Public Cloud

Google macht ernst mit Cloud-Services für Unternehmen

Björn Böttcher ist Senior Analyst und Data Practice Lead bei Crisp Research mit dem Fokus auf Analytics, BI, datenbasierte Geschäftsmodelle und Künstliche Intelligenz. Mit mehr als 10 Jahren Berufserfahrung in der IT und einem wissenschaftlichen Hintergrund und Fokus stehen moderne Lösungen mit praktischem Nutzen im Fokus seiner Betrachtung.
Google gibt Gas beim Ausbau seines Cloud-Business in Deutschland. Alte Kinderkrankheiten sind ausgeräumt und man zielt auch mittels Container-Orchestrierung und Machine Learning auf Hybrid- und Multi-Cloud-Kunden.

Datengetriebene und digitale Geschäftsmodelle sind für jedes Unternehmen ein wichtiges Standbein für die Zukunft. Ohne eine entsprechende Strategie können Konkurrenten schnell am eigenen Business vorbeiziehen. Der Use Case rückt dabei immer weiter in den Fokus bei der Wahl für den Betrieb und die Architektur einer Lösung. Denn bei vielen "alten Hasen" im Cloud-Geschäft ist das Thema Multi Cloud Excellence bereits gesetzt und Teil der Strategie. Bisher war dies eher ein enger Wettbewerb zwischen Microsoft Azure und Amazon Web Services. Doch der kleine smarte Punkt im Rückspiegel lässt nun langsam auf dem Kennzeichen den Rivalen erkennen, der stetig versucht näher zu kommen. Google steht dort geschrieben und wenn es nach Michael Korbacher (Director Google Cloud DACH) geht, dann fährt der Punkt mit Höchstgeschwindigkeit auf die Konkurrenz zu.

Google verstärkt seine Bemühungen, Unternehmen als Cloud-Kunden zu gewinnen.
Google verstärkt seine Bemühungen, Unternehmen als Cloud-Kunden zu gewinnen.
Foto: g0d4ather - shutterstock.com

Google meint es diesmal wirklich ernst

Auf dem Google Cloud Platform Event in München sorgte Google bereits mit dem Slogan "Die Zukunft der Cloud beginnt jetzt!" für ein Statement. Nach Jahren der Ungewissheit für potentielle Kunden forciert Google nun auch mit einer entsprechenden Mannstärke vor Ort den Angriff auf die Cloud-Hoheit im deutschen Markt. Zunächst einmal wurde festgehalten, dass auch in Deutschland Entwicklung stattfindet und nicht nur im Silicon Valley. Das Engineering Center in München beispielsweise ist für eine Reihe von Entwicklungen zuständig und damit auch an wichtigen Kernprodukten von Google und Alphabet beteiligt.

Doch darum ging es nur am Rande. Vielmehr wurde versucht, die Vorzüge der eigenen Cloud im Hinblick auf die Business Tauglichkeit klarzustellen. Mit den Panelgästen von Kärcher, Rewe Digital und Meisterlabs interviewte der Senior Vice President Engineering, Urs Hölzle, selbst die Kunden zur Nutzung und den Vorteilen der Google-Cloud. Die wichtigsten Aspekte waren Latenz, Performance und die Produkte im Bereich Machine Learning. Google stellte zudem noch die Hybrid-Power durch die Nutzung von Kubernetes und der Container-Technologie in den Mittelpunkt.

Google Präsentation in München
Google Präsentation in München
Foto: Foto: Crisp Research AG 2017

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Zu den technischen Aspekten möchte Google mit lokalem Support (Professional-Services-Sparte) durch Mitarbeiter vor Ort in Hamburg, Berlin, Frankfurt und München die Kunden demnächst noch besser bei ihren Projekten unterstützen. Noch ist jedoch das Wachstum nicht abgeschlossen und dementsprechend noch eine Betreuungslücke vorhanden. Doch alleine mit der neuen Ausrichtung möchte Google damit direkt ansprechbar werden. Dies war bisher immer sehr schwierig oder zum Teil selbst für Partner gar nicht möglich. Google zeigt damit, dass mit ihnen im Public-Cloud-Umfeld deutlicher zu rechnen ist, als bisher. Dies unterstrichen die Beteiligten vor Ort auch noch einmal durch die Ankündigung von einem weiteren großen Cloud Event im Dezember und einer Reihe von Ankündigungen, die im Laufe des Jahres noch folgen werden. Wir dürfen also gespannt sein, was die Zukunft der Cloud da mit sich bringt.

