Gute Chancen im Client-Server-Markt Neues Routing-Verfahren der IBM imponiert Ovum-Analysten

29.07.1994

LONDON (CW) - Geht es nach den Marktforschern der Londoner Ovum Ltd., so steht der grosse Gewinner im Kampf um Client-Server- Marktanteile bereits fest. Es sei die IBM, die der Konkurrenz in puncto Netzstrategie mit ihrer voraussichtlich zum Jahresende lieferbaren High-Performance-Routing-(HPR-)Technik fuer APPN-Netze ein Schnippchen schlagen werde.

"IBMs Client-Server-Netzstrategie ist ein Gluecksfall fuer das Unternehmen", meint Ian Stevenson, Autor der Studie "Client-Server Networking: Market Strategies". Eine wachsende Anzahl von Anwendern interessiere sich fuer Big Blues neues Routing-Verfahren in Advanced-peer-to-peer-Networking-Netzen. Diese Technik wuerden knapp 80 Prozent aller True-blue-Kunden bis zur Jahrtausendwende einsetzen - eine gewagte Prognose, die laengst nicht von allen Kennern der Branche geteilt wird.

Weniger interessant ist die Netztechnologie laut Ovum fuer mittelgrosse Anwender mit TCP/IP-Umgebungen. Der Installations- und Testaufwand fuer neue Hard- und Software sei fuer diese Klientel zu gross. Ausserdem, so die Analysten, gelte die HPR-Technologie bei Anwendern dieser Kategorie als zu komplex. Die erforderliche Hochleistungs-Netzumgebung sei kaum vorhanden.

Eine schwierige Entscheidung steht den Betreibern gemischter DV- Landschaften bevor. Sie koennten laut Ovum mit einer HPR-Loesung in den Genuss eines effizienteren Anwendungs-Managements kommen. Ausserdem haetten sie die Moeglichkeit, ihre Mainframes in eine offenere Client-Server-Umgebung einzubinden. Ovum geht auch davon aus, dass sich die Hersteller in ihrer Netz-Produktpolitik den HPR- Vorgaben der IBM annaehern. Dennoch, so die Analysten, duerfte bis zum Jahr 2000 nicht einmal ein Viertel dieser Anwender die IBM- Technologie nutzen.

Was bringt die Ovum-Marktforscher so ins Schwaermen fuer APPN/HPR? Die Produktstrategie der IBM, so heisst es, decke die fuer Client- Server-Verarbeitung wichtigsten Faktoren ab. HPR erhoehe die Kontrollierbarkeit der Anwendungen, da Weitverkehrsnetze effektiver verwaltet werden koennten. Die Integration von Mainframe- und LAN-Protokollen werde durch die Kopplung von Data Link Switching

(DLS) und Multiprotocol Transport Networking (MPTN) moeglich. Damit koennten Client-Server-Anwendungen langfristig plattformuebergreifend zum Einsatz kommen - heute laesst sich dies nur SNA-intern realisieren.

Client-Server-Interessenten benoetigen sowohl fuer die Realisierung von normalen als auch von Multimedia-Anwendungen eine groessere Bandbreite. Auch hier bietet IBM nach Ovum-Einschaetzung gute Voraussetzungen mit neuesten ATM-Produkten.