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Ford stellt Oracle-basierendes Procurement-System ein

19.08.2004

Obwohl es seit vier Jahren produktiv läuft und Millionen von Dollar darin investiert wurden, hat sich der US-amerikanische Automobilkonzern Ford Motor entschieden, sein Procurement-Softwareprojekt "Everest" auf Basis von Oracle 11i E-Business Suite einzustellen und stattdessen wieder zu seiner früheren Mainframe-basierenden Individualsoftware zurückzukehren. Ford-Sprecher Paul Woods bestätigte gestern entsprechende Gerüchte, die Anfang der Woche aufgekommen waren.

"Nach einer Analyse aller produktiven und nichtproduktiven Beschaffungssysteme haben wir uns entschieden, auf das erprobte System zurückzugehen", so Woods. Das Everest-Projekt war 1999 auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase gestartet worden, als Firmen routinemäßig große Summen in die Hand nahmen, um ihre Lieferkette zu automatisieren - mit unterschiedlichem Erfolg. Everest wurde laut Woods separat von dem ebenfalls von Ford mitinitiierten Online-Marktplatz Covisint aufgesetzt. Der Sprecher bezeichnete das Projekt als "sehr ambitioniert", nannte aber kaum Details zur Implementierung.

Erste Everest-Anwendungen seien im Jahr 2000 live gegangen, danach folgte ein "Rolling Launch". Wie viele Lieferanten oder Geschäftsbereiche derzeit mit Everest arbeiten, ist nicht bekannt. Laut Woods ist die Lösung aber im Unternehmen "weit verbreitet". Wo genau die Probleme mit Everest lagen, konnte oder wollte Woods ebenfalls nicht verraten. Insider hatten kolportiert, dem Oracle-basierenden System mangele es an Leistung.

Ford will sich nun mit seinen Inhouse-Entwicklern bemühen, relevante neue Features der Everest-Lösung in sein Legacy-System zu übernehmen. Die Großrechner-Lösung war parallel zu Everest weitergelaufen, Zulieferer benutzten beide Systeme für ihre Transaktionen. Wie lange die Remigration auf die Altlösung letztlich dauern und was der Everest-Flop das Unternehmen alles in allem kosten werde, sagte Woods nicht.

Von Oracle gab es praktisch keinen Kommentar. "Oracle unterstützt Ford weiterhin bei seinen Back-to-basics strategischen Initiativen und IT-Projekten. Da wir uns gern an ein bestehendes Stillschweigeabkommen halten möchten, wäre es unpassend, wenn Oracle hier irgendwelche Einzelheiten kommentieren würde", hieß es lediglich. (tc)