COMPUTERWOCHE Roundtable IT-Freiberufler

Freelancer sind keine Schuhe

04.11.2015
Von 

Florian Kurzmaier ist ein klassischer Quereinsteiger: Nach einem Studium der Geschichtswissenschaften in München landete er zunächst bei der Gamepro, dann als Volontär bei der Macwelt. Inzwischen verantwortet er als Editorial Lead – Events, Platforms and Innovation alle inhaltlichen Aspekte der IDG-Veranstaltungen – beispielsweise auch den Wettbewerb des Digital Leader Award. Sportlich gehört sein Herz dem FC Bayern und den Green Bay Packers.

Zertifikate, die die Welt bedeuten

In einer Branche, in der sich die Talente von Menschen nur schlecht in vergleichbare Standards pressen lassen, fällt die Auswahl der "perfekten Kandidaten" schwer. Um so wichtiger sind deswegen Zertifikate wie BSI Grundschutz, ITIL oder PRINCE2. Sie sorgen letztlich dafür, dass sich Skillsets von Freelancern vergleichen lassen und so auch beim Kunden Klarheit über die Fähigkeiten der Externen herrscht. "Die Freiberufler tun gut daran, up-to-date zu sein", ergänzt Carlos Frischmuth - vor allem in der Softwareentwicklung. Neben dem klassischen Development, das sich zunehmend von der Ebene der Querschnitttechnologien wie Cloud Computing oder Big Data löst, gilt der Trend zum Zertifikat auch für andere Bereiche. Frank Shams beispielsweise sagt: "Projektmanager müssen heutzutage zertifiziert sein." Mit dem Einzug von Zertifikaten stellte sich den Teilnehmern der Diskussion auch die Frage, inwiefern agile Methoden wie SCRUM den Freiberufler-Markt bewegen.

Eine ganze Reihe hochkarätiger Vertreter versammelten sich im Konferenzzentrum des Verlages.
Eine ganze Reihe hochkarätiger Vertreter versammelten sich im Konferenzzentrum des Verlages.

Während für Maxim Probojcevic das Thema nicht mehr wirklich zu den Hype-Themen gehört ("SCRUM ist schon längst etabliert."), eröffnet Carlos Frischmuth eine neue Perspektive auf SCRUM, nämlich den Compliance-Aspekt: "SCRUM als agile Methode erfordert eine andere Einbindung von Ressourcen im Unternehmen. Sogar die Politik beschäftigt sich damit, wie SCRUM als Methodik aus der IT compliance-fähig werden kann." Der Hintergrund ist relativ einfach erklärt: Inwiefern lässt sich der Freelancer in ein SCRUM-basiertes System aufnehmen, ohne dass er aufgrund der Weisungen des Auftraggebers (die in einem agilen System durchaus vorkommen können) Gefahr läuft, in die Scheinselbständigkeit zu geraten.

IT-Security? Sicher!

"IT-Security hat enorm zugenommen." Mit diesen Worten leitet Frischmuth den letzten größeren Themenblock ein, den die Teilnehmer des COMPUTERWOCHE-Freiberufler-Roundtables diskutiert haben - Security. "Wir sehen bei uns in diesem Jahr bei der Zahl der Anfragen den mit Abstand größten Sprung im Bereich IT-Security - das explodiert förmlich. Die anderen Hype-Themen sind zwar da, spielen aber vom Business-Anteil keine wirkliche Rolle. Das Thema IT-Security liegt bei uns inzwischen im IT-Sektor bei zehn Prozent, ist also absolut wahrnehmbar", erklärt SOLCOM-Vertreter Probojcevic.

Neben der fachlichen Diskussion blieb auch reichlich Zeit für Networking.
Neben der fachlichen Diskussion blieb auch reichlich Zeit für Networking.

Angesichts der zunehmenden Adoption bei Cloud-Computing-Lösungen (beispielsweise für Backup oder Disaster Recovery) oder BI und Data Analytics verwundert dieser Trend kaum, werden doch Daten in zunehmendem Maße eine missionskritische Komponente. Das haben laut Probojcevic inzwischen viele der Kundenunternehmen der Personalvermittler verstanden: "Es geht nicht mehr nur um irgendeine Sicherheitsthematik, sondern ums Überleben. Wir sprechen mittlerweile auf internationaler Ebene von Wirtschaftsspionage. Dementsprechend versuchen die Unternehmen denen es noch gut geht, sich entsprechend aufzustellen."

Insofern dürften IT-Security-Spezialisten in den Schuhregalen der Personaldienstleister künftig Gold wert sein - erst recht, wenn sie alle notwendigen Zertifikate mitbringen.

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