Grid: Immer noch Probleme mit der Technik

08.04.2005
Von 
Jan Schulze ist freier Autor in Erding bei München.
Der zweite "Grid Index" bescheinigt dem Grid-Computing eine zunehmende Akzeptanz in Unternehmen. Allerdings sind längst nicht alle Probleme der Technik gelöst.

Auf der europäischen Anwenderkonferenz "Open World" im vergangenen Herbst in London hat Oracle kräftig die Werbetrommel für Grid-Computing gerührt. Der damals erstmalig vorgestellte Grid Index, der auf einer Skala von null bis zehn die Akzeptanz der neuen Technik durch die Unternehmen darstellen soll, erreichte magere 3,1 Punkte. Nun zeigt die Neuauflage der Studie, die vor wenigen Tagen in Brüssel präsentiert wurde, dass sich die Anwender zunehmend mit dem Thema befassen. Der Grid Index setzt sich aus verschiedenen Einzelpositionen zusammen und beleuchtet Fragen wie den Wissensstand der Anwender, Standardisierung und Konsolidierung der IT-Infrastruktur oder die Wirtschaftlichkeitserwartungen.

Mit der aktualisierten Ausgabe des Grid Index setzte der Softwarehersteller seine letztjährige Ankündigung in die Tat um, die Studie in regelmäßigen Abständen auf den neuesten Stand bringen zu wollen. Das britische Marktforschungsunternehmen Quocirca Ltd., das die Erhebung im Auftrag der Ellison-Company vornahm, baute allerdings für den zweiten Wurf einige Änderungen ein. So wurde dieses Mal nicht nur die Grid-Adaption in Europa untersucht, sondern die drei großen Wirtschaftsregionen Europa, Nordamerika sowie Asien und der Pazifikraum betrachtet. Zudem erweiterten die Analysten laut Dale Vile, Research Director bei Quocirca, den Fragebogen um aktuelle und verwandte Themen wie zum Beispiel die Service Oriented Architectures (SOA).

Ermutigende Ergebnisse

Die Ergebnisse der Studie, für die über 1300 IT-Entscheider befragt wurden, sind ermutigend: Der Grid Index für Europa ist demnach in den vergangenen Monaten auf rund 4,4 angestiegen. Besonders deutlich ist die Zunahme in Bezug auf das Wissen um diese Technologie. Erreichte Europa in der Kategorie "Knowledge Index" im vergangenen Jahr noch einen ernüchternden Wert von 2,7, kletterte dieser in der aktuellen Version auf fast sechs Punkte. Parallel dazu gaben auch deutlich mehr Anwender zu Protokoll, dass sie mit den Vorteilen des Grid-Computing vertraut seien. Bereits relativ weit fortgeschritten zeigte sich Europa im Herbst 2004 in den Bereichen Standardisierung (4,9) und Konsolidierung (5), weshalb die Marktforscher hier einen jeweils nur geringen Anstieg vermelden konnten. Diese Kategorien betrachtet Quocirca als Grundvoraussetzung für den Einstieg in die Grid-Welt.

Schwach fällt dagegen nach wie vor die Adaption der Technik aus. Nur wenige der Befragten scheinen vom Return on Investment (ROI) überzeugt zu sein. Dieser Einzelindex ist von mageren 1,2 Punkten im vergangenen Jahr auf kaum beeindruckende 2,1 Zähler gestiegen. Ähnlich beim "Commitment Index", dem Indikator für die Realisierungspläne der Anwender: Dieser ist um gerade einmal 0,5 Punkte auf 2,7 gewachsen.

Anwender haben keine Eile

Insgesamt zeigt der Grid Index, dass sich die Unternehmen mit dem Thema befassen, ohne jedoch mit übertriebener Eile an die Umsetzung zu gehen. Denn nach wie vor fehlt es an offenen Standards, die allgemein anerkannt sind. Dennoch zeigt sich Andrew Sutherland, Vice President Technology Emea (Europe, Middle East, Africa) von Oracle, mit der Entwicklung zufrieden. Grid-Computing sei durch den hohen Wissensstand der Anwender im vergangenen halben Jahr weit vorangekommen. Er erwartet, dass in der Folge auch die Einführung der neuen Technologie voranschreiten wird. Allerdings sieht auch Sutherland, dass bei der Standardisierung noch einige Arbeit seitens der Hersteller notwendig ist. In drei bis vier Jahren werde Grid-Computing innerhalb von Unternehmen eine weite Verbreitung haben, so Sutherland. (ue)