Checkliste Sourcing

Globaler IT-Einkauf schafft Ressourcen für die Digitalisierung

06.05.2015
Von 


Ralf Appelt ist Director Product Management bei Alsbridge, einer Beratungsgesellschaft für Sourcing Advisory und Benchmarking.
Digitalisierung ist das Schlagwort aktueller Diskussionen. Sie stellt CIOs vor eine große Herausforderung. Der Spagat zwischen Regelbetrieb und Innovation erfordert neue Strategien. Outsourcing bleibt ein Mittel der Wahl. Ein Mix aus off-, near- und onshore erbrachten IT-Services entlastet das IT-Budget.
  • Im Vordergrund modernen Sourcings steht nicht mehr das "Kleinschrumpfen" der internen IT-Abteilung, sondern die effiziente Nutzung interner Kräfte abseits des IT-Regelbetriebs.
  • Der Trend liegt darin, einzelne Services auszulagern, teils sogar mit verschiedenen IT-Dienstleistern.
  • Bereits bei der Auswahl geeigneter Outsourcing-Modelle sollten diese anhand einer Checkliste (am Ende des Artikels zu finden) eruiert werden.

CIOs haben es aktuell nicht leicht. Sie müssen die Herausforderung der Digitalisierung aktiv bewältigen, dem Fachkräftemangel trotzen und sich selbst damit auseinandersetzen, dass sich ihre Rolle drastisch ändert. Vom Garanten des IT-Betriebs zum Business Enabler, der mit innovativen IT-Strategien das wertschöpfende Kerngeschäft unterstützt. Dabei hat IT-Outsourcing weiterhin große Bedeutung. Ziel ist es, bestehende IT-Budgets um den aufwendigen internen Betrieb zu entlasten und die internen Experten für die Umsetzung strategischer Zukunftsthemen einzusetzen.

So sollte sich der CIO beispielsweise nicht mehr mit der Anschaffung neuester Technik auseinandersetzen. Eine vertragliche Vereinbarung, die den neuesten Stand der Technik verankert, gewährleistet neueste IT-Ausstattung und die Suche nach technischen Innovationen erübrigt sich! Die Digitalisierungsstrategie und ihre Umsetzung rücken in den Fokus.

Das Auslagern von IT ist sicherlich kein neues Rezept: Klassisches IT-Outsourcing (ITO) wird b1ereits seit vielen Jahren betrieben. Im Vordergrund steht heute aber nicht mehr das "Kleinschrumpfen" der internen IT-Abteilung, indem mit externen Kräften gearbeitet wird, sondern die effiziente Nutzung interner Kräfte abseits des IT-Regelbetriebs! Bestehende Mitarbeiter zum IT-Service-Provider zu transferieren, ist dabei dennoch kein unübliches Prozedere. Es ist festzustellen, dass Mitarbeiter nicht selten wechselwillig sind, weil sie auf Seiten des IT-Dienstleisters für sich selbst neue berufliche Perspektiven finden.

Marktveränderungen en masse

Aktuell befin den sich viele Unternehmen in einer Phase des Re-Sourcings: Bestehende, umfassende ITO-Verträge werden nachverhandelt, bisweilen gekündigt, um Aufträge neu zu vergeben. Der zu beobachtende Trend in der Sourcing-Beratung geht dahin, einzelne Services auszulagern, unter Umständen sogar mit verschiedenen IT-Dienstleistern. Allerdings hat sich der Markt für IT-Dienstleistungen in den letzten Jahren grundlegend verändert: Besonders in Deutschland hatten ausländische IT-Dienstleister bisher große Schwierigkeiten, Kunden zu gewinnen und wurden hauptsächlich als Ressourcenlieferant angesehen.

Hier werden sowohl Bedenken hinsichtlich der Datensicherheit als auch kulturelle und sprachliche Unterschiede ausschlaggebend. Während US-amerikanische oder britische Unternehmen ohne Probleme mit einem Service-Desk-Mitarbeiter in Indien telefonierten, war das für deutsche Unternehmen nicht realisierbar. Besonders die in den deutschsprachigen Ländern sehr verbreitete "Engineering-Kultur", also das starke prozessuale Denken "Wer macht was wie?", machte es ausländischen IT-Service-Providern sehr schwer, ihre Leistungen im deutschen Markt zu verkaufen.

Sourcing-Mix birgt Wahlmöglichkeiten

Vor etwa vier Jahren haben jene indischen IT-Dienstleister erkannt, dass sie sich als kundennaher und kompetenter Service-Partner erweisen müssen. In Folge dessen haben sie ihre Strategie den Bedürfnissen deutscher Unternehmen angepasst. Mit dem Modell des Hybrid Sourcings, dem globalen Einkauf von IT-Services, streben sie nun in den hiesigen Markt und bieten IT-Entscheidern auf dem Weg zur Digitalisierung des Kerngeschäftes mehrwertbringende Dienstleistungen.

Hatten Unternehmen bisher lediglich die Möglichkeit, sich zwischen Offshore-, Nearshore- und Onshore-Outsourcing zu entscheiden, bietet Hybrid Sourcing die Möglichkeit die Delivery-Kette von Services zu gestalten: So können zum Beispiel Service-Mitarbeiter regional ansässig sein, genauso wie Rechenzentren zur Lagerung sensibler Daten. Darüber hinaus gehende Services, im Hinblick auf Personal- oder Betriebskosten, werden in vergleichsweise kostengünstigen Regionen erbracht. So ist am Beispiel der Off-Shore erbrachten Anwendungsentwicklung gut zu erkennen, dass sich die Preise nach unten entwickeln, je weiter man sich von Europa entfernt.

Asien vorne

Asien ist führend, was die kostengünstige Erbringung derartiger Services angeht. Dieser Trend wird anhalten. China bietet zwar die günstigsten Preise, wird aber aus Gründen der Sicherheit (Datenschutz, Wirtschaftsspionage) in aktuellen Outsourcings eher vernachlässigt. Angesichts dieser Rahmenbedingungen zögern CIOs, die IT als das Herz des Geschäftes dorthin zu verlegen. Aufgrund kultureller und infrastruktureller Unterschiede, spielt Afrika als Destination für Offshore-IT-Outsourcings keine Rolle - auch wenn die Manpower dort als ebenfalls recht kostengünstig einzuschätzen ist.

Aktuell ist auch der Trend zu beobachten, dass IT-Service-Provider in Offshore-und Nearshore-Destinationen mit deutschen Mitarbeitern arbeiten. Allerdings sollte auch bedacht werden, dass ab einer gewissen Preisschwelle nur noch reines Offshoring möglich ist. Die Wahl eines IT-Dienstleisters ausschließlich nach dem Preis zu treffen, erweist sich in der Praxis häufig als Problem und ist deshalb nicht empfehlenswert. Nicht immer ist der günstigste Preis auch das beste Angebot! So kann beispielsweise ein im Marktvergleich sehr niedriger Preis darauf hindeuten, dass der Dienstleister die Ausschreibung nicht richtig verstanden hat. Ein offensichtlich über dem Marktdurchschnitt liegendes Angebot kann ein Indiz dafür sein, dass der Anbieter weder über die internen Ressourcen noch über Kompetenzen verfügt und deshalb einen Drittanbieter einzubeziehen plant.