Web

 

Gigagroup: Linux auf dem Mainframe ist selten ein kostenloses Vergnügen

26.08.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Das Marktforschungsunternehmen Giga Information Group warnt Anwender vor der irrigen Annahme, der Einsatz von Linux auf dem Mainframe wäre automatisch ein Kostenlos-Szenario, weil das Open-Source-System selbst umsonst erhältlich sei. Unternehmen, die etwa mit dem Gedanken spielen, Linux-Anwendungen auf IBMs "z-Series"-Mainframes zu portieren, sollten die Kosten für Support und Wartung nicht unterschätzen. Abhängig von der Art der Applikationen und der Anzahl der CPUs, auf denen Linux läuft, können die jährlichen Kosten 25.000 bis 30.000 Dollar erreichen, rechnete Giga-Analyst David Mastrobattista vor. Außerdem fielen Einmalkosten von mindestens 45.000 Dollar für den Kauf des Betriebssystems "zVM" an, um Linux-Partitionen auf dem Großrechner von Big Blue laufen zu lassen. Der dazugehörige Support und Instandhaltung schlage optional noch einmal mit jährlich

11.000 Dollar pro Maschine zubuche. Und schließlich, so Mastrobattista, wären da noch die Lizenzkosten für Workload- und System-Management-Software, um die Leistung der Linux-Applikationen zu verbessern. IT-Entscheider sollten sich dieser Investitionen bewusst sein, anstatt sich blindlings in das vermeintlich billige Linux-Abenteuer zu stürzen.

Die Warnung des Marktforschers kommt zu einer Zeit, in der sich der Linux-Einsatz auf dem Mainframe steigender Beliebtheit erfreut: Nach Untersuchungen der Giga Information Group arbeiten in den USA rund 500 Unternehmen mit Linux auf dem Großrechner, 20 davon vertrauen dem Open-Source-System dabei sogar geschäftskritische Anwendungen an. Die Anwender setzen dabei nicht ausschließlich auf den vermeintlichen Preisvorteil: Laut Gregory Hachigian, IT-Verantwortlicher bei UCLA Healthcare, lassen sich die vorhandenen Ressourcen mit Linux besser nutzen und administrieren. Und dies so preiswert, dass nun geplant sei, weitere Applikationen unter dem Open-Source-Betriebssystem zu konsolidieren. Derzeit betreibt die Abteilung der Universität von Los Angeles zwei Anwendungen über 22 Linux-Server hinweg in einem einzigen S/390-Umgebung. Bei weiteren Partitionen werden die Kosten pro Server noch billiger, so Hachigian.

Grund für diese Einsparungen sind unter anderem die Bemühungen von IBM, den Unternehmen den Einsatz von Linux und anderen neuen Workloads auf Mainframes so billig wie möglich zu machen. So bietet Big Blue etwa ein maschinenbasiertes Preismodell an, mit dem die Mainframe-Nutzer auf ihren Großrechnern die Kapazität für neue Anwendungen erhöhen können, ohne dass die Gebühren für andere Lizenzen steigen. (mb)