MWC 2018

GSMA Innovation City: Die Zukunft ist smart und vernetzt

Jürgen Hill ist Teamleiter Technologie. Thematisch ist der studierte Diplom-Journalist und Informatiker im Bereich Communications mit all seinen Facetten zuhause. 


Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Eines der Highlights des Mobile World Congress (MWC 2018) ist die Sonderschau GSMA Innovation City. Carrier und Hersteller zeigen hier, wie der Mobilfunk die Welt bereits heute und künftig verändert.

Mit rund 70.000 Besuchern finden gut zwei Drittel der MWC-Besucher ihren Weg in die GSMA Innovation City. Als Schaufenster in die Zukunft zeigt die Sonderschau, wie die Mobilfunktechnik in Kombination mit AI und IoT künftig unser Leben verändern wird oder bereits tut. Einen breiten Raum nahmen dieses Jahr die Themen 5G und vernetzte Fahrzeuge ein, wobei es sich nicht immer um Autos im klassischen Sinne handeln muss.

Wirken einige Technologiedemos für den Europäer noch sehr futuristisch, so lösen andere Einsatzszenarien gerade bei europäischen Besuchern unter Datenschutzaspekten kurz vor Anwendung der GDPR ein Bauchgrummeln aus. Dazu gehört etwa der Service "pinkfong" der Korean Telecom (KT). Dabei handelt es sich um einen IoT-Tracking-Service, mit dem Eltern jederzeit die Position ihrer Kinder feststellen können. Umgekehrt können die Kids im Notfall auch ihre Position aktiv an die Eltern senden. Bei KT ist man stolz darauf, diesen Service mit der FunktechnologieNarrowband-IoT(NB-IoT) realisiert zu haben. Im Gegensatz zu klassischen Mobilfunkverfahren erlaube diese eine längere Batterielebenszeit und eine bessere Inhouse-Verfügbarkeit des Services.

Mit dem Kid-Tracker von Korean Telecom können „besorgte Eltern“ jederzeit die aktuelle Position beziehungsweise den Aufenthaltsort des Kindes bestimmen.
Mit dem Kid-Tracker von Korean Telecom können „besorgte Eltern“ jederzeit die aktuelle Position beziehungsweise den Aufenthaltsort des Kindes bestimmen.
Foto: Hill

Ansonsten stand bei Korean Telecom die nächsteMobilfunkgeneration 5Gim Mittelpunkt - zumal die Koreaner bereits eines der ersten kommerziell einsatzbereiten Netze vorweisen können. Und die Unterschiede zu 4G mit LTE sind nicht nur in Sachen Bandbreite, sondern auch in puncto Latenz beeindruckend. Anhand eines Fußballstadions demonstrierte KT den Technologieunterschied, wenn etwa eine Kamera dem Ball folgen und diese Bilder übertragen soll. Ein Beispiel, das man bei KT nicht zufällig wählte, denn der Carrier will künftig per 5G 360-Grad-Übertragungen von Sportereignissen als Service vermarkten. Ebenso erlaubt 5G neue Einsatzszenarien für VR und AR. Und last, but not least durfte natürlich das auf dem MWC 2018 fast schon obligatorische Connected Car nicht fehlen.

Technologievergleich zwischen 4G- und 5G-Mobilfunktechnik.
Technologievergleich zwischen 4G- und 5G-Mobilfunktechnik.
Foto: Hill

Auf vernetzte Fahrzeuge setzt in Zukunft auch Huawei. Allerdings gingen die Chinesen in die Luft und zeigten gemeinsam mit dem Partner Ehang die Vision eines künftigen Drohnen-Taxis. Per 5G vernetzt, erhält das fliegende Fahrzeug die aktuellen Daten.

Ebenfalls wireless und mobil könnte die Produktfertigung der Zukunft aussehen. Gemeinsam mit dem japanischen Partner Denso Wave Inc. hat Huawei eine robotergesteuerte Montage von Kugelschreibern aufgebaut. Der Clou dabei: Die nur vier Kilo schweren Roboter "Cobotta" können nicht nur direkt angelernt, sondern auch kollaborativ eingesetzt werden.

Huawei und Denso demonstrieren, wie kleine Roboter bei der Montage von Kugelschreibern helfen.
Huawei und Denso demonstrieren, wie kleine Roboter bei der Montage von Kugelschreibern helfen.
Foto: Hill

NB-IoT macht Farmer mobil

Etwas bodenständiger ging es auf dem Stand von Turkcell/Lifecell Ventures in der GSMA Innovation City zu. Die türkische Telekom-Tochter nutzt NB-IoT für eine Smart-Farming-Lösung. Dabei werden wichtige Daten wie Außen- und Bodentemperatur oder Feuchtigkeit über Bodensensoren erfasst und anschließend über die Low-Power-Wide-Area-Verbindung (LPWA) in die Cloud geschickt. Dort werden die Werte mit statistischen Daten abgeglichen und auf agrarwissenschaftlicher Basis entsprechende Vorschläge ausgearbeitet. Der Landwirt wiederum kann sich über eine App jederzeit und von überall aus über den Zustand seiner Felder informieren und erhält dabei wertvolle Handlungsempfehlungen, etwa wann er Pestizide, Düngemittel oder Bewässerungsmaßnahmen einsetzen sollte.

Mit Smart Farming lassen sich Bodenerträge in der Landwirtschaft optimieren.
Mit Smart Farming lassen sich Bodenerträge in der Landwirtschaft optimieren.

Ebenfalls um das Thema Connected Agriculture drehte sich eine Demo am Stand von Sierra Wireless. Der US-Hersteller von Connectivity-Hardware zeigte gemeinsam mit Bosch Software Innovations ein Mini-Treibhaus, das zur Verbesserung der Ernteerträge entwickelt wurde. Dabei lässt sich auf einem Dashboard verfolgen, wie die Pflanzen automatisch bewässert werden, wenn Sensoren einen zu trockenen Boden melden.

Sierra Wireless und Bosch Software Innovations wollen mit "Connected Agriculture" die Ernteerträge in Treibhäusern verbessern.
Sierra Wireless und Bosch Software Innovations wollen mit "Connected Agriculture" die Ernteerträge in Treibhäusern verbessern.

Die Lösung ist relativ einfach aufgebaut: Sowohl Befeuchter wie auch Sensor sind über das Geräte- und Gateway-Management der Bosch-IoT-Suite verbunden. Zum weiteren Bestandteil gehört ein Sierra-Wireless-Gateway, das auf der mangOH Red Open Source Plattform und einem Embedded-Modul basiert und eng mit smarten Konnektivitätsdiensten interagiert.