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flickr-Nutzer an Yahoo!: Flick Off!

30.08.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Als Portalriese hat man es nicht leicht, wenn man sich eine Community-gespeiste Startup-Firma einverleibt. Diese Erfahrung muss gerade Yahoo! machen, das sich den Zorn der flickr-Gemeinde zuzuziehen droht. Yahoo! hatte das in Kanada entwickelte flickr, eine Online-Community für digitale Fotos, im März dieses Jahres übernommen und dessen Betreiberfirma Ludicorp mittlerweile nach Kalifornien umgesiedelt.

Nachdem flickr bislang weitgehend unabhängig agieren durfte, sollen seine Mitgliederprofile künftig zwangsweise mit Yahoo!-Identitäten verknüpft werden. Das gefällt einigen flickr-Nutzern überhaupt nicht. Thomas Müller aus Hamburg, der bei flickr mehr als 1400 Fotos hostet, hat deswegen die Protestgruppe "Flick Off" gegründet, der sich bereits über 850 weitere Mitglieder angeschlossen haben.

Diese planen einen "Identity-Massenselbstmord", falls Yahoo! mit seinen Plänen Ernst machen sollte. "Wenn flickr mich wirklich zwingt, im Jahr 2006 Yahoo-Mitglied zu werden, damit ich meinen Account weiterhin nutzen kann, dann steige ich 24 Stunden vor der Deadline aus", schreibt Müller.

Yahoo! hatte zuvor angekündigt: "Wir werden 2006 alle unabhängigen flickr-Accounts auf Yahoos Netz migrieren. Zu diesem Zeitpunkt werden Sie - falls noch nicht geschehen - aufgefordert, eine Yahoo-ID anzulegen (oder Ihren Account mit Ihrer Yahoo-ID zu verknüpfen, falls Sie schon eine besitzen), damit Sie Ihren Account weiterhin nutzen können. Wer später sein Yahoo-Konto kündigt, dessen Bilder werden bei flickr gelöscht.

flickr, erst 2002 an den Start gegangen, ist mit dem Digitalkamera-Boom gewachsen und hat die Verschlagwortung ("tagging") von Inhalten mit popularisiert. Bei den Webby Awards 2005 als "Breakout of the Year" prämiert, hat der Service inzwischen 1,2 Millionen Mitglieder und verwaltet 37 Millionen Fotos.

Stewart Butterfield, der flickr zusammen mit Caterina Fake gegründet hatte, bemühte sich inzwischen um Schadensbegrenzung. Gegenüber "WIRED News" erklärte er, die Mitgliedsnamen bei flickr (so wie sie andere Mitglieder sehen) lägen auch künftig vollkommen im Ermessen der Nutzer. Die Yahoo-ID werde lediglich für den Login verwendet. Die Integration mit dem Netz von Yahoo werde den meisten Nutzern das Leben eher einfacher machen, und es sei einfach nicht sinnvoll, beide Sign-On-Systeme auf ewig parallel zu betreiben. (tc)