Gartners neuer Hypecycle ist da

Hack Dich selbst!

04.09.2018
Von 
Heinrich Vaske ist Editorial Director von COMPUTERWOCHE und CIO. Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung beider Medienmarken - im Web und in den Print-Titeln. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte und moderiert Veranstaltungen.
Alle Jahre wieder blickt die ­IT-Szene auf die Auguren von Gartner, die ihre Einschätzung der wichtigsten Technologien abgeben. In diesem Jahr nennt Gartner fünf „Emerging Technologies“, die in den nächsten fünf bis zehn Jahren Wirtschaft und Gesellschaft prägen sollen.
Gartner Hypecycle Emerging Technologies 2018 (August)
Gartner Hypecycle Emerging Technologies 2018 (August)
Foto: Gartner

In seinem neuen Hypecycle for Emerging Technologies 2018 ordnet Gartner 35 Technologien ein, die sich grob fünf verschiedenen Technologietrends zuordnen lassen. Die Analysten stellen fest, dass die Grenzen zwischen Mensch und Maschine immer mehr verwischen. Viele der neuen Technologien, allen voran die künstliche Intelligenz (KI), spielten eine entscheidende Rolle, um Unternehmen für Kunden überall sichtbar und präsent in den großen Ökosystemen werden zu lassen.

"Unternehmens- und Technologieführer werden sich mit immer neuen technologischen Innovationen konfrontiert sehen. Sie bestimmen die Art und Weise, wie Firmen mit ihren Mitarbeitern umgehen, mit ihren Partnern zusammenarbeiten und wie sie Produkte und Dienstleistungen für ihre Kunden entwickeln", sagt Mike J. Walker, Research Vice President bei Gartner. "CIOs sollten immer den Markt scannen und neue Technologien bewerten und pilotieren, um Geschäftsmöglichkeiten mit hohem Wirkungspotenzial und strategischer Relevanz zu identifizieren."

Als fünf übergeordnete Technologietrends, die sich in den nächsten fünf bis zehn Jahren signifikant auswirken werden, nennen die Analysten:

Demokratisierte KI: Künstliche Intelligenz wird laut Gartner zu einer "Technologie für die Massen". Sie soll Probleme ­lösen, an die wir heute noch gar nicht denken. Bewegungen und Trends wie Cloud Computing, die "Maker"-Community oder Open-Source-Lösungen werden die Verbreitung unterstützen, so die Analysten.

Als "Enabler" für die Massenverbreitung von KI nennt Gartner AI Platform as a Service (AI PaaS), Artificial General Intelligence (gemeint ist "starke KI"), Autonomes Fahren (Level 4 und 5), autonome mobile Roboter, Künstliche Neuronale Netze, fliegende autonome Fahrzeuge, Smart Robots, virtuelle Assistenten sowie Natural Language Processing.

Dabei sollen schon in den kommenden zwei bis fünf Jahren künstliche neuronale Netze und virtuelle Assistenten den "Mainstream" erreichen, heißt es. Auch smarte Roboter und AI PaaS durchliefen den Hypecycle in hoher Geschwindigkeit.

Digitale Ökosysteme: Der Übergang von "abgeschotteten technischen Infrastrukturen" zu offenen Plattformen und Ökosystemen beschleunigt sich. Der Trend wird durch Blockchain-Technologie, digi­tale Zwillinge, IoT-Plattformen und Knowledge-Graphen gestützt. So werden völlig neue Geschäftsmodelle möglich.

Technologien wie Blockchain und IoT-Plattformen hätten auf dem Hypecycle den "Gipfel der inflationären Erwartungen" bereits hinter sich gelassen. Sie sollen in fünf bis zehn Jahren reif sein - mit Digital Twins und Knowledge Graphs auf ihren Fersen.

Do-it-yourself Biohacking: In der nächsten Dekade beginnt den Auguren zufolge die "transhumane Ära", in der die Biologie gehackt werden kann. Gartner unterscheidet vier Disziplinen: die Erweiterung biologischer Organismen durch Technologie (Technology Augmentation), Nutrigenomik (künstliche Nahrungsmittelentwicklung), experimentelle Biologie und Grinder-Biohacking. Letztere verfolgt das Ziel, den eigenen Körper etwa durch Implantate mit der Umwelt zu verbinden oder zu vervollkommnen.

Ermöglicht werde das durch Technologien wie Biochips, die Zucht künstlichen Gewebes, Brain-Computer-Interfaces (Hirnaktivitäten werden analysiert und in Steuersignale umgewandelt), Augmented und Mixed Reality sowie Smart Fabrics (Stoffe, die mit Sensorik und Elektronik ausgestattet sind und mit der Umwelt interagieren können). Am weitesten fortgeschritten sind Augmented und Mixed Reality, doch auch Biochips sollen sich rasant weiterentwickeln.

Transparent-immersive Erfahrungen: Hier werden die Analysten in ihren Formulierungen etwas unscharf. Offenbar sind Technolo­gien gemeint, die die Grenzen zwischen Menschen, Unternehmen und ­Dingen verschwimmen lassen und so neue, von digitaler Intelligenz geprägte, smarte Lebens- und Arbeitsräume schaffen.

Zu den Enabling Technologies zählen etwa der 4D-Druck (3D-Objekte verändern sich im Laufe der Zeit planmäßig, sobald bestimmte Außenparameter oder Ereignisse gegeben sind), Connected Home, Edge-KI (latenzarme KI-Verarbeitung am Ort der Datenentstehung im Netz), Connected Printing, selbstheilende Systeme, Silizium-Anoden-Batterien, Smart Dust (ein System vieler winziger elektromechanischer Systeme und Sensoren zum Erfassen vielfältiger Umweltparameter), Sensorik und Smart Workplaces.

Allgegenwärtige Infrastruktur: Die technische Infrastruktur ist kein Hindernis mehr, wenn es gilt, betriebliche Ziele zu erreichen. Dafür sorgen die allgegenwärtige Cloud, 5G-Netze, Nanotechnologien, Quantencomputer, neuromorphe Chips und vieles mehr. Schon in fünf Jahren sollen 5G-Netze und tiefe neuronale Netzwerk-ASICs im alltäglichen Einsatz sein.