Baukasten für ungewisse Zeiten

Gartner fordert das Composable Business

17.11.2020
Von 
Jens Dose ist Redakteur des CIO Magazins. Neben den Kernthemen rund um CIOs und ihre Projekte beschäftigt er sich auch mit der Rolle des CISO und dessen Aufgabengebiet.

Für die Technologie ist laut Gartner entscheidend, inwieweit sie das Mindset und die Architektur unterstützt. Es gehe darum, Lösungen so zu gestalten, dass sie das Business bei jeder Veränderung optimal unterstützen. Dabei gelte es, das richtige Maß zwischen monolithischen und zu kleinteiligen Lösungen zu finden. In diesem Kontext stellen sich Fragen wie: Bieten die verschiedenen IT-Komponenten einen klar definierte Nutzen in möglichst vielen Business-Kontexten? Wie stark hängen Softwaremodule voneinander ab und wie gut können sie miteinander kommunizieren? Gibt es einen Software-Marktplatz, über den auch Fachabteilungen die IT-Komponenten finden können, die sie brauchen?

Je nachdem, wie Unternehmen solche und ähnliche Fragen beantworten, soll sich bemessen lassen, wie "composable" ihr Geschäft bereits ist.

Composable Business: ein Beispiel aus Fernost

Wie ein Composable Business in der Praxis aussehen kann, erläuterte Gartner anhand eines Beispiels aus China. "Können wir einen dreieckigen Kühlschrank herstellen, wenn die Kunden einen wollen?" Mit dieser Frage soll ein Geschäftsführer bei Haier die Transformation des chinesischen Haushaltsgeräteherstellers angestoßen haben. Da es in der traditionellen Unternehmensstruktur keine Antwort auf diese Frage gab, wurde beschlossen, großflächig umzubauen.

Laut einer Haier-Sprecherin wurde die stark hierarchische Struktur des Unternehmens in Micro-Betriebe aufgespalten, sogenannte Ecosystem Micro Communities (EMCs). Diese arbeiten weitgehend selbstständig, werden aber je nach Aufgabe umverteilt oder gebündelt, wie ein Schwarm Fische im Meer. Mit diesem neuen Ansatz entwickelte Haier schließlich eine Plattform, in der Kunden sich ihre Küchengeräte selbst anpassen können - auch als Dreieck.

Aus einer dieser EMCs entstand im Zuge der Corona-Pandemie auch ein komplett neues Geschäftsfeld. Ein Mitarbeiter startete zu Beginn der Krise eine Chat-Gruppe, in der Kollegen medizinische Materialien austauschen konnten. Das funktionierte so gut, dass in einem Meeting beschlossen wurde, eine App für den Healthcare-Sektor zu entwickeln. Damit können Unternehmen, Krankenhäuser oder Verwaltungen festhalten, welche Vorräte sie in welcher Menge brauchen. Die jeweiligen Einkaufs-, Logistik- und Finanzabteilungen werden in die Lage versetzt, die Beschaffung genau am jeweiligen Bedarf anzupassen.