Deutsche Systemhäuser im Aufwind

Gute Geschäfte, entspannte Stimmung

23.11.2011
Von 
Ronald Wiltscheck widmet sich bei ChannelPartner schwerpunktmäßig den Themen Software, KI, Security und IoT. Außerdem treibt er das Event-Geschäft bei IDG voran. Er hat Physik an der Technischen Universität München studiert und am Max-Planck-Institut für Biochemie promoviert. Im Internet ist er bereits seit 1989 unterwegs.

Die Bandagen werden härter

So hat sich die aktuelle Stimmungslage auf hohem Niveau stabilisiert. Ausnahmslos alle befragten Häuser rechnen mit Wachstum, und sie wollen das zuallererst aus eigener Kraft schaffen. Fast ein Drittel (32,14 Prozent) von ihnen plant darüber hinaus noch im laufenden Jahr mit Zukäufen. Der Vergleich mit 2010 zeigt, dass damals nur ein Fünftel (20,34 Prozent) vorhatte, Wettbewerber zu übernehmen. Die große Mehrheit (96,6 Prozent) wollte organisch wachsen.

Die derzeit gut laufenden Geschäfte forcieren den Verdrängungswettbewerb in den nächsten zwölf Monaten, das zumindest legt die Auswertung der Daten nahe. Über zwei Drittel (68,4 Prozent) der hiesigen Systemhäuser rechnen mit einer Konsolidierung durch weitere Übernahmen und Fusionen. Auch hier lässt sich der grundlegende Optimismus der Branche belegen: Nur wenige erwarten eine Marktbereinigung durch Pleiten.

Fachkräftemangel bremst

Starkes Wachstum braucht mehr Mitarbeiter. Der Fachkräftemangel bedroht den Geschäftserfolg der Systemhäuser.
Starkes Wachstum braucht mehr Mitarbeiter. Der Fachkräftemangel bedroht den Geschäftserfolg der Systemhäuser.

Für die ehrgeizigen Wachstumsziele benötigen die Firmen Mitarbeiter. Fast alle Teilnehmer wollen 2011 neues Personal einstellen. Lediglich ein Systemhaus plant mit einem stabilen Personalstamm, ein weiteres will Personal abbauen. Zum ernsthaften Problem wird auch in der Systemhausbranche der Fachkräftemangel, immer mehr Systemhäuser haben Schwierigkeiten, ausreichend Nachwuchs zu rekrutieren und offene Stellen adäquat zu besetzen. Das schlägt sich in den Antworten der Systemhäuser auf die Frage nach ihren größten Sorgen nieder.

So finden fast 90 Prozent der befragten IT-Dienstleister nicht die dringend benötigten Fachkräfte. Das ist ein historischer Höchstwert. Vor einem Jahr bekümmerten die Nachwuchssorgen lediglich 57,6 Prozent der Systemhäuser. Zum Vergleich: Im Vorkrisenjahr 2008 konnten beachtliche 77,8 Prozent der IT-Dienstleister nicht genügend viele Fachkräfte finden, 2009 sank dieser Anteil - krisenbedingt - auf knappe 32 Prozent.

Die Krise ist vorbei

Dass die Branche die Krise endgültig hinter sich gelassen hat, spiegelt sich auch in dem geringen Anteil derjenigen Häuser wieder, die mit zu geringen Margen kämpfen. Dies trifft nur auf etwas mehr als ein Viertel (26,3 Prozent) der Studienteilnehmer zu. Auch die Auftragslage ist für das Gros hervorragend. Nur ein einziger Dienstleister klagte über einen zu geringen Auftragseingang.

Das war im Krisenjahr 2009 noch ganz anders. Damals räumten 57,4 Prozent der Systemhäuser Probleme bei der Auftragslage ein. Zudem zeigte sich damals über die Hälfte (51,1 Prozent) unzufrieden mit der Marge. 2010 hellte sich die Stimmung schon merklich auf, als sich nur noch 17 Prozent über fehlende Aufträge und 45,8 Prozent über unzureichende Margen beklagten.