IT-Freelancer-Markt

Frauenmangel unter Freiberuflern

24.03.2020
Von 
Karen Funk ist Senior Editor CIO-Magazin und COMPUTERWOCHE bei IDG Tech Media. Ihre inhaltlichen Schwerpunkte sind IT-Karriere und -Arbeitsmarkt, Führung, New Work und Diversity. Als Senior Editorial Project Manager leitet sie zudem seit 2007 den renommierten IT-Wettbewerb CIO des Jahres und ist in dieser Funktion sowohl für die Organisation des Wettbewerbs (Jury, Teilnehmerakquise, Wettbewerbsdurchführung) als auch für die mediale Berichterstattung verantwortlich. Funk setzt sich seit vielen Jahren für mehr Frauen in der IT ein, engagiert sich bei IDG in der Employee Resource Group "I stand with her" und hat mit einer Kollegin zusammen die COMPUTERWOCHE-Sonderausgabe "Karriere: Die digitale Welt braucht Frauen!" aus der Taufe gehoben, die 2021 zum 5. Mal erschienen ist.
Selbständigkeit ist für IT-Expertinnen offenbar nicht so attraktiv wie für Männer: Nur elf Prozent der IT-Freelancer sind hierzulande weiblich. Knapp die Hälfte von ihnen arbeitet im Consulting oder als Projektleiterinnen.

Wie die IT-Branche generell ist auch der IT-Freiberuflermarkt in Deutschland, Österreich und der Schweiz nach wie vor eine Männerdomäne: Nur elf Prozent der Freelancer im Bereich IT und Engineering sind weiblich. Das geht aus der Studie "Freelancer-Kompass 2019" hervor, an der rund 1350 Freiberufler aus der DACH-Region teilnahmen. Die Studie erstellt der auf IT- und Engineering-Experten spezialisierte digitale Marktplatz freelancermap jedes Jahr neu.

Eine aktuelle Studie nimmt den Frauenanteil unter IT-Freiberuflern in der DACH-Region unter die Lupe - mit ernüchternden Ergebnissen.
Eine aktuelle Studie nimmt den Frauenanteil unter IT-Freiberuflern in der DACH-Region unter die Lupe - mit ernüchternden Ergebnissen.
Foto: Devenorr - shutterstock.com

Gut ein Viertel der befragten Freiberuflerinnen sind demnach in der Beratung tätig (25,7 Prozent). An zweiter Stelle folgt die Projektleitung, in der 21,7 Prozent der Freelancerinnen angesiedelt sind. Gut 15 Prozent der selbständigen IT-Expertinnen wiederum arbeiten in Projekten mit. Auf Rang vier und fünf der Beschäftigungsfelder folgen die Bereiche Management (11,5 Prozent) und Entwicklung (9,5 Prozent). Weit abgeschlagen auf Rang sechs findet sich dafür Qualitätsmanagement mit 3,4 Prozent.

Frauen entschließen sich offenbar erst mit zunehmender Berufserfahrung für die Selbständigkeit. Dafür spricht das Durchschnittsalter der Freelancerinnen, das bei 46,4 Jahren liegt.

Freelancer-Markt: IT-Begeisterung der Mädchen fördern

"Es ist definitiv kein Zufall," sagt Thomas Maas, CEO von freelancermap, "dass nur elf Prozent der Freelancerinnen in der IT-Branche weiblich sind." Leider hänge der IT nach wie vor zu Unrecht der Ruf von "Nerdiness" an. "Die Arbeit ist tatsächlich viel spannender und kreativer, als sie auf den ersten Blick scheint", so Maas. Er plädiert dafür, schon früh bei der Erziehung anzusetzen, um mehr Frauen für die Tech-Berufe zu begeistern. Das gelte für Eltern und den Staat gleichermaßen.

Thomas Maas, CEO von freelancermap: "Es ist kein Zufall, dass nur elf Prozent der Freelancerinnen in der IT-Branche weiblich sind."
Thomas Maas, CEO von freelancermap: "Es ist kein Zufall, dass nur elf Prozent der Freelancerinnen in der IT-Branche weiblich sind."
Foto: freelancermap

Wenn sich Mädchen ausprobieren wollen, sollten ihre Eltern bedingungslos hinter ihnen stehen - ohne Geschlechterstereotype im Kopf. Auch in der Schule müssten Kinder spielerisch an digitale Technologien herangeführt werden. "Niedersachsen ist hier Vorreiter, denn in dem Bundesland ist IT ab 2023/24 ein Pflichtfach", sagt Maas. Besonders wichtig ist für den Manager aber, dass Lehrkräfte die Begeisterung von IT-interessierten Mädchen fördern und deren Enthusiasmus von Beginn an ernst nehmen. Er ist überzeugt: "Wenn Eltern und Staat an einem Strang ziehen und so die Türen zur IT öffnen, haben mehr Mädchen später auch das Selbstbewusstsein und den Mut, eine bis dato Männerdomäne mitzuprägen."