Enterprise-Portale/Enterprise Portal Deployment

Gute Portale haben ihren Preis

29.06.2001
Wie teuer wird das? Wie lange dauert es? Was kostet der Unterhalt? Abseits der Sinnfrage gibt es handfestekritische Punkte, wenn es um die Anschaffung eines Enterprise-Portals geht. Eine Musterlösung findetsich - wie so oft - nicht. Von Gene Phifer und Tom Berg*

Im vergangenen Jahr haben die ersten Unternehmen anhand konkreter Projekte begonnen, Enterprise-Portale einzurichten. Vor einem derartigen Kraftakt tauchen immer wieder Fragen nach den durchschnittlichen Kosten der Implementierung und der realistischen Dauer der Umsetzung auf. Leider gibt es im Zusammenhang mit firmeninternen Portalen keine Durchschnittswerte, was einen Beobachter der IT-Szene aber nicht wirklich verwundern kann: Da jedes Portalprojekt unterschiedlich ausgerichtet ist, fällt die Spanne der möglichen Kosten gewaltig aus. Gartner versucht daher, die Problematik mit abgeleiteten Zahlen zu lösen, die auf empirischen Untersuchungen basieren.

Kosten: Die Preise von Portal-Tools beruhen in der Regel auf Named-User-Lizenzen. Für jeden persönlichen Anwender werden zwischen 100 und 500 Dollar pro Arbeitsplatz fällig. Daher kann man von einem Näherungswert von "durchschnittlich" 250 Dollar pro Seat ausgehen. Andere Portalprodukte werden "pro Server" oder "pro CPU" angeboten. Die Preisspanne pro Server beginnt bei rund 50000 Dollar und beträgt bis zu 125000 Dollar. In der Regel werden jedoch mehrere Serverlizenzen innerhalb eines Portalprojektes benötigt.

Firmen, die den Einsatz eines Portal-Tools erwägen, müssen mindestens mit einem sechsstelligen Dollarbetrag bei den Anschaffungskosten rechnen. Ein kleines Unternehmen sollte einen Kaufpreis von etwa 100000 Dollar einplanen, eine mittelgroße Firma liegt in der Spanne zwischen 500000 und einer Million Dollar. Großunternehmen und Konzerne sollten zwischen drei und sieben Millionen Dollar einkalkulieren. Um das Portal zu errichten, müssen allerdings zusätzliche Gelder eingeplant werden.

Obolus für die BeraterNach dem Kauf der benötigten Software gilt es, die Portalstruktur zu entwickeln. Zwar bieten einige Hersteller eine Lösung "aus der Box" an, aber auch hierbei ist immer noch eine Vielzahl von Legacy-Applikationen und modernen Anwendungen zu integrieren. Daher sollten Firmen davon ausgehen, dass sie rund 100 bis 300 Prozent der Softwarekaufsumme für die Errichtung des Portals aufwänden müssen. Ein Großteil hiervon geht an externe Berater und Systemintegratoren.

Dauer: Enterprise-Portale sind nicht mit herkömmlichen DV-Systemen zu vergleichen. Bei traditionellen Projekten war es möglich, monatelang über die Anforderungen und das Design zu beraten und die Umgebung schließlich - teilweise über Jahre - zu konstruieren. Enterprise-Portale hingegen sollten binnen sechs Wochen errichtet werden und in einer Pilotinstallation münden. Dieser Schnellschuss ist aus mehreren Gründen sinnvoll: Erstens wird der Sinn des Konzeptes unter Beweis gestellt, zweitens können die Verantwortlichen die Stärken und Schwächen der von ihnen gewählten Software analysieren. Darüber hinaus sorgt ein erfolgreich absolvierter Pilotversuch dafür, dass die "Nachfrage" nach dem Portal auch in den anderen Abteilungen wächst.

Ein weiterer Gegensatz zu herkömmlichen DV-Systemen liegt darin, dass viele Unternehmen ihr Portal niemals wirklich fertig stellen. Zwar hört sich dies ketzerisch an, im Portalbereich ist es jedoch oftmals unerlässlich, die Entwicklung und Errichtung der Umgebung als iterativen Prozess zu betrachten. Bisweilen können daher Monate oder Jahre vergehen, bis eine Firma die erste "Vollversion" ihres Portals freigibt. In der Regel verändern sich die Geschäftsprozesse kontinuierlich, daher sollte sich auch die Installation an die aktuellen Rahmenbedingungen anpassen lassen. Ein Enterprise-Portal, dass dieses Kriterium nicht erfüllt, ist ein totes Portal.

Von Veränderungen zu VerbesserungenUnterhalt: Durch den iterativen Ansatz der Entwicklung und Errichtung reichern Unternehmen ihr Portal im Laufe der Zeit mit immer neuen Funktionen an. Sobald das Portal über einen gewissen Umfang verfügt, verschiebt sich das Gewicht fort von großen Veränderungen hin zu kleineren Verbesserungen. Dies setzt sich fort, bis ein tief greifender Wandel entweder in den Geschäftsprozessen der Firma oder in der verfügbaren Technologie erreicht wird.

Die aktuellen Unterhaltskosten für ein Enterprise-Portal sind relativ gering. Den größten Rechnungsposten nimmt dabei die Verwaltung der Nutzer ein. Sollte ein Unternehmen allerdings auf bereits existierende Directories zugreifen können, verringern sich die Administrationskosten dementsprechend. Hinzugerechnet werden müssen Aufwendungen für die Pflege der Repositories - einerseits für die Personalisierung, andererseits für die Metadaten - sowie die Integration der Applikationen. Wird das System im Zusammenhang mit einer Lösung für das Knowledge-Management eingesetzt, müssen zusätzliche Ressourcen für das Content-Management und die Entwicklung sowie die Pflege der Taxonomie bereitgestellt werden.

Da bislang kaum vollentwickelte Enterprise-Portale auf Basis von speziellen Portal-Tools existieren, gibt es, was die Unterhaltskosten betrifft, nur wenig Erfahrungswerte. Gartner geht davon aus, dass zwei bis drei Vollzeitkräfte benötigt werden, um die Infrastruktur des Systems zu betreiben. Diese Aufwendungen sind allerdings niedrig im Vergleich zu den Kosten, die anfallen, wenn das Portal stets die Anforderungen der Geschäftsbereiche erfüllen soll und daher mit Content, Applikationen und Services "gefüttert" werden muss. Zudem verlangt der Softwarehersteller üblicherweise noch einen Betrag von rund 15 bis 20 Prozent der Kaufsumme als jährliche Lizenzgebühr.

*Gene Phifer und Tom Berg sind Analysten bei Gartner.