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Hacker knacken Kontenabfrage von Kanzler Schröder

01.04.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - So hat sich die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) den Start der Kontenkontrollabfragen zum 1. April wohl nicht vorgestellt: Hacker haben sich in die Server der Kontenevidenzzentralen eingeschmuggelt und dort eine Abfrage des Datensatzes "Schröder, Gerhard" initiiert. Problemlos wurden, wie das Bafin und das Bundesministerium für Finanzen jetzt bestätigen mussten, die abgefragten Informationen an die Datenschnüffler übermittelt.

Die Datenklauer hatten sich in die Rechner der IT-Dienstleister der Kreditinstitute eingeschlichen. Diese dienen als so genannte Kopfstellen oder Kostenevidenzzentralen, die die Überprüfungsverfahren IT-technisch unter ihrer Kontrolle haben.

Die Hacker erfuhren nicht nur, dass es sich bei der abgefragten Person um einen am 7. April 1944 in Mossenberg geborenen und verheirateten Juristen handelt, der seit dem 27. Oktober 1998 als Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland amtiert. Sie erhielten auch einen lückenlosen Abgleich aller von Bundeskanzler Gerhard Schröder geführten Bankkonten. Auch die Kontobewegungen der vergangenen zwei Jahre fielen in die Hände der Kriminellen.

Bei dem Datenhack wurde unter anderem offenbar, dass Schröder von einem Konto bei der Sachsen-Anhaltinischen Agrarbank monatliche Mietzahlungen für ein Apartment im Bundeskanzleramt über 714,39 (kalt) auf eine Bankverbindung des Finanzministeriums - Adressat: Hans Eichel - leistet. Ferner wird von einem Konto der Bank für Wiedergutmachung im Zuge der deutschen Wiedervereinigung ein Leasingvertrag bedient, mit dem Schröder einen Volkswagen der Marke Lupo (Begünstigte: Hillu Schröder) abzahlt. Über die gleiche Bank läuft eine Berufsunfähigkeits-Lebensversicherung, die zum Ende September 2006 ausläuft und am 1. Oktober 2006 zur Auszahlung kommt.

Weitere gehackte Daten wollten weder das Bafin noch das Bundesfinanzministerium bestätigen. Man sei aber optimistisch, die Lücken im Kontenabfragesystem umgehend zu stopfen. (jm)