Digitale Transformation

GE-CIO wettet auf Analytics und Künstliche Intelligenz

Wolfgang Herrmann ist Deputy Editorial Director der IDG-Publikationen COMPUTERWOCHE und CIO. Zuvor war er Chefredakteur der Schwesterpublikation TecChannel und stellvertretender Chefredakteur COMPUTERWOCHE. Zu seinen thematischen Schwerpunkten gehören Cloud Computing, Big Data / Analytics und Digitale Transformation.
CIO Jim Fowler setzt auf Analytics und Künstliche und Intelligenz, um General Electric auf dem Weg zum digitalen Unternehmen voranzubringen. Im Transformationsprozess des Industriekonzerns geht es auch um organisatorische und kulturelle Herausforderungen.

Rund 650 Ölplattformen hat General Electric (GE) bereits mit Sensoren und Software ausgestattet. Die gesammelten Betriebsdaten werden an eine zentrale GE-Plattform weitergeleitet und analysiert. Auf dieser Grundlage optimiert der Industriekonzern den Betrieb und hat eigenen Angaben zufolge die Effizienz der Anlagen um zwei bis vier Prozent gesteigert.

Der Industriekonzern General Electric steckt in einem umfassenden Transformationsprozess.
Der Industriekonzern General Electric steckt in einem umfassenden Transformationsprozess.
Foto: Jonathan Weiss - shutterstock.com

CIO Jim Fowler legt Wert auf die Feststellung, dass die meisten solcher Verbesserungen nicht von Menschen, sondern von Maschinen auf den Weg gebracht worden seien: "Es sind eher die Maschinen, die den Mitarbeitern erklären, was zu tun ist, und nicht umgekehrt." Sensoren in Verbindung mit einer Softwareplattform hätten GE dabei geholfen, die Produktion inkrementell zu verbessern und Ausfallzeiten zu reduzieren. Der IT-Chef beobachtet ein Zusammenwachsen von Information Technology und Operational Technology, das Unternehmen einen klar erkennbaren Mehrwert bringe.

Ausgestattet mit Advanced-Analytics-Systemen könnten Maschinen Probleme selbständig diagnostizieren, Wartungsarbeiten beschleunigen und Ausfallzeiten vermeiden, so der Manager. Mithilfe der Service-App "FieldVision" verfolgt GE diesen Ansatz für die hauseigenen Fertigungsanlagen, auf denen etwa Gasturbinen und bildgebende medizinische Geräte produziert werden. Dabei senden die Fertigungssysteme Diagnosedaten an ein zentrales Hub. Muss ein Bauteil ausgetauscht werden, stößt das System automatisch einen Supply-Chain-Prozess für die Bestellung an. Fowler spricht in diesem Kontext von einer Evolution der klassischen ERP-Systeme (Enterprise Resource Planning) in Richtung Machine Resource Planning (MRP). Trifft ein Servicetechniker an einer Maschine ein, liegt das Ersatzteil schon für ihn bereit und er kann direkt mit der Reparatur beginnen, anstatt eine aufwändige Fehlersuche zu starten.

„Es sind eher die Maschinen, die den Mitarbeitern erklären, was zu tun ist, und nicht umgekehrt“, sagt Jim Fowler, CIO von General Electric.
„Es sind eher die Maschinen, die den Mitarbeitern erklären, was zu tun ist, und nicht umgekehrt“, sagt Jim Fowler, CIO von General Electric.
Foto: General Electric

API-Management für neue Kundenerlebnisse

Das Thema Künstliche Intelligenz gewinnt dabei an Bedeutung, erläuterte der CIO auf einer Fachkonferenz der Open Networking User Group (ONUG): "75 Prozent der Reparaturarbeiten werden schon jetzt mit Hilfe von Artificial Intelligence vorgegeben", so der Manager. "Wir wissen, welche Teile geliefert werden müssen und welche Qualifikationen für eine Reparatur benötigt werden. Wir haben die Maschinenpläne ebenso zur Hand wie die Wartungshistorie." Unterm Strich könne GE mit diesen Maßnahmen Kosten in Höhe von 2,5 Millionen Dollar pro Jahr sparen.

Unter dem Namen GE Digital macht der Konzern solche Technologien auch externen Kunden zugänglich. Laut Fowler geht es dabei in der Regel um eine höhere Verfügbarkeit von Kundenanlagen, aber auch um mehr Durchsatz: "Wir möchten, dass Kunden mehr aus unseren Produkten herausholen können." Für GE könnten sich damit zusätzliche Umsatzpotenziale in Höhe von zehn Milliarden Dollar auftun.

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