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Gates: Das Netz muss sicherer werden

31.01.2005
Microsoft-Gründer Bill Gates sieht Nachholbedarf in der Computersicherheit. Bei der Abwehr von Hackern und Internet-Betrügern könne Microsoft aber allein nicht erfolgreich sein.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Microsoft-Gründer Bill Gates sieht Nachholbedarf in der Computersicherheit. Nachdem die PC-Branche in den vergangenen Jahren viele technische Neuerungen entwickelt habe, drängten nun "einige wirklich ernste Themen auf die Agenda, bei denen wir sicherstellen müssen, dass sie gar nicht erst zum Problem werden", sagte er in einem Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin "Spiegel".

Nach Ansicht von Gates haben sich vor allem "die Probleme im Bereich des Datendiebstahls" vergrößert. "In manchen Bereichen sind auch die bösen Jungs clever - und gelegentlich raffinierter, als wir es erwartet haben", so Gates weiter.

Bei der Abwehr von Hackern und Internet-Betrügern könne Microsoft allein aber nicht erfolgreich sein. Die Branche müsse auch mit Regierungen und Behörden zusammenarbeiten, um die Online- Kriminalität zu bekämpfen: "Es gibt viel zu tun, besonders für Microsoft."

Gates hat zusammen mit zahlreichen Partnern heute in München die breit angelegte Initiative "Deutschland sicher im Netz" gestartet.Neben dem Softwaregiganten Microsoft verpflichteten sich Unternehmen wie SAP und eBay sowie Verbände wie das Deutsche Kinderhilfswerk, die Menschen vor Sicherheitsproblemen und Kriminalität im Internet zu schützen. Die Initiative strebt aber auch an, Menschen zu einem bewussten Umgang mit Informationstechnologie zu motivieren und ihr Vertrauen in neue Technologien zu stärken.

Die Komplexität des Themas mache ein Zusammenwirken aller relevanten Kräfte erforderlich. "Deutschland sicher im Netz" bündele darum die Kompetenzen führender IT- und Internet-Unternehmen und erfahrener Fachleute aus Verbänden, öffentlichen Institutionen und der Politik zu einer schlagkräftigen Einheit. Die Initiative verfolge einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl Privatnutzer, Kinder und Jugendliche, als auch kleine und mittelständische Unternehmen sowie Behörden mit einschließe.

In den vergangenen Monaten hatten immer wieder Computerviren und Würmer PCs mit dem Microsoft-Betriebssystem Windows rund um den Globus attackiert. Außerdem beklagen sich PC-Anwender immer häufiger über unerwünschte Werbe-Mails ("Spam") und Spähangriffe auf persönliche Daten durch so genannte Spyware- und Phishing-Attacken. Gates schlug in München etliche Maßnahmen vor, um den Stand der IT-Sicherheit zu verbessern. So müsse der Einsatz von Passwörtern zum Schutz von vertraulichen Informationen durch die Nutzung von Smartcards und die Auswertung biometrischer Merkmale abgelöst werden.

Bundeswirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), der Schirmherr der Initiative, zog einen Vergleich zur Automobil-Industrie. "Wer würde je die Sinnhaftigkeit einer Investition in Bremsen oder einen Airbag bestreiten? Aber bei der IT-Sicherheit wird gespart." Während die Zahl der Fahrzeuge immer stärker steige, nehme die Zahl der Unfälle kontinuierlich ab. In Deutschland fielen mehr Arbeitstage durch Mängel in der IT-Sicherheit aus als durch Streiks. "Nur wenn wir in Politik und Wirtschaft an einem Strang ziehen und das in die gleiche Richtung, können wir die IT-Sicherheit deutlich vorantreiben."

Henning Kagermann, der Chef des größten europäischen Softwarehauses SAP, sagte, gerade kleine und mittlere Unternehmen seien auf eine bessere IT-Sicherheit angewiesen. "Nur so können sie beim Innovationstempo mit den Großen mithalten."

In der Initiative "Deutschland sicher im Netz" wollen sich der Deutsche Sparkassenverlag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund, das Deutsche Kinderhilfswerk und die Deutsche Gesellschaft für IT- Sicherheit (Mcert) engagieren. Außerdem beteiligen sich die Freiwillige Selbstkontrolle Multimedia-Diensteanbieter (FSM), der TeleTrusT Verband sowie die Firmen Computer Associates, eBay, Microsoft, SAP und T-Online an der Aktion.

Die beteiligten Partner stellten in München konkrete Handlungsversprechen vor, die im Mai 2006 bei einem weiteren Gipfel bilanziert werden sollen. Microsoft und CA verpflichteten sich etwa, einen Sicherheitscheck zu entwickeln, mit dem Internet-Nutzer ihre Rechner umfassend auf Sicherheitsmängel hin überprüfen können. Das kostenlose Programm soll zugleich bei der Einstellung und Installation von notwendigen Schutzmechanismen Hilfestellungen bieten. (dpa/tc)