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Geburtstagsgrüße in Web-2.0-Zeiten

22.04.2010
Früher war weniger Glückwunsch. Wer heutzutage Geburtstag hat und im Web gut vernetzt ist, dem wird so viel gratuliert wie nie. Wer das gruselig findet, muss sich zu helfen wissen.

Auch schon Geburtstag gehabt dieses Jahr? Wenn nicht, kommt der Tag logischerweise (hoffentlich) noch. Und wer nicht zu den Internetmuffeln gehört - und das sind gar nicht so wenige, wie Studien zeigen - der kann an seinem Ehrentag Erstaunliches erleben.

Leute, die einem früher nicht mal "Guten Tag" gesagt hätten, gratulieren einem plötzlich zum Geburtstag. In Web-2.0-Zeiten sind neue Umgangsformen entstanden. Von wegen Vereinsamung vorm Computer: Man kann sich kaum vor Nachrichten in sozialen Netzwerken oder im E-Mail-Postfach retten.

Wer zum Beispiel in seinem Facebook-Profil das (echte) Geburtsdatum stehen hat, bekommt an diesem Tag garantiert eine volle virtuelle Pinnwand. Lauter Glückwünsche. Die sogenannten Freunde werden ja täglich daran erinnert, wem man gratulieren könnte. Zwar ist es ein zusätzlicher Schritt, es auch zu tun, und es zeugt von einer Art Zuneigung, die man nicht niedermachen sollte, doch das Ganze hat auch Kehrseiten.

Nervig kann es zum Beispiel werden, wenn sich entfernte Bekannte oder einstige Klassenkameraden kumpelhaft mit "Alles Gute" oder "Iss nicht so viel Torte, Digger" melden. Und das, obwohl man sich seit Jahren nicht gesehen hat und nichts - wirklich nichts - mehr miteinander zu tun hat. Außer, dass man vor einiger Zeit leichtsinnigerweise auf "Freundschaftsanfrage bestätigen" geklickt hat.

Außerdem kann es traurig stimmen, wenn sogar recht nahe Freunde zum Geburtstag nur noch eine Web-Nachricht schreiben statt der früher obligatorischen Karte. Oder wenn sie wegen der neuen Gratulationswege nicht mehr anrufen.

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