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Forschungsinstitute sollen marktorientierter arbeiten

11.01.2000

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Wirtschaftsminister Werner Müller will die Schwerpunkte der Technologieförderung verändern und sie stärker an den Bedürfnissen der Unternehmen ausrichten.

Müller fasst die zahlreichen Programme zu drei sogenannten Förderlinien zusammen, wie die "Süddeutsche Zeitung" aus einem Papier des Wirtschaftsministeriums zitiert.

So soll die neue Förderlinie "Innovation" jungen Technologieunternehmen bei der Finanzierung helfen. Müllers Ziel ist es, niedrigere Patentgebühren zu erreichen und sogenannte "Business-Angel-Märkte" zu fördern, die Gründer mit Beratern und privaten Kapitalgebern zusammenbringen. In den USA, so das Ministerium, stellten die Business-Angels 80 Prozent des Beteiligungskapitals für junge Unternehmen.

Die Förderlinie "Technologische Beratung" hat den Wissenstransfer bei Mittelständlern im Auge. Weil das Handwerk zunehmend vom technologischen Wandel betroffen sei, will Müller hier einen Schwerpunkt setzen. Die Förderlinie "Forschungskooperation" schließlich soll gemeinsame Vorhaben von Mittelständlern und Forschungsinstituten unterstützen. Der Minister räumt ein, dass Deutschland über eine leistungsfähige Forschungsinfrastruktur verfüge, kritisiert aber, dass die Orientierung an zukünftigen Märkten fehle. Er fordert effizientere Strukturen bei den öffentlichen Forschungseinrichtungen und stärkere Marktrelevanz bei der Beurteilung eines Forschungserfolgs.

Kritik übt Müller auch an den Ergebnissen des deutschen Bildungssystems. Wegen mangelnder Praxisnähe und zu langer Ausbildungszeiten müssten die Schulen und Hochschulen reformiert werden. Bei den Ausgaben für Bildung und Forschung rangiere Deutschland international nur im Mittelfeld. Der Minister selber will für Forschungs- und Entwicklungsprogramme heuer 1,7 Milliarden, im nächsten Jahr 1,87 Milliarden und 2002 zwei Milliarden Mark ausgeben.