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Freiwillige sollen Folterungen im Lager Guantanamo per Wiki aufklären helfen

27.06.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Seit dem Irak-Krieg, den die Vereinigten Staaten mit von der Faktenlage nicht haltbaren Beweisen begründet hatten, haben sich in den USA wieder vermehrt Gruppen formiert, die der offiziellen Politik, aber auch den Verlautbarungen der Medien misstrauen. Jetzt wollen Aktivisten im großen Stil veröffentlichte Vernehmungsprotokolle aus dem US-amerikanischen Lager Guantánamo Bay Naval Base auf Kuba durcharbeiten. Hierzu sollen Freiwillige auf einer als Wiki organisierten Homepage 4000 Seiten lange Protokolle durcharbeiten. Ziel ist, die Niederschriften auf weitere Beweise für Misshandlungen zu durchforsten.

Die US-Regierung musste die Dossiers der Militärtribunale von 59 ehemaligen und noch in Guantánamo inhaftierten Gefangenen an die Presseagentur Associated Press (AP) herausgeben. Gesetzliche Grundlage hierfür ist der Freedom of Information Act. Die Tribunale waren abgehalten worden, um festzustellen, ob die Festgesetzten von den USA zu Recht als feindliche Kombattanten eingestuft worden waren und legal in Guantánamo gefangen gehalten werden.

Die Protokolle wurden nun im Internet veröffentlicht. Wie "Spiegel online" schreibt, hat sich eine Aktivistengruppe um Susan Ho von Daily Kos der Thematik angenommen und will nun Freiwillige gewinnen, die gesamten 4000 Seiten zu lesen. Mittlerweile hätten sich bereits 80 Mitarbeiter gemeldet. Die Online-Rechercheure sollen die Protokolle nach Belegen für möglicherweise noch nicht bekannte Misshandlungen und Folter durchforsten. Die genaue Lektüre der Dokumente solle verhindern, dass Beweismaterial übersehen werde, hieß es in einer Verlautbarung.

Da die Dokumente sehr ins Detail gehen, braucht es offenbar viel Zeit und Mühe, sie durchzuarbeiten. Jedem der 59 (Ex-)Gefangenen wurde ein Hauptbearbeiter zugeordnet. Dieser kann, schreibt "Spiegel online", per Mail direkt kontaktiert werden. Einige Protokolle sind bereits komplett gelesen. Die Gefangenschaftsexegese und die Aussagen der betreffenden Inhaftierten können nach verfolgt werden. (jm)