Gehörlosen-Schulung per visuellem Feedback

14.11.1975

CAMBRIDGE (England) - Neue Wege zur Gehörlosenschulung beschritten die Wissenschaftler des Engineering-Department der Universität Cambridge: Ihr Ziel war es, eine Möglichkeit auszutüfteln, die dem Schüler eine direkte Vorgabe bietet, an der er seine Aussprache kontrollieren und eventuelle Aussprachefehler korrigieren kann. Da die Fehlerkorrektur möglichst rasch und flexibel vonstatten gehen muß, um dem Schüler die zum Lernprozeß nötigen Erfolgserlebnisse zu vermitteln, wählten die Cambridge-Ingenieure den Weg der computerunterstützten Sprachschulung. Sie entschieden sich für den Interdata-Rechner Modell 70 als Computer-Device.

Bislang wurde die Sprachschulung von Gehörlosen oder Gehörgeschädigten durch mangelnden akustischen Feedback erschwert - der Schüler hatte keine Möglichkeit, seine Aussprache zu kontrollieren. Gehörlos geborene Kinder, aber auch zu einem späteren Zeitpunkt Geschädigte, sind deshalb bei ihrer Sprachschulung auf unzulängliche Hilfsmittel angewiesen: Sie orientieren sich entweder visuell an der Mundstellung ihres Lehrers oder versuchen durch Erfühlen der Kehlkopfvibration ihres Therapeuten ähnliche Schwingungen bei sich selbst hervorzurufen. Genau an diesem Punkt setzten die Cambridge-Ingenieure an. Der Aufbau der von ihnen entwickelten Anlage ist denkbar einfach: Ein Mikrophon und ein Audio-Verstarker sind durch ein spezielles Interface mit dem Minicomputer verbunden. Die aufgenommenen Sprachsignale werden verstärkt, analysiert und zusammen mit den vorgegebenen "richtigen" Schwingungen als Sprachkurven auf einem Oszilloskop wiedergegeben. Der Schüler hat die Möglichkeit, seine Aussprache so lange zu verändern, bis sich die beiden Kurven so weit wie möglich decken (Abbildung). Anstelle des akustischen Feedback verfügt er durch diese Methode über ein absolut sicheres Mittel, das es ihm erlaubt, äußerst schnell vorgegebene Laute oder Worte korrekt nachzusprechen. de