Ist die Google-Cloud unternehmenstauglich?

Doch wie bereit ist Google aktuell für den deutschen Kunden? Fakt ist, dass Google sich mit der Eröffnung der Region in Frankfurt und damit dem Bereitstellen eines deutschen Rechenzentrums, wenn auch mittels eines Partners, in die Liste der Cloud-Anbieter einreiht, die Deutschland als einen zentralen und wichtigen Markt adressieren möchten. Für Kunden stellt sich dennoch die Frage, ob die Daten in diesem Rechenzentrum auch verweilen werden oder ob Google die Replikation und Backups dennoch über andere Regionen verteilt? Auf Nachfrage bestätigte man, dass die Daten, wenn der Kunde es nicht anders wünscht, in der Region verbleiben, in der er die Daten ablegt. Dies war in der Vergangenheit nicht immer so. Also ein großer Schritt an dieser Stelle. Weiterhin versucht Google das Partnernetzwerk deutlich auszubauen.

Die scheinbar engste Partnerschaft im B2B-Umfeld scheint die mit der SAP zu sein. Im Zuge der General Data Protection Regulation (GDPR), welche mittlerweile auch alle Public Cloud Provider adressieren, möchte Google hier einen Schritt weiter gehen, und preist für die SAP deren neues Produkt an, welches ein "Data Custodian Model" bereitstellen soll und eine nahtlose Überwachung aller Daten im Unternehmen ermöglichen soll. Inwieweit das Produkt hält was es verspricht, gilt es in Zukunft noch zu prüfen. Das Modell ist nicht vergleichbar mit dem Data Trustee Model von Microsoft, wo eine dritte unabhängige Partei den Zugriff auf die Daten überwacht, sondern vielmehr eine Möglichkeit für Unternehmen, mittels einer Software zu kontrollieren, was mit Unternehmensdaten gerade passiert. Dies ist also ein semi-automatischer Prozess, der zwar auf die Block-Ebene von Daten herunter geht, jedoch die Kontrolle und Pflicht beim Kunden belässt. Google scheint an dieser Stelle Hilfe zu benötigen, sich den Zugang zu Unternehmen zu ermöglichen und ein Stück weit Seriosität einkaufen zu wollen.

Workloads entscheiden die Wahl der Cloud

Bei den Kunden zeichnete sich hingegen der Trend ab, dass die Anwendungsfälle die Auswahl der entsprechenden Cloud für den Betrieb eines Workloads entscheiden. War in den vergangenen Jahren zunächst die Cloud per se als eine Komponente in der IT-Landschaft und damit der Strategie für die nächsten Jahre zu manifestieren, so ist gilt es nun, die Innovationskraft und die Vorteile der einzelnen Anbieter auszuschöpfen. Es wird nicht mehr direkt nach Technologien ausgesucht, sondern die Daten stehen im Zentrum der Betrachtung und damit die Frage, wie man aus ihnen den größten Mehrwert herausholen kann. Damit entstehen dann einzelne Data Stacks, die auf den unterschiedlichen Clouds oder auch im eigenen Rechenzentrum betrieben werden können.

Abhängigkeit der Betriebsmodelle von Workloads
Abhängigkeit der Betriebsmodelle von Workloads
Foto: Crisp Research AG 2017

Ausblick

Mit dem neuen Cloud-Rivalen Google ist aus technischer Sicht bereits seit einiger Zeit zu rechnen. Gerade im Bereich Machine Learning, Analytics und Container-Orchestrierung kann die Google-Cloud-Plattform eine sehr interessante Alternative zu den etablierten Angeboten sein. Im Bereich IoT wird es sicherlich noch dauern, bis Google den Anschluss an die Konkurrenz geschafft hat. Dennoch sollten wir gespannt sein, was uns noch erwartet.