zeigt unter anderem die verkürzte Akquisezeit. Um an ein Projekt zu kommen, müssen Freiberufler laut der Solcom-Marktstudie durchschnittlich weniger Vorstellungsgespräche wahrnehmen, als dies noch im Vorjahr der Fall war. Fast 85 Prozent geben an, höchstens fünf Termine zu benötigen, um eine Beauftragung zu bekommen. Das sind 15 Prozentpunkte mehr als 2013. Von 5,1 Prozent auf 3,9 Prozent ist der Anteil gesunken, der mehr als zehn Termine braucht, um dies zu erreichen.

Gute Aussichten: Freiberufler blicken positiv auf das erste Halbjahr 2014 zurück, aber auch zuversichtlich in die Zukunft.
Gute Aussichten: Freiberufler blicken positiv auf das erste Halbjahr 2014 zurück, aber auch zuversichtlich in die Zukunft.
Foto: ryanking999 - fotolia.com

Dies hat zur Folge, dass sich die Projektauslastung bei den befragten IT-Freelancern im ersten Halbjahr 2014 im Vergleich zum gleichen Zeitraum 2013 verbessert hat. Der Anteil mit einer schwachen Auslastung von unter 25 Prozent hat sich von 20,5 auf 3,4 Prozent deutlich verringert. Eine Auslastung über 50 Prozent geben insgesamt über 80 Prozent der Teilnehmer an. Mehr als ein Viertel der Befragten ist überzeugt, dass sich die Projektauslastung im Vergleich zum Vorjahr verbessert hat. 2013 waren nur 13,2 Prozent dieser Meinung. Dass sich die Auslastung verschlechtert hat, stellten 2013 noch über 44 Prozent fest. In der aktuellen Befragung sind es mehr als 20 Prozentpunkte weniger. Über die Hälfte der Freiberufler sind 2014 der Studie zufolge ähnlich ausgelastet wie im Vorjahr.

Wie war Ihre Projektauslastung im ersten Halbjahr 2014? - Über 80 Prozent der Freiberufler geben eine Auslastung von mehr als 50 Prozent an. Eine deutliche Verbesserung zum Vorjahr.
Wie war Ihre Projektauslastung im ersten Halbjahr 2014? - Über 80 Prozent der Freiberufler geben eine Auslastung von mehr als 50 Prozent an. Eine deutliche Verbesserung zum Vorjahr.
Foto: Solcom

Stundensatz und Aufgabe am wichtigsten

Das vergrößerte Angebot auf dem Projektmarkt zeigt sich auch darin, dass die von Solcom Befragten ihre Schwerpunkte bei den Auswahlkriterien für die Projektwahl anders setzen. War es 2013 noch knapp 23 Prozent der Freiberufler wichtig, überhaupt ein Projekt zu bekommen, ist dieser Anteil im ersten Halbjahr 2014 auf 7,3 Prozent gesunken. Wichtig sind den Teilnehmern primär der Stundensatz und die mit dem Projekt verbundene Aufgabe: Fast neun von zehn Selbständigen achten bei der Projektwahl auf den Stundensatz, knapp dreiviertel ist die Aufgabe wichtig. Einen Aufschwung bei den Stundensätzen konnten mit 28,6 Prozent der Externen fast 10 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr feststellen. Diesem Trend folgend ging der Anteil derer, die keinen Unterschied zum Vorjahr feststellten oder gesunkene Stundensätze registrierten, zurück.

Gut 41 Prozent der Freiberufler erwartet der Studie zufolge für den Rest des Jahres, dass die Projektauslastung auf dem gleichen Niveau wie im im ersten Halbjahr bleibt. Über ein Drittel der Befragten (34,1 Prozent) ist noch optimistischer: Sie gehen von einer leichten oder deutlichen Verbesserung aus. 2013 war nur knapp ein Viertel so positiv gestimmt. Die Pessimisten sind 2014 mit knapp 25 Prozent entsprechend weniger geworden: 2013 gingen noch rund 37 Prozent von einer Verschlechterung der Projektauslastung aus.

