Ergänzung der klassischen Micro-Mainframe-Kommunikation

Gateways: Brückenschlag für die LAN-Host-Verbindung

03.06.1988

Mit der zunehmenden Verbreitung lokaler Netze in großen Unternehmen entstand neben der klassischen Micro-Mainframe-Kommunikation ein neuer Bedarf: Die Anbindung dieser "LAN-lnseln" an den Host. Bill Potts* beschreibt am Beispiel von 3270-Anwendungen die Möglichkeiten, die sich dem Anwender auftun.

Einzelplatz-3270-Verbindungen beinhalten die Emulation eines (singlesession) oder mehrerer (multi-session) 3270 Bildschirme, oftmals auch Host-adressierbare Drucker. Hierzu wird ein einzelner PC über einen Koax-Anschluß an eine IBM-3174- oder 3274-Steuereinheit, oder entfernt über ein asynchrones Modem und eine Stand- oder Wählleitung angeschlossen.

Token-Ring erweiterte PC-Einsatzmöglichkeiten

Mit der Einführung der Token-Ring-Unterstützung durch die IBM-Steuereinheit 3174, 3725 und 3745 wurde die Definition von Einzelplatz-Anbindungen um Token-Ring-basierende 3270-Stationen erweitert. Solche Stationen kommunizieren direkt mit dem Token-Ring-Interface-Coupler (TIC) und sind unabhängig von anderen Aktivitäten auf dem Ring.

PCs, die eine Einzelplatz-Anbindung verwenden, können natürlich auch Bestandteil eines lokalen Netzes sein und so Einrichtungen des LANs zum Laden von Programmen, Datei Transfer und beispielsweise die Druckerdienste verwenden. In jedem Fall aber bleibt die Host-Verbindung unabhängig vom Transportmechanismus des Netzes.

Gateways ermöglichen mehrfache Host-Nutzung

LANs bieten mehreren Benutzern die Möglichkeit, eine einzelne Host-Verbindung gemeinsam zu nutzen. Dies ist technisch realisierbar, weil IBM und andere Hersteller Vorkehrungen getroffen haben, um mehrere Bildschirme über eine einzelne Kommunikationsleitung zu adressieren. Der Anschluß an eine solche Kommunikationsleitung geschieht durch ein (Kommunikations-)Gateway, bestehend aus Hard- und Software, in einem PC eines LANs.

Gateways, die an einem 3174- oder 3274-Controller angeschlossen sind, haben Zugriff auf bis zu fünf Sessions, solche mit Anschluß an einen Terminal Multiplexer Adapter des Controllers auf bis zu 40 IBM-3270-Sessions. Gateways, die einen 3174- oder 3274-Remote-Controller emulieren, haben ein Potential von 128 Sessions. Das neue Novell-Token-Ring-Gateway bietet ebenfalls 128 Sessions. Um die Anzahl der verfügbaren Sessions zu erhöhen, können in einem LAN mehrere Gateways eingesetzt werden.

Das Bildschirm-Emulationsprogramm ist bei Verwendung eines Gateways sehr ähnlich dem einer Einzelplatz-Anbindung, mit der Ausnahme, daß hierbei die Transportmechanismen des LANs "Netbios", NetWare IPX/SPX, etc. anstelle der direkten physikalischen Anbindung verwendet werden. Außerdem wird im allgemeinen weniger Hauptspeicher benötigt, weil viele Funktionen, die für alle Arbeitsplätze gleich sind, im Gateway-Server abgebildet werden.

Da mitunter eine große Anzahl von Sessions verwaltet werden muß, steht die Leistungsfähigkeit des Gateways im Vordergrund. Manche Hersteller tragen diesem Umstand durch schnelle Prozessor-bestückte Gatewaykarten Rechnung. Ein solches Board besteht aus dem entsprechenden Interface, dem Prozessor und Hauptspeicher zum Ablauf des Gateway-Programms. Novells Remote-Assist und Coaxmux sind Beispiele für die Vorgehensweise. Das Remote-Assist-Gateway unterstützt Übertragungsraten von bis zu 64 kBit/s.

Novell bietet nun auch eine Lösung, um 3270-LAN-Arbeitsplätze jeglicher Topologie an IBMs Token-Ring-lnterface-Coupler (TIC) anzubinden. Das Novell Token-Ring Gateway kommuniziert mit dem TIC mittels eines Token-Ring-Adapters unter Verwendung des 802.2 Protokolls. Die Kommunikation mit den Arbeitsplätzen geschieht über die NetWare Shell "Netbios" oder IPX/ SPX), oder über die "Netbios"- beziehungsweise eine dazu kompatible Schnittstelle und ein LAN Interface Board (welches auch Token-Ring sein kann). Bei Verwendung von IPX/SPX kann sich der Arbeitsplatz auch in einem anderen LAN befinden, das wiederum mit dem LAN des Gateways über eine Bridge verbunden ist.

In Zukunft werden Gateways verstärkt eingesetzt

3270-Gateways sind selbstverständlich nur ein Teil der Gesamtlandschaft. Novell bietet zum Beispiel ebenso IBM 5250, asynchrone (unter Verwendung mehrerer Modems) und X.25 Gateways an, welche den hohen Nutzen von öffentlichen Datennetzen wie Datex-P im LAN zur Verfügung stellen.

Mit der wachsenden Anzahl von LAN-Installationen tendiert der Anwender hin zu Gateway-Lösungen im Gegensatz zu Einzellösungen. Ausschlaggebende Faktoren sind in diesem Zusammenhang IBMs Systems Application Architecture (SAA), Token-Ring, LU Type 6.2 und Netzwerkbetriebssysteme wie Novell NetWare. Die Instanz-zu-lnstanz (peer-to-peer) Kommunikation, die durch LU 6.2 zur Verfügung steht kann ebenso in lokalen Netzen wie in Wide Aera Networks (WAN) wie zum Beispiel IBMs SNA durch NetWare verbundene Systeme etc. genutzt werden.

In Zukunft werden, mit Ausnahme der Fälle, in denen die extreme Performance von direkten Anschlüssen benötigt wird (wie etwa einige transaktionsintensive Daten-Eingabe-Applikationen), Gateways die Regel sein.

*Bill Potts ist Director of Marketing for Comunications Products bei der Novell GmbH, Düsseldorf.