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Gartner: Fachabteilungen kontrollieren zunehmend die IT-Budgets

25.03.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Fachabteilungen werden in diesem Jahr die Kontrolle über die meisten verfügbaren IT-Investitionen gewinnen, da Projektmittel den IT-Abteilungen nur noch sparsam und nach Erreichung zuvor festgelegter Zwischenziele zugeteilt werden. So lautet zumindest eine von sieben Prognosen, die Analysten von Gartner auf dem Symposium/ITxpo in San Diego vorstellten. Warum Fachbereiche zunehmend die IT-Ausgaben kontrollieren? Höherrangige Linien-Manager seien enttäuscht über Y2K- und E-Commerce-Ausgaben; die Unfähigkeit technikfokussierter CIOs, den Wert von IT-Investitionen für das Business zu kommunizieren, habe eine "Glaubwürdigkeitslücke" erzeugt, die CIOs adressieren müssten, so Gartner-Analyst Carl Claunch.

Bereits 2005 dürften aus Sicht der Experten 65 Prozent aller Firmen mehr als die Hälfte ihrer IT-Projekte nur noch auf "Just-in-Time-Basis" in erfolgsgebundenen Teilschritten finanzieren. Eine weitere Prognose dürfte den IT-Abteilungen eher schmecken: Der gegenwärtige kurzfristige Fokus auf Kostensenkung soll später steigende IT-Kosten nach sich ziehen. Anwender "verpfändeten" ihre Zukunft, indem sie IT-Infastruktur und Anwendungs-Upgrades heute unterfinanzierten. Wenn die Wirtschaft sich erhole und die Nachfrage nach IT-Produkten und -Dienstleistungen steige, würden die Kosten höher liegen.

Außerdem prophezeiten die Gartner-Experten folgendes:

Der Markt für reine Portal-Produkte wird zunehmend verschwinden, insbesondere weil deren Funktionalität in breiteren Softwarekategorien wie Anwendungsplattform-Suites und Collaborative-Techniken aufgeht.

Die Nutzung von RFID-Etiketten (Radio Frequency Identification) als Nachfolger des Barcode wird sprunghaft ansteigen. Die Preise für solche Labels fallen in den Bereich von fünf Cent pro Stück und erlaubten Händlern wie Herstellern, die Nutzung von Produkten auch nach dem Verkauf zu verfolgen.

Die Zahl öffentlich zugänglicher WLAN-Hotspots wird sich in diesem Jahr vervierfachen und damit in Hotels, Flughäfen, Restaurants und öffentlichen Gebäuden eine immer weiter reichende Connectivity ermöglichen. Dabei wird es einen Mix aus kostenlosen und kommerziellen Diensten geben, so Gartner. Bis 2007 soll die Public-WLAN-Branche mehr als neun Milliarden Dollar umsetzen.

IT als "Versorgungsunternehmen" kommt in Fahrt. Bereits 2006 werden 30 Prozent der IT-Aufgaben entsprechend diesem Modell abgewickelt, schätzen die Auguren, bei dem Anwender für Server, Storage und andere Notwendigkeiten nur nach Bedarf zahlen.

Auch in den USA kommt das in Europa längst populäre Online-Banking endlich in die Hufe. Obwohl aktuell erst zwölf Prozent der US-Kunden Bankgeschäfte im Netz erledigen, soll die Rate bis Ende des Jahres um 50 Prozent steigen.

(tc)