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Google positioniert seinen Mail-Service gegen Exchange

13.02.2006
Unternehmen können zukünftig "Google Mail" unter ihrer eigenen Internet-Domäne nutzen. Gerade für kleinere Firmen könnte das eine interessante Alternative zu einem eigenen Mail-Server sein.
Zu den ersten Kunden, die ihren Mail-Service an Google auslagern, gehören Bildungsinstitutionen.
Zu den ersten Kunden, die ihren Mail-Service an Google auslagern, gehören Bildungsinstitutionen.

Nachdem bereits letzte Woche entsprechende Gerüchte kursierten, ließ Google nun die Katze aus dem Sack: GMail kann zukünftig auch unter beliebigen anderen Domänen genutzt werden. Bisher folgen alle Konten des Mail-Dienstes dem Muster user@gmail.com beziehungsweise user@googlemail.com. Wenn sich Unternehmen oder andere Organisationen dazu entschließen, ihre E-Mail an Google auszulagern, dann können ihre Mitarbeiter den Service künftig unter Adressen wie user@meinefirma.de in Anspruch nehmen.

Wie üblich versieht Google auch dieses Feature zu Beginn noch mit dem Etikett "Beta". Interessenten haben indes schon die Möglichkeit, sich für die Teilnahme an der Testphase zu bewerben. Zu den ersten Anwendern zählt das San Jose City College. Der Anmeldebildschirm zeigt, dass Google seinen Kunden erlaubt, die Benutzeroberfläche nach eigenen Vorstellungen zu gestalten.

Wann kommt Googles Kalender?

Angesichts der ständig komplizierter werdenden Aufgabe, einen eigenen Mail-Service in der Firma zu betreiben, kommt Googles Angebot vor allem für Unternehmen ohne IT-Abteilung in Frage. Im KMU-Segment dominiert bisher Microsoft mit Outlook/Exchange. GMail kann zwar nicht den vollen Funktionsumfang einer solchen Groupware-Lösung bieten. Es erhielt aber in den letzten Monaten eine Reihe neuer Funktionen, die den typischen Anforderungen in kleineren Firmen gerecht werden. Zu den Defiziten zählt bisher noch das Fehlen eines Kalenders. Verschiedene Beobachter spekulieren schon seit einiger Zeit darüber, wann Google ein solches Modul ausliefern wird. Eine entsprechende Subdomäne existiert jedenfalls schon.

Zu den Stärken von Googles Mail-Service zählt dafür der große Speicherplatz, der mit über 2GB pro Benutzer jenen übertrifft, den die meisten Unternehmen ihren Mitarbeitern einräumen. Hinzu kommt ein exzellentes Web-Frontend, die Unterstützung für POP3 und mobile Geräte sowie eine einfache Adressverwaltung, die mit Outlook abgeglichen werden kann. Erst letzte Woche wertete Google seinen Service durch die Integration von Instant Messaging weiter auf. Eine solche bieten zwar auch Lotus Notes und Outlook, in der Praxis ist dieses Feature jedoch nur in den wenigsten Firmen angekommen.

Eine Sache des Vertrauens

Gegen die Auslagerung der Mail-Anwendung an Google könnten Sicherheitsbedenken sprechen. Sie wurden bereits bei der Einführung von GMail artikuliert, weil ein Roboter die Nachrichten durchforstet, um passende Werbetexte einblenden zu können. Dadurch werde die Privatsphäre der Benutzer verletzt. Allerdings steht noch nicht fest, ob sich "Gmail for your domain" über Werbung finanziert oder ob Benutzer dafür bezahlen müssen. Für Entscheider stellt sich aber die prinzipielle Frage, ob sie vertrauliche Informationen ihres Unternehmens an einen Dienstleister übergeben wollen. Dabei könnte bei GMail die fehlende Möglichkeit zur Verschlüsselung von Nachrichten eine wesentliche Rolle spielen. Allerdings gibt es dafür ergänzende Tools, die eine Notlösung für dieses Manko bieten. Dazu zählen "Keygloo" und "Gmail S/MIME" für den Firefox-Browser. (ws)