Rezept gegen Fachkräftemangel?

Frauen in die IT!

30.12.2010
Von Hadi Stiel
Wenn Unternehmen mehr Mitarbeiterinnen einstellen, lässt sich auch der Fachkräftemangel reduzieren, argumentiert Microsoft-Deutschland-Chef Ralph Haupter.

CW: Sind mehr IT-Spezialisten aus dem Ausland die richtige Strategie, dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken?

"Arbeitgeber ignorieren, dass die Menschheit zu rund 50 Prozent aus Frauen besteht." Ralph Haupter, Microsoft
"Arbeitgeber ignorieren, dass die Menschheit zu rund 50 Prozent aus Frauen besteht." Ralph Haupter, Microsoft
Foto: Microsoft

HAUPTER: Wir werden in den nächsten Jahren nicht auf IT-Fachkräfte aus dem Ausland verzichten können. Ob wir wirksame Rezepte gegen den Fachkräftemangel finden werden, wird sich dennoch in Deutschland entscheiden. Solange den Jugendlichen und Hochschulabgängern oft für einen erfolgreichen Einstieg ins Berufsleben das notwendige Rüstzeug fehlt, wird Nachholbedarf bestehen. Das beginnt bei den Jugendlichen damit, dass ihnen in der Schule und im Elternhaus berufsrelevante Kenntnisse nur unzureichend vermittelt werden. Ganz deutlich sehen wir das beim PC-Wissen. Auch die Absolventenquote aus informatiknahen Studiengängen lässt zu wünschen übrig.

CW: Was haben deutsche Unternehmer versäumt, um dem aufkommenden IT-Fachkräftemangel frühzeitig zu begegnen?

HAUPTER: Zwar beschäftigt der IT-Fachkräftemangel die IT-Industrie und Unternehmen schon seit Jahren. Auch dass sich aufgrund des demografischen Wandels der Fachkräftemangel verschärfen wird, ist schon seit langem abzusehen. Offensichtlich wurde aber in der jüngsten Vergangenheit trotz allem Engagement für die Aus- und Weiterbildung der Mitarbeiter nicht genug getan.

CW: Was sollten Arbeitgeber tun?

HAUPTER: Arbeitgeber werden gute Fachkräfte nur anziehen und halten können, wenn sie dreierlei bieten: attraktive Arbeitsplätze, eine aktive Karriereförderung für die Mitarbeiter und ein familienfreundliches Arbeitsumfeld, beispielsweise durch flexible Arbeitszeiten.

CW: Kurzfristige Gewinnmaximierung einerseits, langwierige Spezialistenausbildung andererseits: Hat nicht genau dieser Widerspruch viele Unternehmen in der jüngsten Vergangenheit von einem Engagement in die Aus- und Weiterbildung eigener Spezialisten abgehalten?

HAUPTER: Im Vergleich zu den internationalen Konkurrenten steht die deutsche Industrie in puncto Aus- und Weiterbildung gut da. Auf dieser Basis kann aufgebaut werden. Das setzt allerdings von staatlicher und unternehmerischer Seite die Bereitstellung finanzieller Mittel voraus.

CW: Sind Universitäten und Fachhochschulen in der Lage, den Absolventen das Rüstzeug für ihre Spezialistenjobs mitzugeben? Oder anders gefragt: Sollte es überhaupt die Aufgabe der Universitäten und Fachhochschulen sein, gezielt der Industrie zuzuarbeiten?

HAUPTER: Ich sehe hier keinen Widerspruch. Bund und Länder als Träger dieser Einrichtungen dürfen nicht aus der Verantwortung für den Markt entlassen werden. Sie müssen gemeinsam mit der Wirtschaft die Weichen dafür stellen, dass Deutschland seine wichtigsten Rohstoffe nicht ausgehen: smarte Köpfe und kluge Ideen. Mit verkürzten Studienzeiten und international geltenden Abschlüssen im Rahmen der Hochschulreform ist schon viel erreicht worden. Diesen Weg zu mehr Nähe zwischen Hochschulen und Fachhochschulen einerseits und der Wirtschaft andererseits gilt es zügig weiterzubeschreiten.

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