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Gutachter soll Mobilcom-Aktienkäufe von Sybille Schmid-Sindram untersuchen

22.02.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Im Streit zwischen der Mobilcom AG und Großaktionär France Télécom um die Rechtmäßigkeit des Aktienkaufs durch die Frau des Firmenchefs Gerhard Schmid (Computerwoche online berichtete) sollen nun unabhängige Gutachter für Klarheit sorgen. France Télécom unterstellt seinem deutschen Partner, er habe die von Sybille Schmid-Sindram erworbene fünf- bis sechsprozentige Beteiligung aus der Unternehmenskasse bezahlt. Mit dieser illegalen Aktion habe Gerhard Schmid verhindern wollen, dass sich France Télécom billige Mobilcom-Aktien am Markt zusammenkauft, um die Mehrheit zu übernehmen. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" will France Télécom

den Aufbau der neuen Mobilfunktechnik solange nicht finanzieren, bis der Kauf von Mobilcom-Aktien durch Schmid-Sindram von unabhängigen Prüfern geklärt sei.

Der Ehemann dementiert die Vorwürfe und erklärte, seine Frau sei sehr vermögend und habe schon immer Mobilcom-Aktien besessen. Außerdem seien die über die von Schmid-Sindrams Firma Millenium GmbH gehaltenen Anteile nicht als Schutz vor einer drohenden Übernahme durch France Télécom gedacht. Statt dessen plane das Unternehmen mit den Anteilen ein Aktienoptionsprogramm für besonders erfolgreiche Händler und Vertriebspartner. Schmid erklärte außerdem, das Vorgehen sei durch die Rechtsanwaltskanzlei White&Case geprüft worden. Dennoch erklärte sich der Mobilcom-Chef bereit, die Aktienkäufe von einem unabhängigen Gutachter untersuchen zu lassen

Das Bundesaufsichtsamt für den Wertpapierhandel (BAWe) erklärte inzwischen, es beobachte die Vorgänge um die Mobilcom AG. Bislang ergebe sich aus den Publizitätspflichten aber kein Anlass für eine Untersuchung: Nach geltendem Recht seien die Büdelsdorfer erst seit diesem Jahr verpflichtet, Aktienkäufe über fünf Prozent zu melden.

Der französische Carrier kündigte Presseberichten zufolge ferner an, den parallel laufenden Streit um die Investitionen zum Aufbau eines UMTS-Netzes notfalls auch vor Gericht auszutragen. Die Kooperationspartner waren sich unter anderem wegen der Höhe des benötigten Betrags in die Haare geraten. So erklärte France Télécom, die in einem Geschäftsplan von Mobilcom-Chef Gerhard Schmid enthaltene Forderung nach weiteren 2,5 Milliarden Euro bis 2005 übersteige deutlich den Bedarf. France Télécom rechnet dagegen mit einer baldigen Konsolidierung im Markt und hält einige hundert Millionen Euro für realistisch. Obwohl Schmid in den nächsten zwei Wochen einen neuen Geschäftsplan vorlegen wird, will der Mobilcom-Chef an den prognostizierten Kosten von 15 Milliarden Euro bis 2005 festhalten. Schmid erklärte, der abgeschlossene Gesellschaftervertrag beinhalte keine Einmischung der Franzosen in das operative Geschäft

(Computerwoche online berichtete). Dieser Meinung schloss sich auch der US-Investor Guy Wyser-Pratte an, der seit Ende vergangenen Jahres mit mindestens 1,1 Prozent an Mobilcom beteiligt ist. Der New Yorker französischer Abstammung erklärte, France Télécom halte nur 28,5 Prozent der Anteile und besitze deshalb nur ein Sperrminorität.

Sollte es nicht bereits vorher zum Eklat kommen, rechnen Finanzexperten spätestens im Sommer mit einen Showdown, wenn Mobilcom einen 4,7 Milliarden Euro schweren Kredit verlängern will. Nachdem es am Donnerstag zu starken Kursverlusten kam, kletterte die Mobilcom-Aktie heute bis 14 Uhr um fast fünf Prozent auf 12,44 Euro (mb)