Honorare auf Rekordniveau

Freiberufler fordern höhere Stundensätze

07.11.2017
Von 
Alexandra Mesmer war bis Juli 2021 Redakteurin der Computerwoche, danach wechselte sie zu dem IT-Dienstleister MaibornWolff, wo sie derzeit als Head of Communications arbeitet.
Bei 89,87 Euro ist der durchschnittliche Netto-Stundensatz angekommen, den IT- und Engineering-Freiberufler von ihren Auftraggebern fordern. Diese Forderungen können sie oft auch durchsetzen, wie eine Studie zeigt. Allerdings bleiben die Gewinne der Freiberufler aufgrund steigender Kosten hinter den Erwartungen zurück.

Seit fünf Jahren befragt IT-Personaldienstleister Gulp Freiberufler jährlich zu Themen wie Stundensätze, Projektbedingungen und Trends. So hoch wie in diesem Jahr waren die Stundensätze, die Freiberufler gegenüber ihren Auftraggeben fordern, noch nie: 89,87 Euro beträgt der durchschnittlich ermittelte All-inclusive-Netto-Stundensatz (ohne Mehrwertsteuer) der IT- und Engineering-Freelancer laut Gulp Freelancer Studie 2017.

Steigende Kosten für Freiberufler

Auch absolut handelt es sich um eine Rekordsteigerung: 6,39 Euro liegt der diesjährige Wert über dem Stundensatz des Vorjahres. Die Steigerung wird vor allem vom starken Anstieg im hochpreisigen Segment getragen. 14,6 Prozent der knapp 1100 Umfrageteilnehmer trugen einen Stundensatz ein, der höher als 130 Euro ist - im Vorjahr waren dies nur 4,6 Prozent. "Dass der Anstieg im Top-Verdiener-Bereich so hoch ist, liegt nicht nur an demografischen Gründen", erklärt Stefan Symanek, Leiter Marketing bei Gulp. "Auch weiterhin steigende Ausgaben wie Spesen, Reise- oder Versicherungskosten leisten ihren Beitrag dazu."

Stefan Symanek, Gulp: "Die Freelancer erhöhen ihre Preise also nicht rein willkürlich, sondern tragen den gestiegenen Kosten für die Freiberuflichkeit Rechnung."
Stefan Symanek, Gulp: "Die Freelancer erhöhen ihre Preise also nicht rein willkürlich, sondern tragen den gestiegenen Kosten für die Freiberuflichkeit Rechnung."
Foto: Michaela Handrek-Rehle

Dass die Steigerungen gerechtfertigt sind, zeigt ein Blick auf die Entwicklung von Umsatz und Gewinn in den vergangenen fünf Jahren. Während der Umsatz - bedingt durch die kontinuierlich steigenden Stundensätze - stetig zunahm, ist beim Gewinn weniger Bewegung zu erkennen. So ist die Schere zwischen Umsatz und Gewinn in den vergangenen Jahren immer weiter aufgegangen. Während die Ausgaben der Freelancer 2013 noch durchschnittlich 41 Prozent des Umsatzes ausmachten, ist dieser Anteil für das Jahr 2016 auf 47,7 Prozent gestiegen. "Die Freelancer erhöhen ihre Preise nicht willkürlich, sondern tragen den gestiegenen Kosten für die Freiberuflichkeit Rechnung", unterstreicht Symanek.

Steigende Nachfrage dank digitaler Projekte

Trotz der gestiegenen Stundensatzforderungen kann mehr als jeder zweite Freiberufler die Preisforderungen ohne Abweichungen durchsetzen. "Die Freelancer können selbstbewusst in die Preisverhandlung gehen, denn aufgrund des aktuellen Booms der Digitalisierungsprojekte sind sie gefragter denn je", so Symanek. "Die Unternehmen wiederum suchen händeringend nach Spezialisten und sind bereit, für gute Leute tiefer in die Tasche zu greifen."

Für das nächste Jahr ist eine weitere Steigerung des Durchschnittsstundensatzes zu erwarten: Die Hälfte der Umfrageteilnehmer plant, den Stundensatz im nächsten Projekt zu ändern. Davon wiederum sehen 46 Prozent eine Steigerung um fünf bis zehn Prozent vor. "Die magische Schallmauer von 90 Euro beim durchschnittlichen Stundensatz dürfte dann bald durchbrochen werden", prognostiziert Symanek.