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"Gemeinsam mit Partnern ist Sun stärker als IBM"

05.12.2002
Executive Vice President von Sun Services, Patricia Sueltz, sprach mit der CW-Schwesterpublikation "Computerworld" über die Neuorganisation von Suns Dienstleistungsabteilung.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Sun Microsystems hat seine Service-Division neu organisiert. Unter der Leitung von Executive Vice President von Sun Services, Patricia Sueltz, will das Unternehmen sich einmal mehr als Generalanbieter von IT-Produkten und -Dienstleistungen etablieren. Darüber und über mögliche Probleme, die Sun aus dieser Strategie mit seinen Service-Partnern à la Electronic Data Systems Corp. (EDS) entstehen könnten, sprach die CW-Schwesterpublikation „Computerworld“ mit Sueltz.

Patricia Sueltz

CW: Bislang war Sun Services in drei Bereiche gegliedert. Das Marketing und die strategischen Planungen hierfür haben Sie in die Verantwortung einer einzigen Person gegeben. Warum? Hatte es da in der Vergangenheit Koordinationsprobleme gegeben?

SUELTZ: In den vergangenen neun Jahren hatten wir in der Service-Division ein jährliches Wachstum von 25 Prozent. Diese nicht gerade kleinen Steigerungsraten müssen wir beibehalten. Und deshalb bin ich zu der Überzeugung gelangt, dass es besser ist, ein koordiniertes Marketing unter einer einzigen Führung zu haben, damit auch eine konsistente allgemeingültige Strategieplanung möglich ist.

CW: Sie haben von den zehn Managern, die an Sie berichten, sieben ausgetauscht. Bei einem Stühlerücken dieser Größenordnung beschleicht uns schon der Verdacht, dass es in der Sun-Service-Geschäftseinheit drunter und drüber ging.

SUELTZ: Nein, so ist das nun nicht. Wir haben schon gut zusammengearbeitet. Aber das Maß aller Dinge für unserer Strategie war und ist die Integration aller Aktivitäten. Und da ist es nun mal so, wenn da jemand nicht mitziehen konnte oder wollte, musste ich eine Entscheidung treffen. Würden Sie das als Chaos bezeichnen? Wohl nicht. Aber wenn ich Ihre Frage dahingehend verstehen soll, dass wir vor der Notwendigkeit standen, einige neue Gedanken über Sun im allgemeinen und Integrationsprozesse im besonderen zu platzieren, dann sage ich: Absolut richtig.

CW: Sie haben angekündigt, dass Sie allgemein gängige Servicemethoden auch in Ihrer Organisation Sun Services einrichten wollen. Ist das nicht etwas, was man ohnehin erwarten kann und was Sun schon längst bei sich realisiert haben sollte?

SUELTZ: Natürlich hatten wir diese für Service-Organisationen üblichen Methoden und Prozeduren. Aber ich will mal ganz offen zu Ihnen sein: Wenn ein Unternehmen die Belegschaft um elf Prozent reduzieren muss, wir wir gezwungen waren, es zu tun, dann hinterlässt das Spuren, das ist hart. Da können Sie gewisse Dinge einfach nicht mehr so machen, wie Sie es gewohnt waren. Wir versuchen jetzt, bewährte Methoden und Vorgehensweise auf die momentane Situation zu übertragen.

CW: Andere Sun-Manager haben gesagt, das Unternehmen solle sich mehr zu einem Generalanbieter von IT und IT-Services entwickeln und in eine Führungsposition bei Projekten von Kunden hineinwachsen. Was bedeutet dieser Anspruch eigentlich für Ihre Organisation?

SUELTZ: In der Vergangenheit hatten wir Service als Service definiert - mit anderen Worten, wir haben Support angeboten. Heute wollen wir mehr als Berater auftreten und das schon zu Beginn von Projekten. Ich sehe mich da als Subkontraktor von Suns weltweiter Vertriebsorganisation.

CW: Dienstleister wie EDS, mit denen Sie heute zusammenarbeiten als Service-Partner, werden sich über dieses neue Verständnis von Sun sicherlich sehr freuen.

SUELTZ: Alles, was wir sagen wollen, ist: Gemeinsam mit unseren Partnern ist Sun stärker als IBM und sicherlich besser aufgestellt als Hewlett-Packard. Es wäre doch auch Unsinn zu versuchen, all das Wissen, das bei unseren Partnern existiert, jetzt für eine einzige Firma zu reklamieren. Wir wollen den Kunden lediglich einen einzigen Anlaufpunkt für all seine Probleme geben. Sie sollen nicht mit der Situation konfrontiert sein, dass da verschiedene involvierte Partner mit dem Finger auf den jeweils anderen zeigen, wenn es um die Verantwortlichkeit in einem Projekt geht.

CW: Sie haben gesagt, dass Sun mit Services momentan rund 32 Prozent des gesamten Umsatzes erwirtschaftet? Was erwarten Sie diesbezüglich für die Zukunft?

SUELTZ: Ich möchte gern, dass unser Anteil am Gesamtumsatz der Firma sich auch weiterhin um die 30 Prozent bewegt. Ich will keinesfalls, dass dieser Anteil auf 60 Prozent explodiert. Das würde nämlich auch bedeuten, dass wir nicht mehr Technologieführer sein können und so auch unseren Kunden nicht mehr helfen können, dessen Probleme zu lösen.