Deutsche Anwender haengen an ihrem Mainframe

Fuer die /390-Rechner verspricht IBM Posix- und DCE-Konformitaet

19.02.1993

Vor allem die Posix-Konformitaet von MVS/ESA duerfte Anwender interessieren. Sie soll in die ab Maerz 1993 verfuegbare Version 4.3 integriert werden. Allerdings ist die Einbindung von Posix in MVS/ESA 4.3 - bei Big Blue als "Open Edition Services" bezeichnet - erst ab dem Fruehjahr 1994 verfuegbar.

Auch die Versprechungen zur Einhaltung von Standards wie XPG4 und OSF/DCE unter VM/ESA und AIX/ESA sowie die erweiterte Funktionalitaet von CICS/ESA fuer die 9121-Familie sind ueber den Status von Absichtserklaerungen noch nicht hinausgekommen.

Offensichtlich wenig beeindruckt von den massiven Schwierigkeiten der IBM Corp., die auch bei der deutschen GmbH eindeutige Spuren hinterlassen hat, zeigten sich die Manager der Enterprise-Gruppe. "Wir werden auch in Zukunft massiv in Grossrechner investieren", bemerkte Volker Kulessa. "1991 haben wir so viele Grossrechner installiert wie nie zuvor", fuer Deutschland sei im Jahre 1992 sogar noch eine weitere Steigerung zu verzeichnen gewesen.

Dies steht in krassem Gegensatz zu den Zahlen, die die Corp. veroeffentlichte: Danach verzeichnete die IBM 1992 einen allein auf die Hardware bezogenen Grossrechner-Umsatzrueckgang von 20 Prozent. Alle Mainframe-bezogenen Einnahmen inklusive Serviceleistungen sowie Software gingen im abgelaufenen Jahr immerhin noch um zwoelf Prozent zurueck.

Angesprochen auf den unerschuetterlichen Glauben an die Grosssysteme, erklaerte ein Unternehmenssprecher diese Haltung vor allem mit der zunehmenden Selbstaendigkeit der einzelnen IBM- Divisionen.

Bemerkenswert scheint Kulessas Aussage, in Deutschland sei die Nachfrage nach Grossrechnern ungebrochen. Hierzu aeusserte der IBM- Sprecher, man muesse die sich von Land zu Land gegebenen Unterschiede im Akquisitionsverhalten beruecksichtigen.

In Deutschland weiterhin Mainframes im Trend

Die acht neuen "511-Modelle" der luftgekuehlten 9121-Familie - die bisherigen Systeme bezeichnet die IBM jetzt als "320-Modelle" - sollen Leistungszuwaechse von bis zu 60 Prozent bieten, wobei das Spitzenmodell 9121-742 vergleichbar mit der Rechenkraft einer 3090-600J sei.

Fuer einige der 9121-Maschinen bietet die IBM die bislang nur auf den wassergekuehlten Modellen bereitgestellte "Escon Multiple Image Facility" (EMIF) sowie die sogenannte Asynchronous Pageout Facility an. Der Zentralspeicher laesst sich ab sofort in kleineren Abstufungen - bislang nur in Schritten um den Faktor zwei - ausbauen. Dessen maximale Kapazitaet betraegt 1 GB bei MP-Modellen - bei Rechnern also, die sich in zwei funktionale Einheiten aufteilen lassen -, sonst 500 MB.

Die Leistungssteigerung resultiert aus einer Verringerung der Zykluszeit - bei den 9121-Modellen 11 Nanosekunden -, der Nutzung von bislang nur bei den 9021-Rechnern verwendeter Glaskeramik bei den Thermal Conduction Modules (TCM) sowie aus neuentwickelten CMOS-Array-Chips.

Auch die Rechenleistung der unter der Bezeichnung "711"-Modelle - die bisherigen Systemlinien bezeichnet die IBM jetzt als 340- beziehungsweise 520-Rechner - firmierenden wassergekuehlten Mainframes setzte Big Blue hoch, indem unter anderem die Zykluszeit von 9,5 auf 7,1 Nanosekunden reduziert wurde. Diesen Wert hat PCMer Amdahl bei seinen leistungsstaerksten 5995- Grossrechnern mittlerweile auf 5,9 Nanosekunden verkuerzt.

Auf grosses Interesse duerfte bei der IBM-Klientel die ab sofort bereitgestellte Datenkompressions-Option stossen. Sie ist in der Hardware sowohl der luft- als auch der wassergekuehlten Systeme implementiert und soll - bei einem Kompressionsfaktor von etwa zwei bis drei - vor allem den Datenverkehr zwischen Prozessor und Peripherie verringern sowie die Kapazitaet der Massenspeicher erhoehen.

Wermutstropfen jedoch auch hier: Die Unterstuetzung der im Prozessor implementierten Datenkompression durch Software- Einrichtungen in MVS/ESA einschliesslich DB2, IMS, VTAM und DFSMS/MVS soll laut Informationen des britischen Brancheninformationsdienstes "Computergram" erst ab Ende 1993 verfuegbar sein.

Durch Modellumwandlung besteht die Moeglichkeit, von allen bisherigen 9021- und 9121-Modellen auf die neuen Prozessorfamilien zu migrieren.