"Für BPO-Services ist Breslau ideal"

21.12.2006
Seit April 2005 bietet Hewlett-Packard seine Dienste im Bereich Geschäftsprozess-Outsourcing aus Polen an. Mit Jörg Vollmer, Director BPO bei HP Deutschland, sprach CW-Redakteurin Sabine Prehl.

CW: Das BPO-Center in Breslau war usprünglich für den internen Bedarf vorgesehen. Mittlerweile nehmen aber auch viele Großkonzerne die Nearshore-Services in Anspruch. Um welche Dienste handelt es sich konkret?

VOLLMER: Wir bieten hauptsächlich Services im Umfeld von Rechnungswesen und Personalbereich, aber auch Scanning-Dienste an - etwa für Procter & Gamble.

CW: Haben Ihre Kunden keine Bedenken, Geschäftsprozesse ins Ausland auszulagern?

VOLLMER: Transaktionsorientierte, standardisierte Abläufe wie Reisekostenabrechungen oder die Kreditoren- und Debitorenbuchhaltung eignen sich sehr gut für die Abwicklung in Ländern wie Polen. Das haben auch unsere Kunden erkannt.

CW: Beliefert HP auch deutsche Firmen mit Services aus Breslau?

VOLLMER: Die BPO-Services für den hiesigen Markt erbringen wir zum Großteil aus Deutschland. Das liegt zum einen daran, dass der Mittelstand beim Thema Nearshoring noch sehr zurückhaltend ist. Zum anderen sind die Themen gerade im öffentlichen Bereich so speziell, dass sich dafür nur schwer Mitarbeiter im Ausland finden.

CW: HP geht beim Geschäftsprozess-Outsourcing nach dem Rightshoring-Prinzip vor. Was heißt das konkret?

VOLLMER: Je nachdem, was der Kunde auslagern will, schlagen wir ihm verschiedene Sourcing-Optionen vor, die nach dem Baukastenprinzip umgesetzt werden. Für einen unserer Kunden etwa übernehmen wir die Personalbetreuung direkt vor Ort. Das Call-Center liegt in Barcelona, wo wir Muttersprachler aus verschiedenen Ländern finden. Und die Backoffice-Prozesse kommen aus Breslau beziehungsweise für den englischen Markt aus Indien.

CW: Warum gerade Polen? Es gibt doch günstigere Länder in Osteuropa …

VOLLMER: Das stimmt, aber für den Einstieg ins Nearshore-BPO ist Polen wegen der guten Infrastruktur und Erreichbarkeit ideal. Und speziell Breslau ist - historisch bedingt - stark mit Deutschland verbunden. Außerdem sind die Lohnkosten hier geringer als in Warschau oder Krakau. Auch die Fluktuation ist mit derzeit sieben Prozent relativ niedrig. Vor allem aber ist Breslau eine moderne Universitätsstadt, die uns einen ständigen Nachschub an qualifizierten Fachkräften garantiert. Unsere Mitarbeiter sind im Schnitt Mitte zwanzig, sprechen fast alle Deutsch sowie Englisch und sind extrem engagiert.

CW: Wie sieht es mit Zertifizierungen aus?

VOLLMER: Das Center in Breslau erfüllt die Standards ISO 9000 und BS 7790. Für Kunden aus den USA bieten wir zudem eine SAS 70-Zertifizierung an. Ansonsten erfolgt die Spezialisierung im Hinblick auf Prozesstiefe, Industrialisierungsverfahren oder Six-Sigma-Ausbildung on the job. Dafür muss allerdings ein Basiswissen vorhanden sein. Aber das ist ja in Breslau der Fall.

CW: Soll das BPO-Center weiter ausgebaut werden?

VOLLMER: Wir beschäftigen in Breslau derzeit über 500 Mitarbeiter. In zwei Jahren sollen es rund 2000 sein.

CW: Wie beurteilen Sie die Konkurrenz aus Indien?

VOLLMER: Der Wettbewerbsdruck ist zweifelsohne hoch. Trotzdem besteht meiner Ansicht nach kein Anlass zur Sorge. HP hat einen langen Vorlauf: Wir haben bereits vor 15 Jahren damit begonnen, Shared-Service-Center aufzubauen. Wir haben Fehler gemacht und daraus gelernt. Inzwischen wissen wir, wie das Outsourcing-Geschäft in Europa funktioniert. Damit haben wir den indischen Anbietern einiges voraus.