Die Industrialisierung der Informationsverarbeitung

Folge 7

22.08.1980

Von Diplomkaufmann Thomas H. Adenauer, Professor an der Fachhochschule Rheinland-Pfalz

Deswegen entspricht jenem Informationsnetz, das generelle Zielvorgaben in konkrete Handlungsanordnungen an die operative Ebene umsetzt, ein Berichtsnetz in umgekehrter Richtung mit der Aufgabe, Kontrollinformationen zu transportieren.

Es ist eine Kunstregel bei der Anwendung von Computern, die berichtenden Teile der strukturellen Informationsversorgung aus der operativen abzuzweigen. Denn es wäre unsinnig, maschinell ohnehin bereitstehende Daten den in der Struktur Verantwortlichen nicht - entsprechend aufbereitet - als Kontrollinformation systematisch bereitzustellen.

Es ist ein weit verbreiteter und wirtschaftlich sehr folgenreicher Kunstfehler, die Kontrollinformationen im gleichen Takt bereitzustellen wie die operative Informationsversorgung ihre Daten.

Da sich die Ereignisfolgen des Unternehmensgeschehens, gesteuert von der operativen Informationsversorgung, meistens in kontinuierlichen Prozessen vollziehen, hat hier die Datenproduktion dann zeitkritischen Charakter. Für große Teile der operativen Informationsversorgung besteht deswegen, zumeist auch noch lokal und je nach Grad der Arbeitsteilung materiell gestreuter Sofortverarbeitungsbedarf. (Das gilt nicht für die informationstechnische Führung von Operationen, die ohnehin in Intervallen vollzogen werden, wie Lohn und Gehalt, Spesenabrechnung, Provisionsabrechnung und dergleichen.)

In der Praxis als zeitkritisch darf gelten:

- Fakturierung

- Versandwesen

- Debitoren

- Disposition der Produkte und Produktlager

- Betriebsdisposition mit

- Arbeitsvorbereitung

- Produktions-, Prozeßsteuerung

- Betriebsmitteldisposition

- Vorratsdisposition

- Materialbeschaffungswesen

- Kreditoren

- Abwicklung des Zahlungsverkehrs

Nun ist es sehr unwirtschaftlich, den Unternehmensablauf transaktionsorientiert zu überwachen und jede einzelne Transaktion auf den verschiedenen Verantwortungsebenen mit den vorgegebenen Zielen zu vergleichen. Zwar haben die Berichtsintervalle um so kürzer zu sein, je näher zur operationalen Ebene die Verantwortung des Berichtsadressaten liegt. Jedoch führt umgekehrt transaktionsorientierte maschinelle Berichterstattung zu um so mehr Ballastdatenproduktion, je weiter der Adressat von der operationalen Ebene entfernt und damit um so größere Verantwortungskomplexe trägt. Die Berichtsintervalle der strukturellen Informationsversorgung haben sich deswegen nach dem Umfang der Transaktionskomplexe zu richten, die zu Prozeßergebnisberichten zusammengefaßt werden müssen. Schon um ihrer Lesbarkeit willen müssen die Berichte die Resultate von durch die jeweiligen Verantwortungsbereiche begrenzten Ereignisketten darstellen.

Kontrollierende strukturelle Informationsversorgung ist prinzipiell Intervall-, Stapelverarbeitung. Informationsbedarfe im Bereich kontrollierender Rechnungen sind in der Regel nicht zeitkritisch, treten typischerweise in Intervallen auf: Nicht zeitkritisch ist insofern der Gesamtbereich des bilanziellen und betrieblichen Rechnungswesen, mit

- Bilanz

- Hauptbuchhaltung

- Personalabrechnung

- Anlagenbuchhaltung

- Kostenstellenrechnung

- Nachkalkulation (Kostenträgerrechnung, Deckungsbeitragsrechnung, Auftragsabrechnung)

- betriebswirtschaftlichen Steuerungskennzahlen

- kurzfristiger Erfolgsrechnung

- Provisions- und Spesenabrechnungen

- Mahnwesen

- Steuererklärungen u. a.

Neben diesen fundamentalen aus der Problemmaterie abgeleiteten Bestimmungsfaktoren der wirtschaftlichen Anwendung von Computer-Power gibt es noch folgende, aus der Praxiserfahrung weiterzugebende Lösungsaspekte:

- Bisherige Ablaufformen (Mechanisierungsgrad der bisherigen Lösung)

- Datenmengen, absolut

- Relation zwischen Stamm- und Bewegungsdaten

- Problemumfang

- Externe Daten/lnterne Daten

- Räumliche Verteilung der Orte der Datenentstehung

- Räumliche Verteilung der mit Daten zu versorgenden Orte

- Ereignisfrequenz/Responszeit der Lösung

- Tiefengliederung des Entscheidungs-/Kompetenzgefüges.

Zu jedem der ablauforganisatorischen Bestimmungsfaktoren wäre in einem Lehrbuch über die Automation der Informationsversorgung ein ganzes Kapitel zu schreiben. In der vorliegenden, notwendigerweise stark gestrafften Abhandlung kann ich sie nur erwähnen.

Wird fortgesetzt

Bei dieser Serie handelt es sich um den Vorabdruck einer Auftragsarbeit für den schweidischen Computerhersteller Datasaab.