Wie hat sich die Projektauslastung 2014 im Vergleich zum Vorjahr entwickelt? - Für gut zwölf Prozent mehr als 2013 hat sich die Projektauslastung verbessert.
Wie hat sich die Projektauslastung 2014 im Vergleich zum Vorjahr entwickelt? - Für gut zwölf Prozent mehr als 2013 hat sich die Projektauslastung verbessert.
Foto: Solcom

Top 10 der begehrtesten Fähigkeiten

Jedoch nicht jeder IT-Freelancer ist gefragt. Welche Skills braucht ein selbständiger IT-Profi, um seine Projektauslastung und seinen Stundenlohn auf Dauer hoch halten zu können? Twago, ein europäischer Marktplatz für Selbständige, hat die meist gefragten Fähigkeiten für IT- und Web-Projekte des ersten Halbjahres 2014 veröffentlicht. Hierfür hat das Berliner Unternehmen die über seinen Marktplatz ausgeschriebenen Projekte analysiert.

Vor allem PHP und HTML/HTML5

  1. Die am häufigsten von den Auftraggebern nachgefragte Programmierfähigkeit ist PHP. 8,4 Prozent der ausgeschriebenen Projekte fordern fundierte Kenntnisse in diesem Bereich. 2013 waren es laut twago noch 1,3 Prozent weniger.

  2. HTML und HTML 5 liegen mit 7,7 Prozent auf dem zweiten Platz. Im Vergleich zum Vorjahr ist diese Fähigkeit wichtiger geworden. Über zwei Prozent mehr der Projekte verlangen von den Freelancern Kenntnis der textbasierenden Auszeichnungssprache.

  3. Auf Platz drei liegt die Skriptsprache JavaScript mit 4,3 Prozent.

  4. Knapp dahinter folgt MySQL mit 4,7 Prozent. Insgesamt haben beide Skills, JavaScript und MySQL, im Vergleich zum Vorjahr an Bedeutung gewonnen, so die Untersuchung des Freiberufler-Marktplatzes.

  5. Die objektorientierte Sprache Java wird von 4,4 Prozent der Auftraggeber gefordert.

  6. Kompetenz im Umgang mit der deklarativen Sprache CSS wurde in der Vorjahresuntersuchung von 3,0 Prozent nachgefragt. Dieses Jahr ist ein Anstieg um 1,3 Prozent auf 4,3 Prozent zu verzeichnen.

  7. Platz sieben belegt iPhone/Objective-C. Die Standartprogrammiersprache für Apple-Systeme wird von 3,2 Prozent der auf twago ausgeschriebenen Projekte gefordert.

  8. Platz acht belegt Cocoa.

  9. Direkt dahinter Ruby on Rails mit 2,8 Prozent.

  10. Auf Platz 10 der begehrtesten Fähigkeiten bei Externen liegt mit einem Anteil von 2,7 Prozent an allen ausgeschriebenen Projekten Graphic Design.

Objective-C und Cocoa werden immer wichtiger

Platz acht und neun tauchen zum ersten mal in den Top 10 auf. Das für die Entwicklung dynamischer Webseiten und -anwendungen konzipierte Webframework Ruby on Rails wird laut twago bereits längere Zeit zunehmend nachgefragt. Mittlerweile liegt es bei 2,8 Prozent. Ebenso von 2,8 Prozent der Auftraggeber gefordert wird Cocoa, die objektorientierte Programmierschnittstelle zur OS X-Entwicklung.

Für die Zukunft erwartet der Geschäftsführer und Gründer von twago, Thomas Jajeh, dass die Programmierung von Apps und Mobilplattformen auf iOS- oder Android-Basis weiterhin zunimmt. Das Ranking der geforderten Fähigkeiten verdeutlicht seiner Ansicht nach außerdem, dass Kenntnisse in der Programmierung von Cocoa Touch und Objective-C immer wichtiger werden: "Objective-C hat sich im Vergleich zu 2013 um einen Platz vom achten auf den siebten Rang verbessert." (kf)

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