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Gartner: IT vernichtet massenhaft Arbeitsplätze

09.10.2002
Auf seiner ITxpo in Florida hat Gartner eine Top-10-Liste mit IT-Prognosen vorgetragen. Punkt vier: Der (informations-)technische Fortschritt wird in den nächsten Jahren Millionen Jobs kosten.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Zuerst die gute Nachricht: Informationstechnik wird Unternehmen auch weiterhin dabei helfen, effizienter zu werden. Allerdings könnte sie auch Ihren Job kosten - das prognostizierte jedenfalls Gartners Research Director Carl Claunch, als er auf der ITxpo in Lake Buena Vista, Florida, eine Top-10-Liste mit IT-Prognosen vorstellte. Gartner geht demnach davon aus, dass Unternehmen mit wieder anziehender Konjunktur und anhaltendem technischen Fortschritt Millionen von Arbeitsplätzen abbauen und damit bereits in den kommenden zwei Jahren anfangen werden.

Research Director Carl Claunch
Research Director Carl Claunch

IT-Systeme, die bisher manuelle Tätigkeiten zunehmend automatisieren, werden "die Arbeitsbelastung des Geschäfts substanziell senken", prophezeite Claunch. Gartner gehe davon aus, dass durchschnittlich die Produktivität der IT das Umsatzwachstum einer Firma stets übertreffen und damit einen zusätzlichen Impuls zur Verkleinerung vieler Belegschaft geben werde. Der Arbeitsplatzabbau durch IT war der vierte Punkt der Gartner-Liste. Es folgen die übrigen Vorhersagen:

Das Hinzufügen zusätzlicher Bandbreite wird künftig kosteneffektiver als der Kauf zusätzlicher Computer. Die Kapazität optischer Netze wachse jährlich um 100 Prozent, die Rechenkapazität nur um 60 Prozent per annum. Dies werde letztlich zu weniger, stärker zentralisierten Data Centers und stärkerer gemeinsamer Nutzung solcher Kapazitäten durch Unternehmen im Rahmen eines ASP-Modells (Application Service Provider) führen, so Claunch. Eine größere Verbreitung verteilter Anwendungen werde auch die Verbreitung von Grid Computing vorantreiben.

Die meisten neuen Systeme sollen "interenterprise" und "cross-enterprise" arbeiten. Die Zukunft gehöre Technik, mit der Unternehmen ihre Supply-Chain- und andere Systeme miteinander verbinden würden, sagte der Gartner-Mann. Das Ergebis werde allerdings eine "Schlangengrube" sein, und IT-Manager beispielweise würden erst einmal herausfinden müssen, wie sie die Investitionen in solche Lösungen kostenmäßig rechtfertigen können.

Trotz ihre Komplexität sollen Interenterprise Systems Unternehmen einen wirtschaftlichen Schub verschaffen. Viele Anwender könnten Abteilungs- und firmenübergreifende Systeme nutzen, um schneller auf sich verändernde Geschäftsbedingungen zu reagieren. "Das wird eine klare und anerkannte Auswirkung auf die Produktivität haben", versprach Claunch.

(s.o.)

Die Konsolidierung der Anbieter in vielen Bereichen des IT-Markt wird weitergehen. Konjunkturflaute und gedeckelte Budgets würden den Service Providern, Netzbetreibern und Anbietern von Middleware sowie System- und Netz-Management-Tools weiterhin zu schaffen machen. Der Gartner-Experte geht ferner davon aus, dass bis zum Jahr 2004 die Hälfte aller heutigen Softwareanbieter vom Markt verschwunden sein werden.

Das Moore'sche Gesetz soll zumindest in diesem Jahrzehnt seine Gültigkeit behalten. Technischer Fortschritt auf Gebieten wie Nanoröhrchen-Transistoren oder Datenpeicherung in Nanometer großen Löchlein soll binnen sechs Jahren folgende Eckdaten möglich machen: Prozessoren mit 40 Gigahertz Taktfrequenz sowie Festplatten mit 1,5 Terabyte Kapazität, 4 bis 12 GB Arbeitsspeicher sowie vier bis acht CPU-Cores pro Chip im Durchschnitts-PC.

Banken sollen bis 2007 primäre Anbieter von "Präsenzdienstleistungen" werden. Da zunehmend mehr persönliche und Finanzdaten online verteilt würden, vertrauten die Verbraucher immer stärker "vorausdenkenden Banken" denn ISPs (Internet Service Providers) als Informationshütern.

Business Activity Monitoring soll in fünf Jahren gang und gäbe sein. Unternehmen würden sich durch die Nutzung von IT neue Möglichkeiten auftun, agiler zu handeln.

Die meisten Entscheidungen in puncto Anwendungen treffen Fachabteilungen und nicht die IT. Verbindung und Austausch zwischen den Geschäftsbereichen und der IT sollen künftig aber besser funktionieren als heutzutage, so Gartner. Investitionen in und Einsatz von Applikationen würden künftig vor allem vom erhofften Geschäftserfolg und klassischen Bilanzgrundsätzen bestimmt.

Das Pendel schwingt bis zum Jahr 2004 wieder zurück in Richtung Dezentralisierung. Viele Unternehmen rezentralisierten zwar gerade, um ihre Kosten zu senken. Sobald dies offensichtlich erfolgreich verlaufe, werde eine bessere Wirtschaftslage das höhere Management die IT-Abteilung wieder zum Gegenteil anhalten, um schneller auf die geänderten Bedingungen reagieren zu können, glaubt Claunch.

(tc)